Bundesrat sieht Handlungsbedarf wegen Lautstärke

Motorradfahrer demonstrieren in Kassel, um Hobby weiter ausüben zu können

Unzertrennlich: Ihre Harley Davidson Super Glide Sport will Carmen Herwig nie wieder abgegeben. Die 57-Jährige hat die Demo am Sonntag angemeldet.
+
Unzertrennlich: Ihre Harley Davidson Super Glide Sport will Carmen Herwig nie wieder abgegeben. Die 57-Jährige hat die Demo am Sonntag angemeldet.

Wird Motorradfahren an Sonn- und Feiertagen zukünftig auf bestimmten Strecken verboten? Zumindest sieht der Bundesrat Handlungsbedarf, was die Lautstärke der Maschinen angeht. Am Sonntag findet in Kassel eine Demonstration statt.

Gegen die drohenden Fahrverbote und Streckensperrungen wollen Motorradfahrer am Sonntag in Kassel demonstrieren. Carmen Herwig hat die Demonstration angemeldet. Im Interview spricht sie über ihre Motivation.

Noch steht nicht fest, ob die Verbote wirklich kommen werden. Warum gehen Sie schon jetzt auf die Straße?
Es soll zwar bislang kein generelles Verbot geben, aber wenn, würden viele Strecken zeitweise gesperrt. Wir Biker haben eben auch nur am Wochenende oder an Feiertagen Zeit, um unserem Hobby nachzugehen. Wenn dann einige Bereiche gesperrt sind, wie zum Beispiel am Diemelsee oder Edersee, würde das für uns massive Einschränkungen bedeuten. Wir wollen uns das Fahren nicht verbieten lassen.
Verstehen Sie denn auch die, die sich über den Lärm von Motorrädern beschweren?
Gar keine Frage, die verstehe ich voll und ganz. Man kann aber auch, wenn man in einen Ort reinfährt, einen Gang höher schalten, dann ist man deutlich leiser. Das funktioniert zumindest bei den meisten Motorrädern. Wir fahren nicht, um Lärm zu machen, wie das oft falsch ausgelegt wird.
Was wäre aus Ihrer Sicht eine Lösung, mit der alle gut leben können?
Das Problem ist, man muss den Motorradfahrern Respekt zollen, aber auf der anderen Seite eben auch den Anwohnern, die sagen, dass es ihnen zu laut wird. Fahrstreifenbegrenzungen oder spezielle Lärmdisplays, die aufzeigen, wenn die Maschinen zu laut sind, könnten helfen. Auf der anderen Seite muss man aber auch als Motorradfahrer Rücksicht nehmen, wenn man auf einer Strecke unterwegs ist, wo viele Motorradfahrer unterwegs sind.
Wer Motorrad fährt, macht dies häufig zum Vergnügen.
Ja, das stimmt. Es gibt viele, die nutzen ihr Motorrad das ganze Jahr über, auch weil sie damit zu ihrer Arbeitsstelle fahren oder sich zusätzlich kein Auto leisten können. Das mache ich nicht, auch wenn es das ganze Jahr angemeldet ist. Auch zur Arbeit nehme ich meistens das Auto oder fahre mit dem Bus oder dem Fahrrad. Ich fahre Motorrad, um abzuschalten und um mit meinen Freunden eine schöne Zeit zu verbringen. Motorradfahren ist mein Hobby. Ein Hobby, das auch viel Geld kostet und für das wir entsprechende Steuern zahlen. Deshalb sollte man uns das zugestehen, dass wir auch einfach nur fahren dürfen, nur weil es uns Spaß macht.
Nennen Sie vergleichbare Hobbys, wo es weniger Kritik gibt.
Fahrrad fahren oder joggen, fällt mir da als Erstes ein. Das ist zwar nicht laut, aber Radfahrern oder Joggern würde man auch nicht verbieten, sich irgendwo aufzuhalten.
Wenn jemand entgegnet, Fahrradfahren belastet zumindest nicht die Umwelt, was sagen Sie dann?
Ich habe da kein schlechtes Gewissen. Ich wüsste auch nicht, warum ich eins haben sollte. Das müsste dann jeder haben, der in den Urlaub fährt oder aus Vergnügen an den See. Meine Leidenschaft ist eben Motorradfahren. Da gibt es keine Alternative. Ich möchte da niemanden ärgern oder auf die Füße treten. Ich möchte einfach nur mein Hobby ausüben.
Unterscheiden Sie dabei zwischen denen, die nur Touren fahren und denen, die ihre Fahrzeuge tunen?
Auf jeden Fall, aber es gibt überall schwarze Schafe. Es gibt die, die sagen, sie müssen ihre Maschinen schneller und lauter machen. Aber diese Poser gibt es unter den Autofahrern genauso. Ich wohne in Kassel an einer Einfahrtsstraße und kann da ein Lied von singen.
Was macht Motorradfahren für Sie aus?
Wenn ich auf meinem Motorrad fahre und den Fahrtwind spüre, dann fällt alles von mir ab, dann vergesse ich Sorgen und Alltagsstress. Es ist nicht so, dass ich mir den Kopf frei fahren muss, aber es ist einfach ein besonderes Gefühl von Freiheit. Für mich ist das was anderes, als wenn man in einem Auto sitzt oder irgendwohin fliegt im Flugzeug.
Wie war die Resonanz nach den bisherigen Demonstrationen?
Einige haben gesagt, dass sie nicht nachvollziehen können, dass es diese Verbote geben soll. Ich habe aber auch schon mit anderen gesprochen, die sagen, uns sind Motorräder einfach zu laut. Manchmal kann ich das durchaus verstehen. Ich hab mich erst kürzlich über einen Motorradfahrer in der Goethestraße aufgeregt, der noch mal runtergeschaltet und Gas gegeben, damit er richtig laut war. Durch solche Aktionen kommen alle Biker in Verruf. So etwas geht nicht. Aber man kann nicht pauschal alle bestrafen.

Von Kathrin Meyer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.