Die Comedy-Legende "Flying Circus" hat Geburtstag

50 Jahre Monty Python: Die Inquisition, ein toter Papagei und Alfred Biolek

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Die Pythons in ihrem berühmtesten Film: Michael Palin (von links), John Cleese, Graham Chapman, Eric Idle, Terry Gilliam und Terry bei den Dreharbeiten zu „Das Leben des Brian“.

Die BBC hat am 5. Oktober 1969 die erste Folge der Sketch-Show „Monty Python’s Flying Circus" ausgestrahlt. Zum 50. Geburtstag würdigen wir die Pythons mit einem A bis Z.

A wie Alfred Biolek: Als Unterhaltungschef der Bavaria Film entdeckte Biolek die Pythons schon 1970 und holte sie ins deutsche Fernsehen. Für „Monty Pythons Fliegender Zirkus“ (1972) schrieb die Truppe extra Sketche für das deutsche Publikum.

B wie Brian: 1979 brachten die Pythons ihre Komödie „Das Leben des Brian“ in die Kinos. Der junge Brian wird zur Zeit Jesu versehentlich für den Messias gehalten. Nur wenige Filme genießen einen ähnlichen Kultstatus. Zahlreiche Zitate sind inzwischen geflügelte Worte. Kostprobe nötig? „Setz dich, nimm dir ’n Keks, mach es dir schön bequem … Du Arsch!“

Terry Gilliams berühmte Cartoons

C wie Conrad Poohs tanzende Zähne: Eine Cartoon-Sequenz aus der ersten Folge des „Flying Circus“. Terry Gilliams Collagen aus Zeichnungen und alten Fotografien waren stilprägend für die Pythons, aber meist absurd und unverständlich.

D wie „Der Sinn des Lebens“: Der vierte und letzte Kinofilm der Pythons von 1983 ist wieder eine Sketch-Show. Er enthält die wohl geschmackloseste Szene überhaupt: Der fettleibige Mr. Creosote frisst sich durch ein edles Restaurants, übergibt sich kübelweise, um wegen eines „hauchdünnen Pfefferminzplätzchens“ zu explodieren. Widerlich, und doch absurd komisch.

E wie erste Episode: Die erste von 45 Folgen des „Flying Circus“ wurde am 5. Oktober 1969 auf BBC1 ausgestrahlt. „Whither Canada?“ (Wohin Kanada?) enthielt viel von der absurden Komik, die inzwischen als „pythonesk“ gilt: Mozart präsentiert die besten Sterbeszenen, Pablo Picasso nimmt nicht an einem Radrennen teil, und über den lustigsten Witz der Welt müssen sich alle buchstäblich totlachen.

F wie Fisch-Ohrfeigen-Tanz: Slapsticknummer, in der Michael Palin und John Cleese in Tropenuniform auf einem Hafenkai herumtanzen und sich Fische um die Ohren hauen. Abgesehen von der herrlich albernen Optik zeigen die Pythons hier wieder, dass sie gerade das Militär einfach nicht ernst nehmen.

Beatle George Harrison und die Pythons

G wie George Harrison: Die Trennung der Beatles hat George Harrison nach eigener Aussage nur dank des „Flying Circus“ im Fernsehen verkraftet. Später finanzierte er „Das Leben des Brian“, an dem sich niemand die Finger verbrennen wollte.

H wie Holzfäller-Lied: Legendärer Shanty, in dem ein kanadischer Holzfäller von seinem Leben erzählt – und von seiner Vorliebe für Stöckelschuhe und Strapse.

Die spanische Inquisition: Michael Palin als Kardinal Ximinez.

I wie Inquisition: Noch eine Institution, die die Pythons ins Lächerliche gezogen haben: Drei Kardinäle der spanischen Inquisition platzen in eine Szene, wollen Angst und Schrecken verbreiten, verhaspeln sich mehrfach und müssen von vorn beginnen.

J wie Jehova: Eine Steinigung, nur weil jemand      Gott auf unglaublich infame Weise lästerte? Klar! Aber niemand wird hier gesteinigt, bevor John Cleese nicht die Pfeife bläst – selbst wenn, und er möchte, dass das absolut klar ist, selbst wenn irgendjemand Jehova sagt.

Sketche ohne Pointen als Markenzeichen

K wie „Kommen wir jetzt zu etwas völlig anderem“: Damit hat John Cleese als ernster Nachrichtensprecher viele Sketche kurzerhand abgebrochen. Das Fehlen einer Pointe war ein Markenzeichen der Pythons. Eine ähnlich beliebte Intervention war der Aufschlag eines 16-Tonnen-Gewichts.

L wie Liberty Bell: Marsch des amerikanischen Militärkapellmeisters John Philip Sousa, den die Pythons als Titelmelodie des „Flying Circus“ verwendet haben.

M wie Ministerium für alberne Gänge: Wie der schlaksige John Cleese in Nadelstreifenanzug und Melone mit riesigen Ausfallschritten über die Straße hampelt, ist allgemeines Kulturgut. Im niederländischen Spijkenisse fordert ein Schild Passanten auf, den Zebrastreifen möglichst albern zu überqueren.

Wie der "Flying Circus" zu seinem Namen kam

N wie Name: Die erste Folge war gedreht, aber noch hatten Gruppe und Sendung keinen Namen. Es gab viele Vorschläge, aber im BBC-Sendeplan stand bereits „Flying Circus“. Nach langer Suche einigte sich die Gruppe auf den Namen eines fiktiven halbseidenen Showbusiness-Agenten: Monty Python.

O wie Oxford und Cambridge: Den traditionsreichen Theaterclubs der englischen Eliteuniversitäten wie den Cambridge Footlights entsprangen Generationen von Schauspielern – auch fünf der sechs Pythons.

Der tote Papagei

P wie Papagei: Der wohl bekannteste Papagei der Comedygeschichte ist, vielmehr war, ein norwegischer Blauling aus einem Python-Sketch. Die Grabrede auf den „Ex-Papagei“ hält der empörte Kunde im Tiergeschäft: „Dieser Papagei ist keiner mehr, er ist sozusagen ein Gewester. Die ewigen Jagdgründe haben ihn als Mitglied aufgenommen. Dies ist ein hingeschiedenes Federvieh.“

Q wie Q5: Der „Flying Circus“ gilt als Prototyp der surrealen Sketch-Show, war aber nicht die erste. Im März 1969 zeigte BBC2 „Q5“ des bis dato konventionellen Komikers Spike Milligan – eine wilde Aneinanderreihung von Sketchen, die großen Einfluss auf die Pythons hatte.

R wie „Ritter der Kokosnuss“: Im zweiten Kinofilm zogen die Pythons 1975 König Artus und seine Tafelrunde durch den Kakao. In Ermangelung von Pferden klappern sie beim „Reiten“ mit Kokosnüssen.

Der erste Kinofilm mit durchgehender Handlung: die Tafelrunde um König Artus (Graham Chapman) in „Die Ritter der Kokosnuss“

Wie die Spam-Mail zu ihrem Namen kam

S wie Spam: Name eines englischen Dosenfleisches, der in einem Sketch so oft vorkommt, dass er zum Synonym für unnütze Wiederholungen wurde – und zum Begriff für Massenmails.

T wie Thekla: Frau von Arthur Pewtey in einem Flying-Circus-Sketch. Das Paar sucht einen Eheberater auf, der sich sogleich an die rassige Blondine heranmacht und den kleinlauten Arthur vor die Tür setzt. Sie wurde gespielt von Carol Cleveland, die als „siebte Python“ gilt.

U wie Ursula Andress: Als erstes Bond-Girl entstieg sie in „Dr. No“ dem Meer. So ähnlich kämpft sich zu Beginn der ersten Flying-Circus-Folge Michael Palin als Schiffbrüchiger an Land. 50 Sekunden kämpft er mit der Brandung, eher er im Sand zusammenbricht. Er presst nur noch „Das ist …“ heraus, ehe ihm der Vorspann das Wort abschneidet. Der „Das ist“-Mann tauchte regelmäßig im „Flying Circus“ auf.

Alles Spalter: Politischer Humor im "Leben des Brian"

V wie Volksfront von Judäa: Dass auch meist alberne Comedy politisch ist, zeigt der Disput zwischen Judäischer Volksfront und Volksfront von Judäa (VVJ) im „Leben des Brian“. Alles Spalter!

W wie „Wunderbare Welt der Schwerkraft“: Ein Best of der ersten beiden Staffeln des „Flying Circus“, 1971 neu aufgenommen fürs Kino.

X wie Xenophanes: griechischer Philosoph. Da das griechische Team für das Philosophen-Fußballmatch in Bestbesetzung aufläuft, steht der Vorsokratiker allerdings nicht in der Aufstellung. Auf deutscher Seite darf neben Hegel, Kant, Nietzsche und Wittgenstein überraschend auch Franz Beckenbauer auflaufen, der auf dem Platz aber eher verwirrt aussieht. Der Sketch wurde ursprünglich für die zweite Folge des deutschen "Fliegenden Zirkus" im Stadion an der Grünwalder Straße in München gedreht.

Y wie Young Ones: Die nächste Revolution der englischen Comedy. 1982 starteten sie die Welle der „alternativen Comedy“ – noch anarchischer und frecher als die Pythons, die gerade von der Bühne gingen.

Z wie Zensur: Mit der hatten die Pythons bei „Das Leben des Brian“ Probleme. Kirchliche Gruppen sahen darin Blasphemie, dabei wird die Bergpredigt ohne jedes Augenzwinkern zitiert. Aber alle, die meinen, die alleinige Heilsbotschaft zu besitzen, bekommen ihr Fett weg. Englische und amerikanische Gemeinden sprachen ein Aufführungsverbot aus – perfekte Werbung für den Film.

Die sechs Pythons im Kurzporträt

Graham Chapman: Geboren 1941, hat der Engländer in Cambridge Medizin studiert. Dort befreundete er sich mit John Cleese und schrieb mit ihm Sketche. In den Python-Filmen spielte er Brian und König Artus. Der Alkoholiker und Raucher starb mit 48 Jahren an Krebs.

John Cleese (79): Der hochgewachsene Cambridge-Student war schon vor den Pythons durch TV-Auftritte bekannt. Mit Zynismus und Slapstick-Talent begeisterte er auch später in Komödien wie „Fawlty Towers“ und „Ein Fisch namens Wanda“ oder als „Q“ in zwei Bond-Filmen.

Terry Gilliam (78): Der einzige Amerikaner bei den Pythons lernte John Cleese in New York kennen und ging nach London. Er lieferte die absurden Cartoon-Collagen bei den Pythons und führte Regie – später in verstörenden Filmen wie „Brazil“ und „12 Monkeys“.

Eric Idle (76): Noch ein Cambridge-Student. Idle hatte das größte musikalische Talent der Pythons. Er sang in „Das Leben des Brian“ ans Kreuz genagelt das legendäre Schlusslied „Always Look On The Bright Side Of Life“ und schrieb später das Python-Musical „Spamalot“.

Terry Jones (77): Wurde als Waliser bei den Pythons regelmäßig gehänselt. Der Oxford-Student spielte die meisten Frauenrollen wie Brians Mutter und hatte als Regisseur und Vordenker großen Einfluss auf die Entwicklung der Pythons. Der Buchautor leidet heute unter Demenz.

Sir Michael Palin (76): Der Oxford-Student schrieb mit Jones für die Pythons und trat in vielen legendären Sketchen auf. Später drehte der Sympathieträger Reisedokumentationen unter anderem vom Nord- zum Südpol und in Nordkorea. Anfang 2019 wurde er zum Ritter geschlagen.

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