Mit sechs Jahren nach Deutschland geflüchtet

Er bewacht das York: Mohammad Rasuli ist Türsteher in Kassel

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Er bleibt immer gelassen: Türsteher Mohammad Rasuli (41) steht am Wochenende vor dem Club „York“ in Kassel.

Kassel. Er ist muskulös, hat dunkle, zurückgegelte Haare und einen kritischen Blick auf Kassels Partyszene. Unter der Woche im Sportstudio, am Wochenende als Türsteher vor der Diskothek York in der Oberen Königsstraße.

Wer Samstagabends ausgeht, kennt den Namen Rasuli. Man hat Respekt und manchmal auch ein wenig Angst vor ihm.

„Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Mohammad Rasuli, während er in seinem Ende Juni eröffneten Sportstudio „Body & Fight“ am Tresen sitzt. Angst vor Startschwierigkeiten? Hatte Rasuli, der selbst seit 23 Jahren boxt, nicht. „Die Leute kommen von alleine“ sagt er. Als er sechs Jahre alt war, ist er mit seiner Familie nach Deutschland geflüchtet. Früher war er Profiboxer, heute ist er als Trainer und Sicherheitsprofi tätig.

Der zweifache Vater bietet von Montag bis Freitag Boxtraining und Selbstverteidigung an, am Wochenende beaufsichtigen er und sein Team Nachtclubs. Bei der Auswahl seiner Mitarbeiter ist Mohammad Rasuli wählerisch. Ihm sei wichtig, innerhalb der Gruppe ein familiäres Verhältnis zu haben. Er sei nicht nur ein Chef, sondern auch ein Freund.

Aufgaben eines Türstehers

Über ein Bild auf Facebook, wo Rasuli mit einem DJ zu sehen ist, wurde der Manager des York vor fast fünf Jahren auf ihn und seine Sicherheitsfirma aufmerksam. Die Aufgaben des 41-Jährigen gehen weit über Ausweis- und Taschenkontrolle hinaus. Beim Einlass ein Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen halten, gewaltsame Auseinandersetzungen verhindern und manchmal sogar Erste Hilfe leisten, das steht bei Rasuli auf der Tagesordnung. Er sieht den Leuten an, wenn sie zu viel getrunken haben, nimmt ihnen die Flaschen weg und erteilt in manchen Fällen Hausverbot.

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Nach 20 Jahren im Job sind ihm die Gesichter und Verhaltensmuster der Gäste bekannt. Früher war eine andere Sicherheitsfirma für das York zuständig, viele der Mitarbeiter kamen nicht aus Kassel. Rasuli jedoch weiß, mit der Mentalität der Leute umzugehen, er weiß, wie sie ticken. „Ich kenne Kassel“, sagt er. Einige Stammgäste kennt er mittlerweile persönlich, „Ich mag es nicht, wenn mich Gäste umarmen wollen, aber dem einen oder anderen gebe ich die Hand“, sagt er.

Erst vor Kurzem gab es eine Situation, in der drei Männer laut und beleidigend wurden, als der gebürtige Afghane ihnen den Eintritt verweigerte. „80 Prozent der Auseinandersetzungen finden am Eingang statt“, sagt Rasuli. Doch er bleibt in solchen Situationen gelassen. Wenn jemand Hausverbot bekommt, wird eine Kopie des Ausweises gemacht, so kann jederzeit kontrolliert werden, wer rein darf. Manche sind nur ein paar Wochen unerwünscht, andere dürfen gar nicht mehr kommen.

Rasuli ist aufgefallen, dass die Menschen aggressiver sind, Frauen genauso wie Männer. Das ist einer der Gründe, weshalb er ein Boxstudio betreibt. Für ihn ist es ein Ort, um sich abzureagieren. Ein echter Knochenjob, aber Rasuli sagt dazu bloß: „Ich liebe meinen Job, ich liebe mein Leben.“

Von Mariel Blieffert

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