Fast vier Jahre im Amt in Brüssel 

Zu Besuch bei der Europaabgeordneten Martina Werner aus Niestetal

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Mittendrin: Martina Werner im Bürogebäude der EU in Brüssel.

Brüssel. Die Sozialdemokratin Martina Werner aus Niestetal füllt seit fast vier Jahren ihr Amt als Europaabgeordnete für den Wahlkreis Hessen-Nord aus. Wir haben sie in Brüssel besucht.  

Als sie 2014 nach Brüssel kam, konnte sie von ihrem Büro aus die Abrissarbeiten an einem alten Hochhaus beobachten. Mittlerweile ist an dieser Stelle ein neues Haus im Rohbau hochgezogen worden.

Verwurzelt zu sein, ist wichtig für die 56-Jährige und ebenso die Vermittlung von globalen politischen Themen in die Heimat: „Die hier in Brüssel erlassenen Gesetze haben auch Auswirkungen auf die Region.“ Darauf müsse immer wieder hingewiesen werden. „Das dauert häufig wirklich lange mit der Gesetzgebung, es steckt viel Arbeit dahinter, und am Ende gibt es in der Zeitung nur eine kleine Meldung.“

Ganz klar, die EU ist für Martina Werner eine Herzensangelegenheit. Sie klingt energisch, wenn sie sagt: „Die EU wird von der Öffentlichkeit leider oft stiefmütterlich behandelt.“ Dabei werde leicht übersehen, dass die Zusammenarbeit zwischen Land, Bund und EU in der Praxis gut funktioniert.

Ihr Arbeitstag im Parlamentsgebäude an der Rue Wiertz, zwei Kilometer vom historischen Stadtkern und dem Grand Place entfernt, beginnt um 8.30 Uhr. Selten endet er vor 20 Uhr. Ein Mundart-Plakat an der Tür zu ihrem Büro signalisiert die regionale Zugehörigkeit. Von ihrem Schreibtisch aus sieht sie auf ein Bild vom Herkules.

Ihr Tag bestehe aus „gut getakteten Terminen“, von Ausschusssitzungen über Treffen der 27-köpfigen deutschen SPD-Gruppe, bis hin zu Working-Groups der „Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament“. Ihr gehören 189 Abgeordnete an. Außerdem stehen verschiedene Treffen und solche mit Interessenvertreten auf der Agenda: den berühmt berüchtigten Lobbyisten. „Die Kunst besteht darin, zu wissen, wem man vertrauen kann und wer nur interessengeleitet ist“, sagt sie.

Bei ihrer Arbeit in Brüssel zähle sie nicht die Stunden. „Für mich ist das hier ein großes Privileg.“ Deswegen steht für sie auch fest: Sie wird wieder kandidieren. Denn es braucht Zeit, sich einzufinden in die Arbeit. Mittlerweile habe sie hier ein Netzwerk aufgebaut und Erfahrungen gesammelt. „Am Anfang ist man nur ein Rookie, ein Neuling. Da ist es gut, dass die Legislaturperiode in der EU fünf Jahre dauert. In der Zeit kann man was bewegen.“

Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin arbeitet im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie und als Stellvertreterin im Ausschuss für internationalen Handel. „Beide Bereiche sind meine Schwerpunkte: Industriepolitik und Digitalisierung. Energiepolitik passt zu Nordhessen und hat mich auch schon im Landkreis Kassel interessiert. Daher war es auch meine erste Wahl für den Wunschausschuss.“

In einem Brüsseler Altbau ist Martina Werner Mieterin einer Wohnung, die sie auch persönlich eingerichtet hat, anders als viele Kollegen. Eine Angewohnheit ist es, dass sie gerne mal Lebensmittel aus der nordhessischen Heimat mitbringt.

Von ihrer Wohnung aus hat sie es nicht weit bis ins Parlament. Meistens geht sie zu Fuß. Das EU-Parlament sei wie ein großes Ufo. „Hier finden alle Sitzungen statt, es gibt die stets überfüllte Kantine, mehrere Cafés, Friseursalon, eine Reinigung. Sogar ein kleines Fernsehstudio ist eingerichtet. Alles ist da. Man muss das Gebäude gar nicht mehr verlassen“, sagt sie und lacht.

Unter der Woche ist sie in Brüssel, die Wochenenden verbringt sie in Nordhessen mit ihrem Mann, der sie manchmal in Brüssel besucht. Im Urlaub fahren sie am liebsten an die Nordsee.

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