Nach Berufungsverhandlung ist Urteil rechtskräftig: Landgericht senkte Strafmaß

Meuterei in Kaufunger Frauenknast: Nun 14 Monate Haft

Ort des Geschehens: Das Frauengefängnis in Kaufungen. Archivfoto:  Stier

Kassel/Kaufungen. Der Wunsch auf Bewährung erfüllte sich nicht. Doch mit ihrer Berufung erreichte eine Mitdreißigerin, die im Mai wegen gemeinschaftlich begangener Gefangenenmeuterei verurteilt worden war, eine etwas kürzere Freiheitsstrafe.

Statt den 16 Monaten, die das Kasseler Amtsgericht für die Vorfälle im Frauengefängnis Kaufungen verhängt hatte, sprach die Berufungskammer nun 14 Monate aus.

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Das Urteil wurde am Dienstag noch im Gerichtssaal rechtskräftig, nachdem die Melsungerin auf weitere Rechtsmittel verzichtet hatte. Das neue Strafmaß entspricht nun dem, das das Amtsgericht im Mai für die andere an der Meuterei beteiligte Gefangene ausgesprochen hatte.

Jene, einige Jahre jüngere und zur Tatzeit unter Drogenentzug leidende Frau hatte dem erstinstanzlichen Urteil zufolge die aktivere Rolle bei dem gewaltsamen Befreiungsversuch gespielt. Sie war aber weniger durch frühere Verurteilungen vorbelastet – und erhielt deshalb die niedrigere Strafe.

Die Mitdreißigerin beschränkte ihre Berufung gestern schließlich auf das Strafmaß und erkannte damit mittelbar die Feststellungen des alten Urteils an: Demnach hatten beide Frauen im Januar aus dem Gefängnis fliehen wollen.

Die Jüngere nahm in einer Raucherpause eine Justizvollzugsbeamtin in den Schwitzkasten, drückte ihr eine Scherbe an den Hals und bedrohte sie. Die Mitdreißigerin sollte dem Opfer den Schlüssel aus der Tasche nehmen – was nicht gelang. Sie ließ früher von der Tat ab.

„Mittäterschaft“, führte Richter Erwin Carl jedoch in der Urteilsbegründung aus, bringe es mit sich, dass man sich auch den „Beitrag des anderen“ zurechnen lassen müsse. Gemeinsam hätten die beiden sich die eher zierliche Beamtin für ihr Vorgehen ausgesucht – eine Frau noch dazu, die sich „ausgesprochen um die Gefangenen bemüht hat“.

Nach einem langen Rechtsgespräch, das jedoch zu keiner Verständigung führte, hatte auch Staatsanwalt Eckhard Töppel auf eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten plädiert.

Verteidiger Uwe Lipphardt hingegen forderte eine Bewährungsstrafe. Er stellte die aktuellen Bemühungen seiner Mandantin heraus, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Motiv für die Tat sei Verzweiflung über ihre familiäre Situation gewesen.

Die Angeklagte selbst betonte: „Ich arbeite wirklich hart an mir.“ Seit Jahresbeginn mache sie in der neuen Haftanstalt eine Therapie. Auch bemühe sie sich um Ordnung ihrer finanziellen Verhältnisse. Ihre Ex-Mitangeklagte war als Zeugin aus einer Drogentherapie angereist – musste aber dann nicht mehr aussagen.

Von Katja Schmidt

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