Polizei: Hygieneregeln wurden weitgehend eingehalten

Ansturm auf TV-Anwalt Christopher Posch: So verrückt war die Moldau-Wahl in Kassel

3500 Menschen aus der Republik Moldau wählten am Sonntag im Konsulat von Anwalt Christopher Posch ihren Präsidenten – eine Briefwahl war nicht möglich.
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Lange Schlange: 3500 Menschen aus der Republik Moldau wählten am Sonntag im Konsulat von Anwalt Christopher Posch ihren Präsidenten – eine Briefwahl war nicht möglich. Nach Polizeidurchsagen soll die Abstandsregel eingehalten worden sein.

Die Präsidentenwahl der Republik Moldau fand am Sonntag auch in Kassel statt: 3500 Menschen wollten ihre Stimme bei TV-Anwalt Christopher Posch abgeben, der Honorarkonsul des Landes ist.

Kassel – Am Sonntag postete Alexandra Ludwig-Pöpperl bei Facebook vier Fotos aus der Kasseler Hafenstraße sowie eine Frage in Großbuchstaben und mit sechs Fragezeichen: „WAS SOLL DAS??????“ Die Bilder zeigten hunderte Menschen aus der Republik Moldau, die am Morgen vor dem Honorarkonsulat des Rechtsanwalts Christopher Posch ihren Präsidenten wählen wollten.

Die Krankenschwester der Diakonie war gerade auf dem Weg zu ihren Patienten in der Unterneustadt, als sie die Menschenmassen sah. Sie fragte sich, „was alle Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen gegen Corona bringen sollen, wenn dann so was in Kassel stattfindet“. Ihr Beitrag wurde gleich mehr als 350 Mal geteilt.

In Deutschland fand die Wahl um den Präsidentenposten in Chisinau nicht nur in Kassel statt, sondern auch in Berlin und Frankfurt. Anders als in Nordhessen gingen dort am Sonntag sogar die Wahlzettel aus. In Frankfurt drängten sich Tausende rund um das Stadion am Bornheimer Hang, wohin die Wahl wegen des erwarteten Ansturms verlegt worden war.

Auch Posch hatte vorgesorgt. Der 44-Jährige ist seit einigen Monaten als Honorarkonsul für das Land tätig, das es als eigenständigen Staat erst seit 1991 gibt und einst zu Rumänien und der Sowjetunion gehörte. Beim ersten Durchgang vor zwei Wochen hatten 1500 Menschen noch in seiner Kanzlei abgestimmt. Zur Stichwahl waren nun vier Zelte aufgebaut worden.

Insgesamt gaben 3500 Wähler ihre Stimme in Kassel ab, eine Briefwahl war laut Posch nicht möglich. Sie reisten sogar aus Celle und dem Ruhrgebiet an und warteten stundenlang in der Schlange, ehe Fieber gemessen, Hände desinfiziert und die Unterlagen von einer 13-köpfigen Wahlkommission geprüft worden waren. „Das war echt verrückt“, sagt der Jurist, der sich auch als TV-Anwalt einen Namen gemacht hat: „Alles verlief sehr gesittet. Davon können wir uns eine Scheibe abschneiden.“

Das bestätigt auch die Kasseler Polizei, die am Sonntag ebenso wie Ordnungsamtsmitarbeiter nach dem Rechten sahen. Bis zu 800 Menschen seien zeitgleich da gewesen, die Hygieneregeln wurden laut einer Sprecherin „weitgehend eingehalten“. Immer wieder sei mit Lautsprecherdurchsagen auch auf die Abstandsregeln hingewiesen worden. An die hätten sich die Menschen dann gehalten. Am Nachmittag wurde die Hafenstraße von der Leipziger Straße bis zum Pulvermühlenweg sicherheitshalber gesperrt.

Die Wahl endete mit dem Sieg der proeuropäischen Oppositionspolitikerin Maia Sandu, die den russlandfreundlichen Präsidenten Igor Dodon ablöst. Experten erwarten, dass sich Moldau nun mehr nach Westen orientiert, um die schwere Wirtschaftskrise zu bewältigen. Die Republik gilt als ärmstes Land Europas.

Posch will den Wahlausgang nicht kommentieren, hofft aber, dass er im nächsten Jahr mit einer Delegation nach Moldau reisen kann, um die wirtschaftlichen Beziehungen zu fördern. Dazu müsste es aber erst mit Corona besser werden.

Wie verworren da die Lage ist, merkte Ludwig-Pöpperl, als sie manche Kommentare unter ihrem Post las. Einige meinten, das Virus gäbe es doch gar nicht. Andere hetzten gegen Ausländer. Die schlimmsten Beiträge löschte die 44-Jährige. Sie sagt: „Den Menschen kann man keinen Vorwurf machen. Sie wollten nur wählen.“

Von Matthias Lohr

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