Kapitalverbrechen: Neue Asservatenkammer bei der Polizei

Mord: Beweise werden jetzt 50 Jahre aufbewahrt

Kassel. Im Polizeipräsidium Nordhessen gibt es jetzt einen eigenen Raum für Beweismittel aller Kapitalverbrechen, die in Stadt und Landkreis Kassel begangen worden sind. In dieser Asservatenkammer sollen zum Beispiel Beweisstücke von allen ungeklärten und nicht verjährten Tötungs- und Sittendelikten, Brandstiftungen, Entführungen und Raubüberfällen aufbewahrt werden.

Die Staatsanwaltschaft Kassel, Herrin aller Ermittlungsverfahren, hat kürzlich grünes Licht für die besondere Asservatenkammer gegeben. Ausgangspunkt der Überlegungen sei der Mordfall Anita Gerth aus dem Jahr 1982 gewesen, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Heinrich Becker. Nachdem die Kasseler Kripo die Ermittlungen in diesem Fall wieder aufgenommen hatte, waren im Jahr 2008 beim Landeskriminalamt DNA-Spuren des Täters am Kleid des Opfers gefunden worden. Der Mörder von Anita Gerth wurde 26 Jahre nach der Tat überführt und ist mittlerweile rechtskräftig verurteilt. Einige Asservate, wie zum Beispiel ein Schreibmaschinenkabel, waren im Laufe der Jahre allerdings verschwunden.

Damit so etwas nicht mehr passiert, sagt Becker, sollen alle Beweisstücke aus Tötungsdelikten mindestens 50 Jahre lang aufbewahrt werden. Mit dieser Regelung soll auch gewährleistet werden, dass Asservate erneut untersucht werden können, wenn die Kriminaltechnik weitere Fortschritte gemacht hat. „Wer weiß, was in 20 Jahren alles möglich ist?“, sagt Becker.

In der neuen Kammer lagern bislang Asservate von 300 Verbrechen, sagt der Erste Kriminalhauptkommissar Fred Lenhoff, kommissarischer Leiter der Regionalen Kriminalinspektion. Die Unterbringung der Asservate und Spuren erfolge unter „akribischen Gesichtspunkten“. Nur wenige Mitarbeiter hätten Zutritt, die Kammer dürfe nur in weißer Schutzkleidung, wie sie auch an Tatorten verwendet wird, betreten werden.

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Von Ulrike Pflüger-Scherb

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