Sorgerechtsstreit um gemeinsame Tochter

Lübcke-Prozess: Ist Markus H. „narzisstisch und manipulativ“? Ex-Freundin sagt aus

Ist bislang wegen psychologischer Beihilfe angeklagt: Möglicherweise könnte Markus H. jetzt zum Mittäter werden.
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Ist bislang wegen psychologischer Beihilfe angeklagt: Möglicherweise könnte Markus H. jetzt zum Mittäter werden.

In Frankfurt ging der Lübcke-Prozess in die nächste Runde. Am Freitag wurde die Ex-Freundin von Markus H. vernommen.

Frankfurt – Der Angeklagte Markus H. stand gestern im Mittelpunkt des Lübcke-Prozesses vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt. Seine Exfreundin wurde über Stunden als Zeugin vernommen. Das Verhältnis, das Lisa-Marie D. zu ihrem Exfreund Markus H., dem Vater ihrer knapp vier Jahre alten Tochter, kann man wohl mittlerweile als schlecht bezeichnen.

Die 31-jährige Frau beschrieb den 44-jährigen Markus H., der sich wegen Beihilfe zum Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke verantworten muss, gestern vor dem Oberlandesgericht (OLG) in Frankfurt als „narzisstisch und manipulativ“.

Als einen Rechtsextremen, für den Waffen wichtiger als seine eigene Tochter sind. Sie bezeichnete ihn als einen Frauen-, Ausländer- und Judenhasser. Als einen Einzelgänger mit psychopathischen Anwandlungen. Als eine Person, die selbst nicht besonders gern gearbeitet hat, aber gleichzeitig über Asylbewerber schimpfte, die angeblich alles vom Staat geschenkt bekommen.

Zudem sei er ein Reichsbürger. Markus H. habe gesagt, dass es die Bundesrepublik Deutschland nicht gibt. Er habe den ganzen Tag immer nur über das System geschimpft. „Er hat die Chance verpasst, mit 40 im Leben anzukommen.“

Allerdings sei er auch ein Mann, der viele Fähigkeiten habe. Sowohl im handwerklichen Bereich, als auch beim Verfassen von juristischen Schriftsätzen. „Er hat gesagt, Anwälte taugen nichts“, so Lisa-Marie D. über den Vater ihrer Tochter, mit dem sie bis heute einen Sorgerechtsstreit hat.

Kennengelernt haben sich die beiden Ende 2014 über das Internet. Zuerst habe man sie auf einen Trödelmarkt nach Kassel gefahren, wo Markus H. mit einem Kumpel Sachen verkauft habe. Dort habe sie ihn zunächst heimlich beobachtet. „Mein Herz hat geklopft, die Knie waren weich“, sagte Lisa-Marie D. Sie habe sich sofort verliebt.

Was ihr an Markus H., der abgeschlossene Ausbildungen als Bäcker und als Industriemechaniker hat, damals besonders gefallen hat? „Er war der Alleinbestimmer seines Lebens. Er wollte nicht mit der Masse schwimmen. Das hat mich angezogen.“ Im Frühjahr 2015 wurden beide ein Paar. Zunächst habe man sich über „Gott und die Welt unterhalten“, so die 31-Jährige. Im Laufe der Zeit auch immer mehr über Politik.

Über ihre eigene politische Vergangenheit wollte die Zeugin, die sich das Motto der Waffen-SS „Meine Ehre heißt Treue“ und Nazi-Runen hat tätowieren lassen, nicht wirklich sprechen, sondern sie eierte um das Thema herum. Sie sei damals erst 15 gewesen und habe Freunde gehabt, die auch bei der NPD gewesen seien.

Unter „Meine Ehre heißt Treue“ habe sie sich die Namen ihrer Hunde tätowiert. Sie habe das eher auf die Tiere bezogen. Allerdings habe sie gewusst, dass der Spruch auch etwas mit dem „Judenmord und dem ganzen Drumherum“ zu tun habe. Ihre politische Grundhaltung sei schon „rechts“, aber sie lehne Gewalt ab.

Durch ihren Freund Markus H., mit dem sie bis 2017 zusammen war, habe sie auch Stephan Ernst, den mutmaßlichen Mörder von Lübcke, kennengelernt. Zu dritt sei man öfter in den Schützenvereinen in Grebenstein oder Sandershausen gewesen und habe zusammen geschossen. Einmal sei sie mit beiden Männern auch bei einer AfD-Demo in Erfurt gewesen, so die 31-Jährige.

Aber über Politik habe sie mit den beiden im Laufe der Zeit gar nicht mehr reden wollen. Zwischen Stephan Ernst und Markus H. habe es hingegen kein anderes Thema gegeben. Die beiden hätten bei politischen Fragen wie „Arsch und Eimer aufeinandergepasst“.

Bei der Bürgerversammlung in Lohfelden, wo der Regierungspräsident 2015 auftrat, sei sie selbst nicht dabei gewesen. Nach der Veranstaltung seien Ernst und H. kaum noch „zu halten gewesen“. Ihr Freund habe gesagt, den müsse man „aufhängen“ beziehungsweise die Hauswand beschmieren.

Seit 2017 habe sie dann keinen Kontakt mehr zu ihrem Freund und Ernst gehabt, sagte die Zeugin mit den kurzen blonden Haaren. „Bevor das Debakel mit Lübcke passiert ist, habe ich die Notbremse gezogen,“ so die 31-Jährige. Sie gehe aber davon aus, dass die beiden sich über die Pläne für den Mord an Lübcke ausgetauscht haben. „Die waren sich einig. Die haben harmoniert.“ Und hätten sich vertraut. Markus H. habe auch ein Gewehr, das sich Stephan Ernst gekauft habe, auf seine Waffenbesitzkarte eingetragen.

Nach außen schien die Aussage seiner Exfreundin Markus H. gestern wenig anzuhaben. Er verhielt sich eigentlich wie so oft in diesem Verfahren vor dem OLG. Er grinste. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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