NVV: Viele Fahrgäste kennen Tarifsystem nicht richtig 

Wie Geisterzüge: Regiotrams fahren oft leer durch Kassel

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Geisterzug: Als wir gestern mit den Regiotrams im Kasseler Stadtgebiet unterwegs waren, gab es in den Bahnen auf allen drei Linien immer jede Menge Platz. 

Kassel. Die Regiotrams wirken im Stadtverkehr gelegentlich wie Geisterzüge: Sie bleiben auf den innerstädtischen Strecken oft leer.

Den Grund dafür sieht NVV-Sprecherin Sabine Herms in einer Wissenslücke der Fahrgäste. 

Nach Auskunft des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) haben im Jahr 2015 etwa 4,5 Mio. Fahrgäste die Regiotrams genutzt, die Kassel mit der Region verbinden. Allerdings bleiben die Bahnen in der Innenstadt oft leer – ein Großteil der Fahrgäste steigt am Hauptbahnhof und Scheidemannplatz ein und aus. Obwohl am Mittwoch viele Menschen in der Innenstadt unterwegs waren, um Gutscheine einzulösen und Weihnachtsgeschenke umzutauschen, waren die Regiotrams auf der Königsstraße nur mäßig gefüllt. Auf der Trasse in Richtung Auestadion (RT 5) war die Regiotrams fast komplett leer. Ganz anders sah es in den Straßenbahnen aus, die gut gefüllt durch die Innenstadt fuhren.

Das Problem sei bekannt, sagt NVV-Sprecherin Sabine Herms. Sie erklärt das Phänomen damit, dass viele Fahrgäste noch nicht wüssten, dass die Regiotrams ohne Aufpreis mit normalen NVV-Fahrkarten für die Stadt Kassel oder den Kassel-Plus-Bereich genutzt werden können – sprich, den gleichen Tickets, die auch für die KVG-Straßenbahnen gelten.

Selbst die Nahverkehrszüge zwischen dem Hauptbahnhof und IC-Bahnhof Wilhelmshöhe dürften mit dem normalen NVV-Ticket bestiegen werden. Vor allem den Gelegenheitsfahrern sei das Tarifsystem aber kaum bekannt.

Neben der Unwissenheit über die Tarife sei ein weiterer Grund, dass Fahrgäste nicht umsteigen wollten. Eine Regiotramfahrt im innerstädtischen Verkehr erfordere dies aber bisweilen.

Während die RT 5 (Melsungen-Auestadion) im Abschnitt zwischen Rathaus und Auestadion bei unserem gestrigen Test fast leer blieb, sah es in der RT 4 (Wolfhagen - Holländische Straße) und RT 1 (Hofgeismar - Holländische Straße) etwas besser aus. Wobei auch deren 160 Steh- und Sitzplätze zwischen Holländischem Platz und Holländischer Straße ziemlich leer blieben. Während des laufenden Uni-Semesters seien die Bahnen aber gut gefüllt, sagt NVV-Sprecherin Herms. Aktuell ist vorlesungsfreie Zeit.

Die KVG würde sich ebenfalls wünschen, dass die in der Kernzeit halbstündig fahrenden Regiotrams für den Stadtverkehr stärker genutzt würden. „Das würde unsere zum Teil sehr vollen Straßenbahnen entlasten“, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad.

Ein ähnliches Problem sieht Hamdad bei den roten Regionalbussen, die im Auftrag des NVV in Kassel unterwegs sind. „Oft warten die Fahrgäste auf die blauen Busse der KVG, obwohl sie auch die roten benutzen könnten“, sagt Hamdad.

Dieses Problem sieht NVV-Sprecherin Sabine Herms nicht. Die meisten Regionalbusse seien auch innerhalb der Stadt ausgelastet. Offizielle Zahlen zur Auslastung der Regiotrams in der Stadt hat der NVV nicht.

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