Anfangsverdacht eines versuchten Mordes

Mord an Walter Lübcke: Weitere Ermittlungen gegen Stephan Ernst

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Stephan Ernst wurde im Juli für seinen Haftprüfungstermin nach Karlsruhe geflogen.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Mörder von Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke ausgeweitet. Hat Stephan Ernst versucht, einen Asylbewerber zu töten?

Kassel/Karlsruhe – Das weitere Ermittlungsverfahren hat die Bundesanwaltschaft (GBA) in Karlsruhe von der Staatsanwaltschaft Kassel übernommen. 

In dem aktuell übernommenen Verfahren besteht gegen Stephan E. der Anfangsverdacht eines versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, teilt GBA-Sprecher Markus Schmitt mit.

Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen gibt es Anhaltspunkte, dass Ernst am 6. Januar 2016 in Lohfelden versucht hat, einenirakischen Asylbewerber heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen zu töten

Stephan Ernst soll sich dem Mann unbemerkt von hinten genähert und ihm dann unvermittelt mit einem Messer in den oberen Rücken gestochen haben. Durch den Stich wurde der Asylbewerber schwer verletzt.

Motiv soll die rechtsextremistische Weltanschauung von Stephan Ernst sein

Das Motiv für die Tat soll die rechtsextremistische Weltanschauung von Stephan Ernst sein. „Vor diesem Hintergrund hat der Vorwurf eine staatsschutzspezifische Tat von besonderer Bedeutung zum Gegenstand“, so der GBA-Sprecher.

Konsequenz nach Lübcke-Mord: Verfassungsschutz spürt  Nazi-Aussteigern nach

Der Mord am nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke zieht erste Konsequenzen nach sich:  Der hessische Verfassungsschutz untersucht systematisch die Entwicklung von Personen, die früher einmal im Blick der Behörde gestanden haben, aber aktuell nicht mehr beobachtet werden. Auch der mutmaßliche Mörder von Lübcke, Stephan Ernst, stand eine Zeitlang unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

Fragen und Antworten zu den Ermittlungen gegen Stephan Ernst

Was gibt es Neues? 

Die Behörde hat das Verfahren wegen versuchtem Mordes an einem Flüchtling im Januar 2016 in Lohfelden von der Staatsanwaltschaft Kassel übernommen, die bisher in dem Fall ermittelt hatte. Die Übernahme durch die Bundesanwaltschaft ist nur möglich, wenn der Fall eine staatsschutzrechtliche Relevanz oder eine „besondere Bedeutung“ hat. 

Was war damals geschehen? 

Der 22-jährige Flüchtling aus dem Irak war gegen 22 Uhr von einem Autofahrer blutüberströmt auf der Crumbacher Straße/Einmündung Am Fieseler-Werk in Lohfelden gefunden worden. Das Opfer, das Stichverletzungen an der Schulter aufwies, machte damals nur vage Angaben zum Täter. 

Demnach näherte sich der Mann („jünger als 30, mit Rucksack“) auf einem Fahrrad. Wenig später verspürte der Flüchtling einen Schlag gegen den Rücken, der Radfahrer habe sich daraufhin entfernt. Die Polizei hatte in Tatortnähe zwei Messer gefunden. Es soll sich aber nicht um die Tatwaffen gehandelt haben. 

Gab es bereits Hinweise auf ein fremdenfeindliches Motiv? 

Konkrete Hinweise auf einen politisch motivierten Anschlag gab es damals nicht, ein fremdenfeindliches Motiv wurde aber nicht ausgeschlossen. Der Iraker lebte in der Erstaufnahmeeinrichtung in Lohfelden. Die Polizei hatte bis zuletzt in dem Fall gegen Unbekannt ermittelt. 

Wie sind die Ermittler jetzt auf Stephan Ernst als möglichen Täter gekommen? 

Laut Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel soll Stephan Ernst in seinem mittlerweile zurückgenommenen Geständnis gesagt haben, dass er am Tag des Angriffs unweit der Unterkunft eine verbale Auseinanderssetzung mit einem Mann hatte, den er für einen Flüchtling hielt. Ein weiteres Indiz sind die Nähe des Wohnhauses von Ernst zum Tatort. Außerdem ist Ernst wegen eines ähnlichen Deliktes bereits vorbestraft. 

Was ist der aktuelle Stand der Ermittlungen? 

Die Ermittlungen gegen die drei Verdächtigen im Mordfall Lübcke laufen weiter. Eine Anklage von Stefan Ernst könnte zum Jahresende erfolgen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb und Kathrin Meyer 

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