Bundesinnenminister Seehofer: Anschlag ein Alarmsignal

Mordfall Lübcke: Ermittler prüfen Hinweise auf Mittäter

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Pressekonferenz von Innenminister und BKA-Chef: Horst Seehofer (von links), Holger Münch und Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang informierten im Fall Lübcke.

Laut dem Recherchenetzwerk von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung verfolgen die Ermittler Hinweise auf Mittäter, nachdem am Samstag Stephan E. festgenommen worden ist.

Neben einem DNA-Treffer soll E. auch deshalb dringend tatverdächtig sein, weil ein VW Caddy auf E.s Frau zugelassen ist. Eben solch ein Fahrzeug soll in der Tatnacht in aggressiver Art durch Istha gefahren sein, wie angeblich ein Nachbar Lübckes bei der Polizei angegeben hat. E.s Frau soll bei einer Vernehmung angegeben haben, den auf sie zugelassenen Caddy würde ausschließlich ihr Mann fahren. Da sich neben dem VW noch ein zweiter Wagen zur selben Zeit schnell durch Istha bewegt haben soll, könnte dies auf eine Beteiligung weiterer Personen an der Tat hindeuten.

Der Regierungspräsident war am 2. Juni in dem Wolfhager Ortsteil auf der Terrasse seines Hauses erschossen worden. Dienstag hat sich auch Bundesinnenminister Horst Seehofer zu dem Fall geäußert. Während einer Pressekonferenz in Berlin sagte er: „Ein rechtsextremistischer Anschlag auf einen führenden Repräsentanten des Staates ist ein Alarmsignal und richtet sich gegen uns alle.“

Zum Stand der Ermittlungen sagte Holger Münch, der Präsident des Bundeskriminalamtes, während eben jener Pressekonferenz, dass E. sich bisher nicht zur Tat habe einlassen wollen. Nach Informationen unserer Zeitung hatte die Soko „Liemecke“ am frühen Freitagabend die Nachricht erhalten, dass es einen DNA-Treffer beim Landeskriminalamt in Wiesbaden gegeben hat. Umgehend wurde die Festnahme des Verdächtigen Stephan E. in Kassel vorbereitet und in der Nacht dann vollzogen. Von ihm war eine Hautschuppe auf der Oberbekleidung des Regierungspräsidenten gefunden worden.

Thomas Haldenwang, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, machte indes deutlich, dass Stephan E. auf dem Radar des Verfassungsschutzes gewesen ist, er zuletzt aber in den Hintergrund der Beobachtungen gerückt war. Der letzte Eintrag habe aus dem Jahr 2009 resultiert. E. gehörte demnach nicht zu der Kategorie Rechtsextremer, die zuletzt als besonders gefährlich eingestuft wurden.

Das Bundeskriminalamt stuft derzeit 34 Personen aus dem rechten Spektrum als Gefährder ein. 112 weitere gelten als sogenannte relevante Personen. Verfassungsschutzpräsident Haldenwang sagte, seine Behörde gehe von momentan 12.700 gewaltbereiten Rechtsextremisten in Deutschland aus. Es sei nahezu unmöglich, diese alle rund um die Uhr im Blick zu behalten.

Lesen Sie dazu: Mordfall Lübcke: Stephan E. fiel immer wieder als Neonazi auf

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