Möbel Schaumann wird 100: Branche boomt trotz Wirtschaftskrise

Geschäftshaus an der Frankfurter Straße: Dieser Standort wuchs bereits vor dem Zweiten Weltkrieg.

Kassel. „Junge, du musst nicht Schreiner lernen, sondern Kaufmann, hat mein Großvater immer zu mir gesagt“, erzählt Hermann Schaumann.

Nach seinem Großvater ist Hermann Schaumann benannt worden und er führt in der dritten Generation das Möbelhaus, das vor 100 Jahren an der Frankfurter Straße eröffnet wurde.

Hermann Schaumann senior stammte von einem Bauernhof in Niederzwehren. Da er nicht der älteste Sohn war, musste er einen anderen Beruf als Landwirt lernen. Er wurde Schreiner und ging auf Wanderschaft. Nachdem er seine Meisterprüfung in der Tasche hatte, kehrte Schaumann nach Niederzwehren zurück und gründete 1912 seine Firma und Familie. Er heiratete und bekam mit seiner Frau Sophie zwei Söhne und zwei Töchter.

Hermann Schaumann

Die Familie musste damals für das Geschäft Platz machen, erzählt der 51-jährige Hermann Schaumann. Sein Großvater, der seine Werkstatt im Hinterhaus hatte, eröffnete den ersten Verkaufsraum im Wohnzimmer der Familie. Mit einem Pferdefuhrwerk lieferte Schaumann nicht nur seine Möbel aus, sondern war damit auch auf Messen unterwegs und warb für seine Kommoden und Schränke.

Schaumanns ältester Sohn hatte ebenfalls Schreiner gelernt. Er sollte das Geschäft übernehmen. Doch dann kam der Zweite Weltkrieg, in dem der Sohn fiel. Aus diesem Grund stieg Gerhard Schaumann, der jüngere Sohn, in den Betrieb ein. Gerhard Schaumann, heute 82 Jahre alt, hatte Kaufmann gelernt. 1958 baute er das im Krieg zerstörte Geschäfts- und Wohnhaus wieder auf. Dass er kein Schreiner war, sei bereits damals kein Problem gewesen. „In Zeiten des Wirtschaftswunders waren keine Möbel aus Massivholz mehr gefragt“, sagt Hermann Schaumann.

Fotos aus 100 Jahren

100 Jahre Möbel Schaumann in Kassel

Das Geschäft an der Frankfurter Straße expandierte. Als Hermann Schaumann 1987 in den Familienbetrieb einstieg, habe er nur ein Ziel vor Augen gehabt: Er wollte einen neuen Möbelmarkt in der benachbarten Knorrstraße am Dez bauen. Diese Pläne wurden vor 22 Jahren realisiert.

Regen bevorzugt

Das Jubiläumsjahr 2012 hat für den Geschäftsmann gut begonnen: Wegen der Euro-Krise kauften die Menschen wieder mehr Möbel, hochwertige Küchen statt unsichere Kapitalanlagen sind gefragt. „In Krisenzeiten besinnen sich die Menschen wieder auf ihr Zuhause“, sagt Schaumann. Hinzu kommt der Winter. „In den dunklen Monaten verkaufen wir viele Möbel.“ Der Geschäftsführer mag deshalb auch Regenwetter. Ein sonniger sei für Möbelhändler ein schlechter Tag.

Auch nach 100 Jahren ist Möbel Schaumann durch und durch ein Familienbetrieb. Seine Eltern Lieselotte und Gerhard schauten regelmäßig im Geschäft vorbei, erzählt Schaumann. Seine Frau arbeitet auch mit und es sei nicht ausgeschlossen, dass seine beiden Töchter oder sein Sohn den Betrieb in vierter Generation weiterführen würden.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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