Besuch auch bei Schülern des Friedrichs-Gymnasiums

Wolfgang Schäuble in Kassel: Bundestagspräsident bei CDU-Neujahrsempfang

Kassel. Mit Wolfgang Schäuble besuchte am Freitag der Bundestagspräsident das Kasseler Friedrichs-Gymnasium und anschließend den Neujahrsempfang der Kasseler CDU.

Während seines Auftritts in der Schule ging er auch auf Fragen der Jugendlichen ein. „Wenn ich jung wäre wie Sie, würde ich mich unheimlich für Europa engagieren. Aber nun bin ich alt – und engagiere mich unheimlich für Europa.“ Wolfgang Schäuble kann sich darauf verlassen, dass seine feine Ironie ankommt. Hunderte Schülerinnen und Schüler lachen mit ihrem berühmten Gast, würdigen ihn mit Applaus. Die Turnhalle des Friedrichs-Gymnasiums (FG) ist proppevoll. Auch Schüler anderer Schulen sind da.

75 Jahre alt ist der Bundestagspräsident nun. Er ist länger im Bundestag, als die meisten hier überhaupt auf der Welt sind. Schäuble ist der beliebteste aktive Politiker der Deutschen. Und dieses Treffen liegt ihm offensichtlich am Herzen. Es geht ihm ums Ganze, um die Demokratie, um Europa.

Es ist ein Gegenbesuch. Denn die traditionsreiche Geschichts-AG des FG war im Herbst mit Lehrer René Mallm (37) zum Volkstrauertag im Bundestag. Ausgerichtet vom Volksbund für Kriegsgräberfürsorge hatten die FG-Schüler mit Schülern ihrer Partnerschule im russischen Nowy Urengoi Lebenswege russischer und deutscher Soldaten erforscht und für Versöhnung geworben. Die Schüler sind vorbereitet, fragen Schäuble: Wie ist das mit der schwarzen Null? Nach AfD, Weimarer Verhältnissen („Blödsinn. Lassen Sie sich das nicht einreden!“), Rüstung und Europa. Der Christdemokrat mahnt wieder und wieder: „Es kommt auf jeden von Ihnen an; wenn sich nur zehn Leute in Bewegung setzen, dann können sie was bewegen.“ Und: „Das Leben liegt vor Ihnen. Es ist voller Chancen.“

Und noch so ein Schäuble-Satz zum Abschied: „Ich gehe dann mal.“ Alles Gute ist möglich, bringt der Mann im Rollstuhl damit rüber. Man muss nur hart dafür arbeiten.

Ortswechsel. Keine Stunde später. Das Foyer des Amtsgerichts. Neujahrsempfang der CDU. Es sind noch einmal mehr Menschen da als eben im Friedrichs-Gymnasium. Eva Kühne-Hörmann, die Vorsitzende der Kasseler CDU, stellt gleich zu Beginn fest: „So viele Gäste waren noch nie hier.“

Zu Gast beim Neujahrsempfang der Kasseler CDU: Eva Kühne-Hörmann begrüßt Wolfgang Schäuble.

Es ist ein Heimspiel für Schäuble, den CDU-Politiker, auch wenn er als Bundestagspräsident schon auch ein bisschen auf die Neutralität achten muss. Er sagt das selbst ganz gern, bevor er dann seine Meinung äußert. Schäuble ist durch und durch ein Spitzbub geblieben.

Seine Botschaften sind dieselben wie kurz zuvor in der Schule: Freiheit funktioniert nur mit Regeln; im Übermaß ist alles falsch; Mensch sein, heißt Probleme haben und Probleme bewältigen. Er antwortet jetzt nicht auf Fragen, sondern er hält eine fast einstündige Rede ohne Manuskript, aber mit Struktur – und mit Sätzen, die er mitunter auch den Schülern gesagt hat: Wenn zwei und zwei 40 ergibt, dann wäre das mit niedrigen Steuern und mehr Ausgaben kein Problem; aber zwei und zwei ergibt nun einmal vier. „Und dann wird es schwer.“

Wenn es einen Unterschied zu seinem Auftritt in der Schule gibt, dann vielleicht den: Er erklärt nicht so viel, er setzt mehr voraus, wenn er beispielsweise vom Glücksindex spricht. Aber sonst? Ist er durch und durch Schäuble, der gerne erzählt von all den Erfahrungen eines Mannes, der schon ewig in der Politik ist. Zum Abschied bekommt er von der Kasseler CDU nordhessische Spezialitäten geschenkt. Das unterscheidet sich kaum vom Präsent des Friedrichs-Gymnasiums: Neben einem Wein erhält er eine Ahle Wurscht. Mal was anderes für den Freund von Maultaschen.

Rubriklistenbild: © Fischer

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