Vor dem NSU-Ausschuss

Mord an Halit Yozgat: Ex-Verfassungsschützer Andreas T. muss aussagen

„Ich sage ja jedem: Wenn er weiß, dass irgendwo so etwas passiert, bitte nicht vorbeifahren.“ - Den Hintergrund dieses rätselhaften Satzes versucht der hessische NSU-Ausschuss heute zu klären.

Das Gremium befragt fast ein Jahr nach seiner Einsetzung erstmals Zeugen. Bislang wurden nur Experten für Rechtsextremismus oder Vertreter anderer NSU-Ausschüsse gehört. Der Ausschuss in Wiesbaden soll klären, wie sich hessische Behörden nach dem Mord des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) an dem Deutschtürken Halit Yozgat am 6. April 2006 in Kassel verhalten haben.

Der rätselhafte Satz stammt vom damaligen Geheimschutzbeauftragten des Landesamtes für Verfassungsschutz, Gerold-Hasso Hess. Er sagte ihn am 9. Mai 2006 in einem Telefonat mit dem Verfassungsschützer Andreas T. aus Hofgeismar, der kurz vor oder sogar während des Mordes an Yozgat am Tatort war. T. galt der Polizei als mordverdächtig und wurde abgehört. Seinen Angaben nach war er nur zufällig in Yozgats Internet-Café und hat weder Schüsse noch das Opfer wahrgenommen.

Von Mord gewusst?

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Die Bemerkung von Hess lässt sich so deuten, als habe der Verfassungsschutz vorab von dem Mord gewusst. Die Anwälte der Familie Yozgat im Münchener NSU-Prozess stießen Anfang des Jahres auf das Zitat und machten es in der „Welt am Sonntag“ öffentlich. Der Verdacht setzte den damaligen Dienstherren des Verfassungsschutzes, den heutigen hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU), unter Druck. Er wies jede Unterstellung empört zurück. Die schwarz-grüne Ausschussmehrheit will den Verdacht schnell ausräumen, deshalb wird dieses Thema vorgezogen. Als Zeugen geladen sind Hess und T.

Außerdem wird eine Polizistin aus Kassel befragt, warum diese Aussage nicht schon bei einem ersten Auswerten der Abhördateien protokolliert wurde. Auch die Bandaufnahme soll im Ausschuss abgespielt werden. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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