Betroffene wollen keine Anzeige erstatten

Zwei Verletzte nach Kagida-Gegendemo am 5. Januar

Kassel. Im Zuge der Kundgebung der Gruppierung „Kassel gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Kagida) am 5. Januar sind zwei Gegendemonstranten verletzt worden.

Nach eigenen Angaben sind ihnen die Blessuren von Polizeibeamten zugefügt worden.

Auf Anfrage erklärte Pressesprecher Torsten Werner, dass der Kasseler Polizei bisher keine konkreten Hinweise auf Verletzte vorlegen. „Den betroffenen Personen stehen wir gerne für Rücksprachen zur Verfügung“, so Werner.

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Die betroffenen Gegendemonstranten schilderten den Vorfall nun in einem Gespräch mit der HNA. Informationen darüber lagen unserer Zeitung schon länger vor. Weil diese bis dahin aber unvollständig und teils widersprüchlich waren, berichten wir über den Vorfall erst jetzt nach direktem Kontakt mit den Betroffenen, bei dem sie ärztliche Befunde vorlegten.

Demnach waren die beiden Gegendemonstranten Teil einer Gruppe, die am 5. Januar gegen 19 Uhr versucht hatte, den Kagida-Zug mit einer Sitzblockade in Höhe der Weißenburgstraße zu stoppen. Daran seien sie von Polizeibeamten gehindert worden, sagte eine Betroffene. Werner bestätigte das. Die 20-25-köpfigen Gruppe sei zurückgedrängt worden, „um den Kagida-Teilnehmern das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu ermöglichen“.

Die Betroffene schilderte, sie sei von einem Polizisten zu Fall gebracht worden und hart mit dem Kopf auf die Friedrich-Ebert-Straße geschlagen. Dabei habe sie sich Prellungen am Schädel und im Bereich der Rippen zugezogen, wie ärztliche Berichte belegen. Eine weitere Person sei bei der Aktion von einem Beamten mit einem Schlagstock ins Gesicht geschlagen worden. Laut ärztlichem Bericht erlitt die Person dabei einen Knochenbruch im Bereich des Jochbeins. Äußerlich sei die Verletzung auch durch eine Platzwunde am Auge sowie Blutergüsse sichtbar gewesen.

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Sowohl die Frau als auch die andere Person wurden wegen der Verletzungen ambulant in einem Kasseler Krankenhaus behandelt. Andere Demonstranten hätten ihnen geholfen und die Erstversorgung übernommen, was Polizeibeamte in Sichtweite auch gesehen hätten. Dann seien sie von einem Helfer in dessen Privatauto ins Krankenhaus gebracht worden.

Strafanzeigen haben die beiden Betroffenen nicht erstattet und wollen es nach eigenen Angaben auch nicht. Der Grund: Sie fürchten im Gegenzug Strafanzeigen der Polizei zum Beispiel wegen Landfriedensbruchs oder Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Durch womöglich folgende Gerichtsverhandlungen erwarteten sie psychische und auch erhebliche finanzielle Belastungen, wenn zum Beispiel Rechtsanwälte zu bezahlen wären.

Überrascht seien sie vom, wie sie sagen, plötzlich „harten Vorgehen“ der Polizei am 5. Januar gewesen, sagte die betroffene Frau. In den vorherigen Wochen seien Einsatzkräfte bei sich anbahnenden Sitzblockaden von Kagida-Gegnern weniger rigide vorgegangen.

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Von Claas Michaelis

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