Der bescheidene Held des Weltalls

"Ein kleiner Schritt": Neil Armstrong betrat vor 50 Jahren als erster Mensch den Mond

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Neil Armstrong

Fünzig Jahre ist es her, dass Millionen Menschen vor dem Fernseher verfolgten, wie Neil Armstrong als erster Mensch einen Fuß auf den Mond setzte. Wir stellen ihn vor.

Millionen Menschen an den Fernsehschirmen in aller Welt halten den Atem an. Sie sehen in ihren Wohnzimmern eine Live-Übertragung, wie es sie noch nie gab. In Europa schreibt man den 21. Juli 1969. Es ist 2.56 Uhr und 20 Sekunden. 

In den USA ist noch der 20. Juli. Ein Mann im dicken weißen Raumanzug steigt aus einem zerbrechlich aussehenden Landegerät mit staksigen Beinen, offizieller Name „Eagle“, umgangssprachlich „die Spinne“ genannt. Dieser Mann setzt als erster Mensch der Welt seine Füße auf den Mond. Er erlangt internationalen Ruhm.

Pilot und Astronaut aus Leidenschaft

Das passt eigentlich gar nicht zu ihm. Denn dieser Mann ist alles andere als eine Werbe-Ikone. Weder für die Nasa noch für sonst jemanden. Neil Armstrong ist Pilot und Astronaut aus Leidenschaft. Seine prägenden Charaktereigenschaften sind Zurückhaltung und die Fähigkeit, stets einen kühlen Kopf zu bewahren. Ein Wissenschaftler, dem Publicity fremd ist.

Noch Jahre später, bei zahllosen Empfängen, hält sich Armstrong gern im Hintergrund. Sollen doch seine beiden Mitstreiter bei der Mondmission, Edwin „Buzz“ Aldrin (heute 89) und Michael „Mike“ Collins (heute 88) in der Menge baden. Dem weltberühmten Raumfahrer liegt es fern, eine oberflächliche Begeisterung vorzutäuschen. Ein Charakterzug, mit dem er die Herzen vieler Menschen erobert hat.

Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond

Auf dem Mond sagt Armstrong über das knarrende Funkgerät einen Satz, der um die Welt geht. Übersetzt heißt er: „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit“. Bis heute ist unklar, ob er sich diese Formulierung auf dem Flug überlegt hat oder ob im Vorfeld von anderen daran gearbeitet wurde. Manche schreiben den Satz dem Schriftsteller Norman Mailer zu.

Kaum auf dem Mond angekommen, macht der damals 38-jährige Armstrong Fotos. Keineswegs von sich selbst. Vielmehr wird Edwin „Buzz“ Aldrin, der zweite Mann auf dem Mond, verewigt. Dass er selbst nicht zu sehen ist, dürfte Armstrong am wenigsten geschert haben – auch das passt zu seiner zurückhaltenden Mentalität.

Armstrongs Karriere startet mit der Fliegerei. In einem Alter, in dem andere junge Leute ihr erstes Moped kaufen, an seinem 16. Geburtstag, erhält er seine Pilotenlizenz. Schon als 14-Jähriger jobt der Sohn eines Rechnungsprüfers, um Geld für den Flugunterricht zu verdienen. Sein Berufsziel damals: Flugingenieur. 

Vor der Nasa war Armstrong Flugzeugpilot

Im Jahr 1949 wird er zum Militärdienst eingezogen und zum Kampfpiloten ausgebildet. 1950 im Korea-Krieg fliegt er verschiedene Maschinen und lernt den Umgang mit kritischen Situationen. Als sein Flugzeug bei Kampfhandlungen beschädigt wird, muss er sich mit dem Schleudersitz retten.  Bevor er zur Nasa geht, fliegt Armstrong verschiedene Flugzeugtypen und kommt erstmals mit Raketenflugzeugen in Kontakt.

Mit dem Überschallflugzeug X-15 steigt er zu einer Höhe von 63,09 Kilometern auf und erreicht eine Geschwindigkeit von 6419 Kilometern pro Stunde. „Armstrong fliegt ein Flugzeug, als ob es sein Anzug wäre“, sagt ein Kollege über ihn.

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Eine lebensbedrohliche Situation meistert Armstrong schon 1966 im Weltraum. Als Kommandant des Raumschiffs Gemini 8 gelingt es ihm als erstem Astronauten, zwei Raumschiffe aneinanderzukoppeln. Kaum ist das Ziel erreicht, beginnt das Gespann heftig zu taumeln. Nur mit Mühe bringt Armstrong die Lage wieder unter Kontrolle.

Und auch bei seinem Meisterstück, der Mondlandung, ist seine Übersicht und seine Nervenkraft gefragt. Das automatische Landesystem steuert „die Spinne“ auf eine Landschaft aus Geröll auf dem Mond zu, mit Steinen so groß wie Kleinwagen. Gerade noch rechtzeitig übernimmt Armstrong die Handsteuerung – und landet trotz schlechter Sicht sicher in einem ebenen Gebiet auf dem Mond. In seinem Buch „Wir waren die Ersten“ beschreibt er diese Situation.

Der Mondflug ist der letzte Ausflug ins All für Armstrong. Dem Helden darf nichts passieren. Fortan arbeitet er auf der Erde – aber der Mythos bleibt.

Neil Armstrong: Lebensdaten

Neil Alden Armstrong kommt am 5. August 1930 in Wapakoneta, US-Bundesstaat Ohio, auf die Welt. Sein Vater war Rechnungsprüfer, seine Mutter Hausfrau. Sie ist Tochter des deutschen Auswanderers Martin August Engel. Ab 1950 ist Armstrong Pilot im Korea-Krieg. Ab 1955 arbeitet er als Nasa-Testpilot.

Am 16. März 1966 ist er erstmals als Kommandant im Weltraum – mit der Mission Gemini 8. Im November 1967 ist er als Ersatzkommandant des dritten bemannten Apollo-Fluges im Einsatz.

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Am 21. Juli 1969 betritt er im Rahmen der Apollo-11-Mission als erster Mensch den Mond. 1970 wird er stellvertretender Leiter des Washingtoner Aeronautic-Büros der Nasa.

Von 1971 bis 1979 arbeitet er als Professor für Luft- und Raumfahrttechnik an der University of Cincinnati. Danach wechselt er in die Wirtschaft und wird Millionär. Neil Armstrong ist zweimal verheiratet und Vater zweier Söhne und einer Tochter. Diese stirbt im Alter von zwei Jahren. Armstrong stirbt am 25. August 2012.

Schon gewusst? Interessante Fakten zur Mondlandung

  • Immer wieder war die Funkverbindung zwischen der Landefähre „Eagle“ mit den zwei Astronauten und dem Kontrollzentrum in Houston (Texas) gestört.
  • Beim Landeanflug gab der Computer ein Alarmsignal. Die Zahl 1202 leuchtete auf. Hätte Ingenieur Steve Bales aus dem Kontrollzentrum nicht in sekundenschnelle Entwarnung gegeben, Armstrong und Aldrin hätten die Mondlandung abgebrochen.
  • Kaum hatte Buzz Aldrin seine Füße auf den Mond gesetzt, drückte ihn die Blase. Eigentlich kein Problem. Doch Aldrins Urinbeutel war undicht und Urin lief in seine Moonboots. Er ließ sich jedoch nichts anmerken und verschwieg die kleine Peinlichkeit.
  • Als Aldrin mit der Vorbereitung auf den Rückflug begann, stellte er fest, dass der Hebel eines Schalters abgebrochen war. Offenbar hatte er mit seinem Rucksack beim Verlassen der Raumfähre den Schalter berührt. Aldrin verwendete später einen Filzstift, um den Schalter zu betätigen.
  • Die Flugbahnen für die Apollo 11-Mission wurde vor allem von Mathematikerinnen berechnet.
  • Insgesamt 400.000 Menschen waren am Projekt Mondlandung beteiligt.
  • Die Kosten für die Apollo 11-Mission betrugen nach heutigem Wert mehr als 150 Milliarden Dollar, also umgerechnet 133 Mrd. Euro.
  • Mehr als 20.000 Universitäten, Institute und Firmen arbeiteten der Nasa bei der Mondmission zu.
  • Die Astronauten übten über 400 Stunden lang die Mission in Simulatoren.
  • Die Saturn-V-Rakete, die die Astronauten gen Mond schoss, wurde federführend vom Deutschen Wernher von Braun entwickelt: Für Adolf Hitler hatte er zuvor im Zweiten Weltkrieg die V-2-Rakete entwickelt.
  • Die Saturn-V-Rakete wiegt 3000 Tonnen und ist 111 Meter hoch.

Von Peter Klebe

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