Gründe: Leergefegter Arbeitsmarkt und Fachkräftemangel

Selten Zoff um Kündigungen: Zahl der Klagen vor Kasseler Arbeitsgericht rückläufig

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Die Zahl der Klagen am Arbeitsgericht Kassel ist rückläufig.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer stehen sich immer seltener vor dem Kasseler Arbeitsgericht gegenüber. Die Zahl der eingehenden Klagen sei seit Jahren deutlich rückläufig. 

Das  sagt Gerichtssprecher Wolfgang Leinweber. Grund dafür  seien der leer gefegte Arbeitsmarkt und der Fachkräftemangel. So habe sich vor allem die Zahl der Verfahren wegen betriebsbedingten Kündigungen stark reduziert.

Auch verhaltensbedingte Kündigungen landen seltener vor Gericht. „Offenbar versuchen Arbeitgeber, auch bei Problemen ihre Mitarbeiter zu halten, weil sie Sorge um die Nachbesetzung haben“, sagt Leinweber.

2014 waren beim Arbeitsgericht noch 3757 Klagen eingegangen. Diese Zahl ging seitdem kontinuierlich zurück. Vergangenes Jahr waren es noch 3418 Klagen. „Wenn man noch weiter zurückblickt, ist der Rückgang noch viel deutlicher. Es gab Güteverhandlungen, in denen wir 15 Fälle und mehr pro Tag abgearbeitet haben. Heute seien es vielleicht noch fünf Fälle“, so der Gerichtssprecher.

Von acht Richterstellen aktuell nur fünf Richter im Dienst

Hessenweit hat sich die Zahl der Klageeingänge bei den Arbeitsgerichten zwischen 2009 von 65.000 auf knapp 33.000 im Jahr 2018 halbiert. Langweilig sei den Kasseler Richtern trotzdem nicht. Dies liege daran, dass von acht Richterstellen aktuell nur fünf Richter im Dienst seien. 

Zwei Kollegen seien längerfristig erkrankt. Zudem gingen zwei Richter Anfang nächsten Jahres in den Ruhestand. Insgesamt sei es ein „schwankendes Geschäft“, sagt Leinweber. Er geht davon aus, dass das von vielen Experten prognostizierte Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs auch am Arbeitsgericht spürbar werde. „Wir hatten so eine Boomphase schon einmal nach dem Mauerfall. Dann kam der Einbruch“, so der Richter.

In der Zwischenzeit haben die Juristen mit anderen Fällen zu. „Mit Kleinunternehmern, die ihren Lohn nicht bezahlen, haben wir hier immer zu tun.“

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