Aussage von Markus H.

Lübcke-Prozess: Mitangeklagter sagt aus - Richter verschlägt es die Sprache

Markus H. auf Anklagebank
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Lübcke-Prozess: Mitangeklagter sagt vor Gericht in Frankfurt aus. (Archiv-Foto)

Am Oberlandesgericht in Frankfurt ging der Prozess um den Mord an Walter Lübcke aus Kassel weiter. Viel sagte der Mitangeklagte allerdings nicht aus.

  • Prozess um den Mord an Walter Lübcke geht weiter.
  • Nach Aussage eines Verteidigers verschlägt es sogar dem Richter den Atem.
  • Kam die Mord-Waffe von der Waffenbörse in Kassel?

Frankfurt – Im Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sagte gestern (Donnerstag den 17.12.2020) der Mitangeklagte Markus H. aus – aber nicht so, wie es zunächst den Anschein hatte.

Es ging gerade darum, wie es nun weitergeht in diesem Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Am Vormittag hatten drei Zeugen und ein Sachverständiger ausgesagt.

Lübcke-Prozess: Gericht erhoffte sich mehr von der Aussage

Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt versprach sich von ihnen Hinweise auf die Glaubwürdigkeit des Hauptangeklagten Stephan Ernst*. Es ging um womöglich von Ernst umgetretene Wahlplakate und die Frage, wo der Todesschütze an jenem Abend vom 1. Juni 2019 genau gestanden hat, als er auf der Terrasse des Lübcke-Wohnhauses in Wolfhagen-Istha den tödlichen Schuss abfeuerte. Weiterführende Aufschlüsse ergaben sich daraus nicht.

Für den Nachmittag war noch ein weiterer Zeuge angekündigt. Dann sollte die Beweisaufnahme in diesem nun sechs Monate andauernden Prozess schließen. Da ergriff Björn Clemens das Wort, der Verteidiger des bisher so schweigsamen Mitangeklagten Markus H. Clemens teilte mit, dass sich H. am Nachmittag einlassen wolle – und er sagte das so beiläufig, als ob es eine Selbstverständlichkeit wäre.

Lübcke-Prozess: Sogar dem Richter verschlägt es die Sprache

Dass es alles andere als das war, darauf deutete die kurzzeitige Stille im Gerichtssaal hin, die plötzlich herrschte. Markus H. will aussagen?* Da verschlug es selbst dem schlagfertigen Vorsitzenden Richter Thomas Sagebiel für Sekunden die Sprache, ehe er eher stammelte als sagte, dass dies in Ordnung ginge.

Der 44-Jährige hatte den Prozess bisher so verfolgt, als ginge ihn das Ganze so gut wie nichts an. Am ersten Verhandlungstag kam er im verwaschenen Poloshirt und stand noch nicht mal auf, als die Richter den Raum betraten.

Angeklagter im Lübcke-Prozess: Markus H. fiel zuvor durch ungebürliches Verhalten auf

Fortan sagte er fast nichts, manchmal machte er sich Notizen. Nur als es um Waffen ging, stellte er mal eine Frage. Sonst fiel er vornehmlich durch sein Grinsen auf, das der Anwalt der Familie Lübcke, die als Nebenklägerin auftritt, als „skandalös“ und „ungebührlich“ bezeichnete.

H. ist wegen psychischer Beihilfe angeklagt, er soll Ernst bestärkt haben, Lübcke zu töten. Ernst beschuldigt H. in seiner Tatversion, die er während der Hauptverhandlung erzählte, mit am Tatort gewesen zu sein. Familie Lübcke geht auch von einem zweiten Mann am Tatort aus. Das Gericht allerdings ließ ihn während der Verhandlung aus der Untersuchungshaft frei. Es bewertet die Beweislage gegen ihn zumindest in Bezug auf den Mord an Walter Lübcke als eher dünn.

Lübcke-Prozess: Mit Anzug und Krawatte zur Aussage

Und nun? H. trägt Anzug und Krawatte – wie zuletzt immer an Verhandlungstagen, seit er wieder in Freiheit ist. Nach der Mittagspause liegen mehrere Blatt Papier vor ihm, er schaut sie immer wieder durch. Der Vorsitzende Richter gibt einen Hinweis an die Presse weiter, dass H.s Name abgekürzt werden solle.

Es hat den Anschein, als werde Markus H. heute endlich das tut, auf das viele warten – vor allem auch die Familie Lübcke, von der an diesem Tag der ältere Sohn Christoph anwesend ist. H. soll Stellung beziehen zum Hauptkomplex dieser Verhandlung.

Lübcke-Mord: Waffe stammt angeblich von der Waffen-Messe in Kassel

Dann spricht erneut Björn Clemens, H.s Verteidiger. Er sagt, dass H. natürlich nur zu einem ihm vorgeworfenen Waffendelikt aussagen werde. Das hatte er vor der Pause nicht erwähnt. Richter Sagebiel deutet mit süffisantem Unterton an, dass er auch mehr nehme. H. liest anschließend ein paar Sätze zur eigenen Verteidigung vor.

Es geht um eine Deko-Waffe, die er auf der Waffenbörse in Kassel* gekauft hat, die aber nicht ausreichend schussunfähig gemacht worden sein soll. H. beteuerte, er sei davon ausgegangen, dass die Pistole als Sammlerstück ordnungsgemäß abgeändert worden sei. Zwei, drei Minuten redet er, es gibt zwei, drei Nachfragen. Das war es. Kein Wort zu Lübcke, kein Wort zu all dem, was noch ungeklärt im Raum steht. (Florian Hagemann) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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