Opfer hatte Probleme mit männlichen Angehörigen

Mordprozess Savasci: Oft Streit in der Familie

Auf der Anklagebank: Der 51-jährige Bruder von Mehtap Savasci muss sich wegen des Verdachts des Mordes verantworten. Hinter ihm sin seine Verteidiger Sven Schoeller und Gabriele Steck-Bromme zu sehen. Zeichnung:  Reinckens

Kassel. Mehtap Savasci scheint kein gutes Verhältnis zu den Männern in ihrer Familie gehabt zu haben. Das wurde bei der Zeugenaussage einer Freundin der getöteten Frau deutlich.

Die 33-jährige Zeugin, die die sieben Jahre ältere Mehtap Savasci aus Sontra - wo beide gemeinsam mit ihren Familien aufgewachsen sind - kannte, berichtete am Donnerstag von Streitigkeiten mit dem früheren Ehemann, dem Bruder, der sich jetzt wegen des Verdachts des Mordes verantworten muss, und dessen Schwiegersohn.

Mehtap sei erst 17 gewesen, als sie auf eigenen Wunsch ihren Cousin geheiratet habe. Es habe sich 1992 um eine Liebesheirat gehandelt, sagte die Zeugin. Die Liebe hielt aber offenbar nicht lange an. Später sei Mehtap Savasci von ihrem Mann, mit dem sie eine Tochter hatte, oft geprügelt worden. „Mehtap hatte kein schönes Leben in der Ehe. Sie wollte die Trennung.“ Das Verhältnis zu dem Exmann sei erst besser geworden, nachdem dieser zurück in die Türkei gegangen, dort neu geheiratet und vor wenigen Jahren noch eine Tochter bekommen habe, sagte die 33-Jährige aus. Methap habe ihrer eigenen Tochter, die im Prozess als Nebenklägerin gegen ihren Onkel auftritt, 2014 erlaubt, den Vater in der Türkei zu besuchen.

Nie von Eltern geliebt gefühlt

Mit ihrem älteren Bruder, dem Angeklagten, habe Methap früher eigentlich ein relativ gutes Verhältnis gehabt. Auf ihn habe sie sich verlassen. Von ihren Eltern habe sie sich hingegen nie geliebt gefühlt. Im Laufe der Jahre sei das Verhältnis zu dem Bruder dann aber schlechter geworden.

Die Zeugin vertrat die Ansicht, dass dies im Zusammenhang mit dem Schwiegersohn des Angeklagten steht. Als die Tochter des Angeklagten den Mann kennen gelernt habe, seien zunächst sowohl er als auch seine Schwester Mehtap gegen die Beziehung gewesen. Methap, die wie eine westeuropäische Frau gelebt habe, sagte, dass dieser Mann aus der Osttürkei mit seinem sehr starken Akzent nicht zu der Familie passe. Nachdem ihre Nichte ihn kennen gelernt hatte, sei diese plötzlich verschleiert rumgelaufen.

Bei der Hochzeit des Paares hätten Frauen und Männer getrennt feiern müssen, sagte die Zeugin. Darüber sei zunächst auch der Angeklagte, dessen Frau kein Kopftuch trage, traurig gewesen.

Später habe Mehtap berichtet, dass sich ihr Bruder von seinem Schwiegersohn in religiöser Richtung habe manipulieren lassen. Der Angeklagte habe von Mehtap plötzlich verlangt, einen Atatürk-Aufkleber (der türkische Staatsgründer Atatürk wollte sein Land auf schnellstem Weg gen Westen führen) von ihrem Auto abzukratzen. Stattdessen sei er plötzlich Anhänger der islamisch-konservativen AKP geworden.

Hasserfülltes Verhältnis

Das Verhältnis zwischen Methap und dem Schwiegersohn ihres Bruders sei hasserfüllt gewesen. Mehtap habe davon berichtet, dass der Mann sie angerufen und damit gedroht habe, sie und ihre Tochter zu töten, wenn sie weiter gegen ihn vorgehe.

Mehtap Savascis Leiche wurde am 7. November 2014 in der Gartenparzelle des Schwiegersohns gefunden.

Konflikte mit Kollegen

Mehtap Savasci sei ein lustiger und offener Mensch gewesen, sagte ein 36-jährige Kollegin von der Ausländerbehörde aus. Allerdings habe Mehtap auch wegen ihrer Lebensweise ein schwieriges Verhältnis zu ihren Brüdern gehabt. Zudem sei sie nicht zufrieden mit ihrer Arbeit in der Ausländerbehörde gewesen. „Sie kam mit den Klienten nicht zurecht, eckte an und wollte sich in eine andere Abteilung versetzen lassen.“ Offenbar gab es auch Konflikte mit Kollegen.

Das bestätigte der Vorgesetzte von Mehtap Savasci. Zudem sagte er, dass er mehrfach pro Jahr mit Mehtap auf deren Wunsch Personalgespräche geführt habe. In diesen Gesprächen (normalerweise gibt es nur eins) habe sie darum gebeten, dass er Verständnis für Fehler habe, die ihr unterlaufen. Sie habe große Angst vor ihrer Familie (dabei habe sie von dem Bruder gesprochen), die sie unter Druck setze. Mehtap sei der Ansicht gewesen, dass ihr deshalb Fehler passierten.

Mehtap habe Fehler bei der Arbeit gemacht, aber im Aufenthaltsrecht seien auch viele Fehler möglich, so der Vorgesetzte. „Das Rechtsgebiet ist so schwierig, dass wir uns auch Fehler erlauben können.“

Es habe auch Beschwerden über ihre Arbeit gegeben. Aber es gebe über alle Mitarbeiter Beschwerden, „wenn die Kunden der Ausländerbehörde nicht bekommen, was sie wollen“.

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