Forscher der Universität Kassel zapfen Strömungsenergie der Fulda an

Kraftwerk am Haken: Professor Martin Lawerenz (Zweiter von links) beobachtete, wie das Mini-Kraftwerk in die Fulda gehievt wurde. Zwischen den Rümpfen des Katamarans ist rechts der blaue Schwingflügel zu erkennen. Fotos: Dilling

Kassel. Es ist ein uraltes Fortbewegungsprinzip, das sich die Wissenschaftler von der Natur abgeschaut haben. Vögel und Fische kommen durch den Schlag von Flügeln und Flossen voran. Etwas abgewandelt, kann man diese Bewegung auch nutzen, um Wasserströmungen Energie zu entreißen und mithilfe eines Generators Strom zu erzeugen.

Eine bestechende Idee, die Forscher des Fachgebiets Strömungsmaschinen der Uni Kassel in Form eines schwimmenden Kraftwerks vor Kurzem in der Fulda am Kraftwerk Neue Mühle ausprobiert haben. Dabei wurden sie von den Städtischen Werken unterstützt.

Urheber des vom Land Hessen mit 100 000 Euro geförderten Projekts „OWing“ ist der Fachgebietsleiter und Uni-Vizepräsident, Professor Dr. Martin Lawerenz. Er berechnete, wie ein Flügel mithilfe einer sich selbst steuernden Mechanik optimal in der Strömung eines Flusses hin- und herschwingen kann, um über einen Generator elektrischen Strom zu gewinnen.

Nach Simulationen und erfolgreichen Versuchen mit Prototypen im Labor kaufte Lawerenz einen gebrauchten Katamaran und baute den Aluminiumflügel des Mini-Kraftwerks zwischen den beiden Rümpfen des Boots ein. Auf der Plattform des Katamarans montierten seine Mitarbeiter das Kurbelwellengetriebe, das die Bewegungsenergie auf den Generator überträgt, der sie in elektrischen Strom verwandelt.

Ein Lkw-Kran hievte das Mini-Kraftwerk dann in die Fulda, wo es mit Tauen festgemacht wurde. Der Kraftwerksflügel schwang sofort planmäßig hin und her. Doch die Wissenschaftler hatten offensichtlich die Strömung des Flusses vor dem Kraftwerk Neue Mühle unterschätzt: Nach wenigen Minuten blieb der Flügel stehen, weil das Getriebe der Anlage vor der Gewalt der Wasserkraft kapitulierte. So kamen die Forscher nicht mehr dazu, die Leistungsdaten des MiniKraftwerks zu messen. Auf eine Leistung von 37 Watt hatten sie gehofft.

Interesse aus Australien

„Im Prinzip hat es ja geklappt. Wir müssen uns jetzt noch einmal genauere Gedanken machen“, sagte Lawerenz. Einen neuen Versuch, vielleicht mit einer verbesserten Mechanik, soll es auf jeden Fall geben. Allerdings stoße eine Universität mit solchen Projekten an ihre Grenzen, meint der 58-Jährige und fügt hinzu: „Wir sind ja kein Produktionsbetrieb.“

Wirtschaftlich interessant ist die Ausnutzung der Strömungsenergie allemal. Bei der Uni hat bereits ein Unternehmen aus Australien wegen des Kasseler Mini-Kraftwerks angeklopft. Flüsse und Meerengen bieten nach Schätzungen ein gewaltiges Potenzial von 16 000 Terawattstunden Strom. Aber ob die Gewinnung wirtschaftlich Sinn macht, hängt laut Lawerenz von der Konstruktion im Detail ab.

Von Peter Dilling

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