Beschäftigte in Sozial-Berufen

Warnstreik der Erzieher für mehr Anerkennung und höhere Eingruppierung

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Sie fordern mehr Anerkennung: Rund 1000 Beschäftigte in sozialen Berufen demonstrierten gestern vor dem Kasseler Ratshaus.

Kassel. Mehrere hundert Erzieherinnen, Sozialarbeiter, Mitarbeiter in der Jugend- und Behindertenhilfe sind heute auf die Straße gegangen, um für mehr Wertschätzung und bessere Eingruppierungen zu demonstrieren.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di schätze, dass 1000 Mitarbeiter aus ganz Nordhessen an der Kundgebung vor dem Kasseler Rathaus und dem anschließenden Demonstrationszug durch die Innenstadt zum Philipp-Scheidemann-Haus teilnahmen.

Mit dabei waren auch Sarah Knobel (28) und Anna Schatz (25), die als Erzieherinnen in einer städtischen Kindertagesstätte in Baunatal arbeiten. „Wir wollen, dass unser Beruf die Anerkennung bekommt, die er verdient“, sagen sie. Dabei geht es auch um eine bessere Bezahlung durch Höhergruppierungen.

Die jungen Frauen, die eine fünfjährige Ausbildung zur Erzieherin absolviert haben, erhalten rund 2500 Euro brutto. Dabei seien sie noch gut dran, sagt Sarah Knobel, denn viele ihrer Kolleginnen in anderen Einrichtungen würden nicht nach Tarif bezahlt.

So verdiene eine Erzieherin, die gemeinsam mit einer Kollegin eine Gruppe von 25 Kindern betreut, nach zwölf Berufsjahren lediglich 3200 Euro, rechnet Gewerkschaftssekretärin Gisela Horstmann vor: „Wir fordern eine generelle Aufwertung der sozialen Arbeit in unserem Land.“ Durch bessere Eingruppierungen und somit eine bessere Bezahlung wolle man im Schnitt eine Verdiensterhöhung von rund zehn Prozent erreichen. Dabei hält sie die Leistungen der Erzieherinnen vor Augen, die Kinder liebevoll und geduldig betreuen und erziehen, deren sprachliche Entwicklung und soziale Kompetenz fördern und verhaltensauffällige Kinder integrieren.

„Es geht um die Arbeit an Menschen, und es kann nicht sein, dass Geld und Technik mehr zählen“, rief Ver.di-Bezirksgeschäftsführer Axel Gerland der Menge zu: „Ihr leistet eine Arbeit von hohem gesellschaftlichen Wert.“ Erfreut zeigte sich Gerland von dem Zuspruch und dem Verständnis der Eltern, die gestern aufgrund des Warnstreiks zum Teil auf Notdienste der kommunalen Kinderbetreuungseinrichtungen zurückgreifen mussten.

Seit 2009 fordere man eine Aufwertung der sozialen Berufe, sagte Fazilet Karakas-Blutte, die der Verhandlungskommission der Tarifrunde im Sozial- und Entwicklungsdienst angehört. In der ersten Verhandlungsrunde sei mit den Arbeitgebern über die Forderungen intensiv diskutiert worden, allerdings seien diese auf Ablehnung gestoßen. Dabei sei die angespannte finanzielle Situation der Kommunen angeführt worden. Dies spürten die Mitarbeiter in sozialen Berufen unter anderem durch dünne Personaldecken allemal. Gesellschaftliche Veränderungen, soziale Ungleichheit, Kinderarmut, aber auch gestiegene Anforderungen der Qualifikation seien weitere Herausforderungen. Dabei seien es die Beschäftigten des Sozial- und Erziehungsdienstes, die für die Wahrung der Grundrechten von Kindern, Jugendlichen nd Erwachsenen sorgten.

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