Trotz Mieterhöhungen

Wohnstätten 1889 in Kassel: Die Mieten bleiben günstig

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Dem Abriss folgt der Neubau: Auf dem Grundstück Bruchstraße 36 gegenüber dem Kirchditmolder Regiotram-Bahnhof lassen die Vereinigten Wohnstätten 1889 für 2,5 Millionen Euro ein neues Mietshaus mit 14 barrierefreien Wohnungen errichten.

Kassel. Zwar müssen auch die Mieter der Genossenschaft Vereinigte Wohnstätten 1889 Mieterhöhungen in Kauf nehmen, damit der Wohnungsbestand trotz stark gestiegener Baupreise in Schuss gehalten werden kann. Trotzdem bleibt das Wohnen günstig.

Bei der ältesten und größten Wohnungsgenossenschaft in Hessen liegt die durchschnittliche Kaltmiete bei 4,49 Euro pro Quadratmeter. Bei Neuvermietungen werden durchschnittlich 5,19 Euro gefordert. Zum Vergleich: Im Kasseler Durchschnitt sind je nach Wohnwert zwischen 6,20 und 8,60 Euro zu berappen.

2017 hat die Genossenschaft laut Bilanz rund 13 Millionen Euro in Instandhaltung und Modernisierung der Wohnungen investiert. Seit 2010 sind die Baupreise massiv gestiegen, weil nach der Finanzkrise wieder stärker in Immobilien investiert wird. Zudem ist die Bauwirtschaft mit Aufträgen ausgelastet. Es sei ein ständiger Kampf, „Firmen zu finden, die für uns arbeiten“, sagt 1889-Vorstand Britta Marquardt.

Weil immer mehr Menschen wieder in der Stadt wohnen möchten und die Wartelisten der Wohnungsinteressenten länger werden, baut auch die 1889 wieder neue Wohnhäuser. An der Bruchstraße 36 in Kirchditmold entstehen derzeit 14 neue, barrierefreie Wohnungen. Ein weiterer Neubau mit etwa 14 Wohneinheiten ist an der Sternbergstraße am Friedhof Wehlheiden geplant.

Die fünf Gästewohnungen der Genossenschaft (vier in Kassel, eine in Bad Wildungen) wurden 2017 für 844 Übernachtungen genutzt. Im documenta-Jahr waren die vier Kasseler Wohnungen, die 1889-Mitglieder für ihre Gäste buchen können, zu 56 Prozent ausgelastet.

Um die gute Nachbarschaft der Bewohner zu fördern, hat die Genossenschaft vor 15 Jahren den Verein „Hand in Hand“ mit inzwischen fast 1000 Mitgliedern gegründet. Weiterhin gibt es vier Nachbarschaftstreffs im Vorderen Westen (Samuel-Beckett-Anlage 12), in Kirchditmold (Zentgrafenstraße 86), der Südstadt (Menzelstraße 14) und im Stadtteil Fasanenhof (Mörikestraße 1). Der Südstadt-Treff wird nicht wie geplant geschlossen, weil die Stadt den Fortbestand mit 30 000 Euro jährlich für eine halbe Sozialarbeiter-Stelle fördert.

Genossenschaft 1889 in Zahlen

In den insgesamt 4452 Wohnungen der Vereinigten Wohnstätten 1889 – rund 4000 in Kassel, 420 in Bad Wildungen und 30 in Waldeck – leben annähernd 9000 Menschen. Die Genossenschaft hat mehr als 9000 Mitglieder (im Jahr 2012 waren es noch 7600), die mehr als 15 Millionen Euro als Geschäftsanteile an der Genossenschaft halten. 

Dieses Geld wird gut verzinst: Die jüngste Vertreterversammlung hat beschlossen, rund 600 000 Euro aus dem Bilanzgewinn 2017 für die Ausschüttung einer Dividende von vier Prozent zu verwenden. 2017 lag die Bilanzsumme des Unternehmens bei 111,9 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss betrug 1,3 Millionen Euro. Rund 700 000 Euro davon fließen in die Rücklagen. 

Die Eigenkapitalquote von 49,7 Prozent macht die 1889, die 65 hauptberufliche Mitarbeiter hat, zu einem grundsoliden Unternehmen und zudem weitgehend unabhängig von Fremdkapital. 

Geht man statt des Buchwertes vom tatsächlichen heutigen Verkehrswert der eigenen Immobilien aus, liege die Eigenkapitalquote bei nahezu 80 Prozent, erklärt der kaufmännische Vorstand Uwe Flotho. Diese stillen Reserven würden den Vereinigten Wohnstätten 1889 eine hohe Bonität bei den Banken sichern. 

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