"Stephan E. war immer nur ein Mitläufer"

In dieser Kasseler Kneipe trafen sich Stephan E. und die Neonazis

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Heute eine normale Gaststätte: Die Kneipe „Stadt Stockholm“ am Entenanger in der Innenstadt.

Die Kasseler Kneipe "Stadt Stockholm" war jahrelang Treffpunkt der Neonazi-Szene. Auch Stephen E., der mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke, verkehrte hier - zum Ärger der Gastwirte.

Das 17 Jahre alte Foto ihrer Gaststätte, das gerade deutschlandweit die Runde macht, würde Claudia Hauck am liebsten löschen lassen. Es zeigt ein Dutzend Rechtsextremer vor der Kneipe „Stadt Stockholm“ am Entenanger in der Kasseler Innenstadt. Gut zu erkennen auf dem Foto ist Stephan E., der am Samstag festgenommen wurde, weil er den Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet haben soll.

Das Foto dokumentiert, wie sich Neonazis am 30. August 2002 für eine Auseinandersetzung mit linken Gegendemonstranten wappnen. Anlass war eine Wahlkampfveranstaltung der NPD. Dabei hält Stephan E. einen Stuhl als Wurfgeschoss in der Hand. Die anderen Rechtsextremisten haben sich mit Stöcken und Steinen bewaffnet.

Hauck kann sich noch gut an Stephan E. erinnern, denn der Neonazi war nicht nur an diesem Tag mit seinen Kumpels im „Stadt Stockholm“ zu Gast. Die Gaststätte, die ihren Namen dem schwedischen König verdankt, der hier im 18. Jahrhundert übernachtet haben soll, galt jahrelang als Treffpunkt der rechten Szene.

„Das war eine ganz schlimme Zeit“, erinnert sich Hauck, deren Mann Edwin die Kneipe vor 37 Jahren übernommen hat. Damals trafen sich vor allem Fußball-Fans des KSV Hessen hier, dann kamen die Hooligans und später die Neonazis.

„Die sahen zunächst aus wie du und ich, aber das sind ganz fürchterliche Menschen“, sagt die 43-Jährige. Auch Stephan E. ließ sich oft blicken. Waren die Neonazis allein in der Kneipe, hätten sie nur ihr Bier getrunken und alles sei ruhig geblieben. Aber in der Gruppe und mit steigendem Alkoholpegel wurden dann rechte Parolen gegrölt.

Oft mittendrin: Stephan E., der auch in körperliche Auseinandersetzungen verwickelt war. Trotzdem war Hauck erstaunt, als sie am Montag erfuhr, dass der 45-Jährige verdächtigt wird, Walter Lübcke erschossen zu haben. Über die Tat wird auch an ihrer Theke geredet.

„Wir haben noch einige Gäste, die den Stephan von früher kennen. Die sagen alle: Der war das nicht, zumindest nicht allein.“ Für Hauck ist Stephan E. nicht der Typ, der etwas organisieren kann: „Aufs Gymnasium hätte der nicht gehen können. Das war immer nur ein Mitläufer.“ Die Ansagen seien damals vor allem von Mike S. gekommen, der als einer der Köpfe der Kasseler Neonazi-Szene gilt.

Kasseler Regierungspräsident Lübcke tot - Spurensuche in Istha

Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke tot aufgefunden
 © Hessennews.tv
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Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke wurde tot aufgefunden
 © Monika Wüllner
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Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke wurde tot aufgefunden
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Spurensuche am Haus des verstorbenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke
Foto vom 7. Juni © Andreas Fischer
Spurensuche am Haus des verstorbenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke
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Spurensuche am Haus des verstorbenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke
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Spurensuche am Haus des verstorbenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke
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Spurensuche am Haus des verstorbenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke
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Spurensuche am Haus des verstorbenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke
Foto vom 7. Juni © Andreas Fischer
Spurensuche am Haus des verstorbenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke
Foto vom 7. Juni © Andreas Fischer

Jahrelang versuchte das Ehepaar Hauck, die Rechtsextremen aus ihrer Kneipe zu vertreiben – vergeblich. Eines Tages fanden sie Flugblätter der NPD in ihrem Laden. Danach sprachen sie Hausverbote gegen die Neonazis aus, aber die hielten sich nicht daran – bis die Gastgeber regelmäßig die Polizei holten.

Gut in Erinnerung hat Hauck einen Vorfall aus dem Jahr 2006, kurz vor der Fußball-WM in Deutschland. Wahrscheinlich im April, etwa zu dem Zeitpunkt, als Halit Yozgat vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) in seinem Internetcafé in der Holländischen Straße erschossen wurde. Hauck behauptet, dass damals der Kasseler Neonazi Bernd T., Anführer der mittlerweile verbotenen Kameradschaft „Sturm 18“, mit NSU-Mitglied Beate Zschäpe und weiteren Rechtsradikalen in ihre Kneipe kam.

Weil sie keine Neonazis in ihrem Laden wollte, habe sie die Gruppe aufgefordert, den Laden zu verlassen. Daraufhin sei Bernd T. ausgerastet, habe ihr die Nase gebrochen und den Laden demoliert. Komischerweise seien alle Unterlagen bei der Polizei und auch ihre Krankenakten verschwunden.

Vor knapp drei Jahren habe es noch einmal einen Vorfall mit einem Hooligan im Laden gegeben, den sie abgewiesen habe. Eine halbe Stunde später habe er mit zehn Schlägern im Laden gestanden und randaliert. Die Haucks riefen die Polizei. Bis heute warten sie auf die Gerichtsverhandlung.

Während Hauck manchen rechten Stammgast von damals mittlerweile beim Betteln in der Königsstraße sieht, hat ein anderer Karriere bei der Freiwilligen Feuerwehr Bettenhausen-Forstfeld gemacht: Christian W., einst Mitglied im mittlerweile verbotenen Neonazi-Netzwerk „Blood & Honour“, war hier Wehrführer.

Mit Mike S. von der Kameradschaft „Freier Widerstand Kassel“ lebte er zeitweise in Helsa zusammen. Als seine rechtsradikale Vergangenheit herauskam, musste er auf Drängen der Stadt zurücktreten. Wegen des 17 Jahre alten Fotos mit den Neonazis hat Wirtin Hauck mittlerweile einen Löschantrag bei Google gestellt. So etwas dauert jedoch.

Befürchtet sie, dass ihre Kneipe nun wieder zum Neonazi-Treffpunkt wird? „Dazu wird es nicht kommen“, sagt Hauck selbstbewusst: „Wenn sich einer von denen blicken lässt, greife ich zum Telefonhörer.“

Hier befindet sich die Kneipe:

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