Als Todesursache wird Ersticken angenommen

Mordprozess Niederzwehren: Wurde Rentnerin mit Kissen erstickt?

Auf der Anklagebank: Wegen des Verdachts des Mordes in Niederzwehren muss sich ein 42-jähriger Mann vor dem Kasseler Landgerichts verantworten. Unserer Zeichnerin porträtierte ihn für dieses Bild gleich drei Mal. Zeichnung :  Reinckens

Kassel. Zwei Rechtsmedizinerinnen legten im Mordprozess ihre Theorien zum Erstickungstod der Rentnerin Ursula B. dar. Vor dem Kasseler Landgericht muss sich derzeit ein 42-Jähriger verantworten - er soll die Frau erstickt haben.

„Wenn Sie das nächste Mal zu einer Leichenschau kommen, dann sagen Sie den Polizisten, dass sie vorher Fotos machen müssen.“ Diesen Hinweis gab am Dienstag Volker Mütze, Vorsitzender Richter der sechsten Strafkammer des Kasseler Landgerichts, einer Ärztin mit auf dem Weg.

Die Frau war im Mai 2016 von der Polizei zur Leichenschau gerufen worden, nachdem die Rentnerin Ursula B. in ihrer Wohnung in Niederzwehren tot aufgefunden worden war. Die Auffindesituation der Leiche war von den Schutzpolizisten allerdings nicht mit Fotos dokumentiert worden.

Als die Ärztin kam, zog sie die tote Frau aus der Ecke des Flurs und drehte sie auf den Rücken. Ob durch das Drehen der Leiche – über 24 Stunden nach deren Tod – weitere Leichenflecken entstanden sein können, damit beschäftigten sich am Dienstag gleich zwei Rechtsmedizinerinnen.

Barbara Zedler, Fachärztin für Rechtsmedizin der Uni Gießen, die vom Gericht als Gutachterin beauftragt worden ist, schloss das nicht aus. Ebenso wenig wie Prof. Dr. Gita Mall, Direktorin der Rechtsmedizin der Uniklinik Jena. Sie wurde von Jan Hörmann, dem Verteidiger des wegen Mordes angeklagten 42-jährigen engagiert.

Der Verteidiger verfolgt die Strategie, dass der Angeklagte das Opfer nicht – wie es in der Anklage steht – mit einem Kissen vorsätzlich erstickt hat, sondern dass es sich quasi um einen Unfall gehandelt hat. Der Mann sei auf die Frau gefallen, habe sich anschließend auf sie gesetzt und dann Mund und Nase zugehalten, um ihre Schreie zu unterdrücken.

„Die Todesursache ist Ersticken“, machte die Rechtsmedizinerin aus Jena deutlich. Aufgrund der vielen Verletzungen im Gesicht der Frau sei es aber eher unwahrscheinlich, dass Ursula B. nur mit einem weichen Kissen erstickt worden sei. Plausibler sei, dass der Täter ihre Atemöffnungen, also Mund und Nase, mit der Hand zugehalten habe. Rechtsmedizinerin Zedler konnte auch nicht ausschließen, dass die Verletzungen im Gesicht der Frau durch die Hand des Täters und ihre Rippenbrüche durch einen Sturz verursacht worden seien. Mit Blick auf die Gesamtkonstellation der Befunde sei sie aber zu dem Schluss gekommen, dass der Täter das Gesicht des Opfers aktiv auf ein Kissen gedrückt haben müsse.

Die Anklage

Ein 42-jähriger Mann aus Kassel muss sich seit Montag, 24. Juli, vor der sechsten Strafkammer des Landgerichts wegen des Verdachts des Mordes und des Diebstahls verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, am 16. Mai 2016 die 74-jährige Ursula B. in ihrem Haus in Niederzwehren getötet haben. Aus Habgier. Der Mann soll die Frau, die auf dem Fußboden lag, so lange ein Kissen auf das Gesicht gedrückt haben, bis diese erstickte. Anschließend soll er neben der EC-Karte der Getöteten noch Bargeld mitgenommen haben.

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