Analyse: Was passiert, wenn Potash den Kasseler Konzern schluckt

Mögliche Übernahme von K+S: Die Nachteile überwiegen

Geschäft mit dem weißen Gold: Im Verbundwerk Werra verarbeitet K + S das wertvolle Kali. Der Dax-Konzern aus Kassel fördert bisher nur in Deutschland – und baut gerade in Kanada ein Kalibergwerk. Foto: dpa

Mit der Übernahme von K+S würde die PCS mit einem Marktanteil von 24 Prozent über Nacht zum Branchenprimus mit den größten Kali-Reserven und Produktionskapazitäten aufsteigen.

In Insider-Kreisen sieht man nicht nur Risiken für die Deutschen, sondern auch eine Reihe von möglichen Vorteilen, weil sich beide Unternehmen in Teilen ideal ergänzen.

Die Potash Corporation of Saskatchewan (PCS) ist vor allem in Nordamerika stark, K + S in Europa, wo die Kanadier faktisch keine Rolle spielen. Die Kasseler haben als weltweit einziger Produzent hochpreisige magnesium- und schwefelhaltige Produkte im Angebot, weil diese geologischen Spezialitäten nur im Werrarevier vorkommen. Dazu kommen noch das Salzgeschäft, das K + S weltweit dominiert und die hohe technologische Bergbaukompetenz - die Kasseler gelten weltweit als Technologieführer.

Potash wiederum hat nicht nur Kali, sondern auch die beiden anderen unverzichtbaren Agrardünger in den Lägern: Phosphat und Stickstoff. Gemeinsam also hätten die bisherigen Konkurrenten ein Komplettangebot wie kein anderer. Es entstünde der mit Abstand größte Düngemittelkonzern weltweit – mit dem dichtesten Produktions-, Vertriebs- und Logistiknetz.

Wer beliefert Brasilien?

Aber es bleiben auch viele Fragen: Wer würde in einem fusionierten Megakonzern künftig die tradierten K + S-Überseemärkte – etwa Brasilien – bedienen? Deutschland oder Kanada? Immerhin geht die Hälfte der 7,5 Mio. Jahrestonnen aus deutscher Produktion nach Übersee. Und wie würden künftig die festgelegten Handelsmengen aufgeteilt, die die Canpotex – die gemeinsame Vertriebstochter der nordamerikanischen Kali-Produzenten Potash, Agrium und Mosaic – vermarktet? Steigt Potash möglicherweise aus der Kooperation aus, und was bedeutete dies für die künftige Preisentwicklung? Und was passiert mit dem – noch nicht unterzeichneten – Vier-Stufen-Plan, mit dem K + S den Salzwasseranfall in den nächsten Jahren drastisch reduzieren will und muss? Das wird 400 Millionen Euro oder mehr verschlingen. Lohnt die Investition überhaupt, wenn die Kanadier die verbleibenden Laufzeiten deutscher Kali-Bergwerke von 30 bis 40 Jahren nicht ausschöpfen, was viele Analysten annehmen?

Branchenkenner sind überzeugt, dass sich der Potash-Konzern, der von einem Deutschen geführt wird, das alles sehr genau angesehen hat. „Der Coup ist von langer Hand vorbereitet“, heißt es.

Aus Potash-Kreisen jedenfalls ist hören, dass bei der Übernahme nicht nur auf Produktionskosten geschaut werde. Es gehe mit Blick auf die starke Konkurrenz der osteuropäischen Uralkali und Belaruskali vor allem auch um die Stärkung der Finanzkraft und die Position im Weltmarkt. „Das Ziel der Akquisition ist es, einen großen, stabilen Spieler aufzustellen.“

In der K + S-Zentrale dürfte zurzeit mit Hochdruck an einem Forderungenkatalog für Potash gearbeitet werden.

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