Rechtsmediziner und weitere Zeugen sagten vor Gericht aus

Mordprozess Savasci: Schuss ging mitten durchs Herz

Auf der Anklagebank: Der 51-jährige Bruder von Mehtap Savasci. Zeichnung: Reinckens

Kassel. Der Schuss, mit dem Mehtap Savasci getötet worden ist, ging mitten durch das Herz.

Der Tod muss angesichts der Verletzungen des Herzens und der Lunge schnell eingetreten sein, sagte ein Arzt des Frankfurter Instituts für Rechtsmedizin am Dienstag im Mordprozess vor dem Kasseler Landgericht. Der 55-Jährige hatte den Leichnam von Mehtap Savasci im vergangenen November obduziert.

Zwei Einschüsse seien an dem bereits stark verwesten Leichnam festgestellt worden. Eine Kugel steckte noch im Körper des Opfers. Das zweite Projektil sei möglicherweise zersplittert. Die Tatwaffe - wahrscheinlich eine halbautomatische Selbstladepistole - ist bisher nicht gefunden worden. Die Schussverletzungen seien eindeutig die Todesursache gewesen, sagte der Rechtsmediziner. Spuren massiver Gewalteinwirkung habe man nicht entdeckt, auch keine typischen Abwehrverletzungen.

Während der Ausführungen zur Obduktion seiner Schwester schaute der 51-jährige Angeklagte aufmerksam zu dem Arzt – ohne jedoch eine emotionale Regung zu zeigen. Wie bei den vergangenen Verhandlungstagen saß er in schwarzem Anzug und weißem Hemd auf der Anklagebank, vertiefte sich immer wieder in einen Aktenordner und machte sich hin und wieder Notizen. Zu den Vorwürfen schweigt der 51-jährige Familienvater aus Maintal bei Frankfurt bisher.

In Fesseln vergraben

Wie der Leichnam von Mehtap Savasci am 7. November – einen Monat nach ihrem Verschwinden – auf einem Kleingartengelände in Wiesbaden aufgefunden wurde, schilderte Kriminaloberkommissar Hans-Joachim Schabacker von der Kasseler Kripo. Die Leiche war im hinteren Teil des Gartens, der dem Schwiegersohn des Angeklagten gehört, etwa 40 Zentimeter tief vergraben worden. Sie lag auf dem Rücken, die Hände waren vor dem Bauch mit Klebeband gefesselt.

Die Ermittler hatten sich eine Woche nach der Entführung des Opfers schon auf dem Gartengrundstück umgeschaut, zunächst aber nichts endeckt. In einem Gehölz unweit des Kleingartens wurden dann Ende Oktober die Handtasche und ein Schlüsselbund der Vermissten gefunden sowie eine Zeiterfassungskarte der Kasseler Ausländerbehörde, bei der Mehtap Savasci arbeitete.

Auch zu dem weißen VW Caddy, mit dem der Angeklagte seine Schwester entführt haben soll, wurden weitere Details bekannt. Vor Gericht wurde das Video einer Überwachungskamera an einer Frankfurter Tankstelle abgespielt. Es zeigt, wie der eindeutig zu erkennende Angeklagte dort in der Nacht zum 7. Oktober um kurz vor 4 Uhr den Wagen für 56,08 Euro tankte. Am Morgen gegen 7 Uhr soll er seiner Schwester vor deren Wohnung in Kassel aufgelauert und sie in den Wagen gezerrt haben.

Zudem wurde das Fahrtenbuch des Firmenwagens, den der 51-Jährige in seinem Betrieb ausgeliehen hatte, von dem Kasseler Kripo-Beamten dem Gericht übergeben. Es fehlte bisher in den Akten.

Staatsanwältin: „Halte keine Beweismittel zurück“

Nicht nur das Fahrtenbuch des Firmenwagens tauchte erst gestern auf. Bei den Anhörungen von Ermittlern aus Kassel und Wiesbaden wurde auch deutlich, dass weitere Beweismittel in den vor Gericht vorliegenden Ermittlungsakten fehlen. Unter anderem wurden der Schwiegersohn des Angeklagten, in dessen Garten die Leiche gefunden wurde, observiert und die Anrufliste seines Handys ausgewertet. Weil der Schwiegersohn angab, zur Tatzeit in der Türkei gewesen zu sein, wurde auch dies überprüft. Entsprechende Dokumente fehlen in den Unterlagen jedoch bisher, kritisierten die Verteidiger des Angeklagten in Richtung der Staatsanwaltschaft. Auch sie habe bisher keine Kenntnis davon gehabt, entgegnete Staatsanwältin Alena Hartwig-Asteroth. „Ich habe gewiss keine Kiste unter meinem Schreibtisch, wo ich Beweismittel zurückhalte.“

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