Mordprozess: Zehnjährige Tochter tritt als Nebenklägerin auf

Kassel/Felsberg. Der zweite Verhandlungstag im Mordprozess gegen die 26-jährige Sabrina H. begann mit einer Überraschung. Die heute 10 Jahre alte Tochter Laura tritt nach der Zustimmung ihres Vaters als Nebenklägerin gegen ihre Mutter auf.

Laura war nicht im Großen Saal des Kasseler Landgerichts anwesend. Vertreten wird sie von dem Kasseler Rechtsanwalt Werner Momberg. Wie berichtet, muss sich Sabrina H. aus Bad Wildungen wegen zweifachen Mordversuchs an ihren Kindern vor dem Kasseler Landgericht verantworten. Laut Anklage soll sie versucht haben, am 12. März 2009 in Felsberg ihre damals achtjährige Tochter Laura und ihren fünf Jahre alten Sohn Niklas in ihrem Auto mit Abgasen zu töten.

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Die Tochter konnte sich aber aus dem Auto befreien und alarmierte Anwohner, die die Polizei riefen. Die Polizei fand dann Mutter und Sohn im Auto. Beide waren bewusstlos und überlebten.

Der Vorsitzende Richter Volker Mütze zeigte sich verwundert darüber, dass Laura nun Nebenklägerin ist. Mütze: "Eigentlich waren wir so verblieben, dass wir Laura aus dem Prozess raushalten wollten.“ Am ersten Prozesstag hatte ihr Vater als Zeuge noch erklärt, dass die Zehnjährige nicht aussagen werde.

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Ob und warum es einen Sinneswandel bei dem Vater gegeben habe, wusste Rechtsanwalt Momberg auf Nachfragen von Richter Mütze nicht zu sagen. Möglicherweise, so Momberg, werde die Entscheidung noch einmal überdacht. Polizeibeamte schilderten am Mittwoch vor Gericht, wie sie von Laura zum Tatort in der Feldgemarkung Helmshausen (Felsberg) gelotst worden waren.

Der Motor des roten Passats lief, vorne im Auto saßen Sabrina H. und ihr Sohn - beide waren bewusstlos. Ein Polizist trat sofort das Rohr vom Auspuff ab, mit dem die Gase ins Auto geleitet wurden. Dann zog man die Insassen aus dem Wagen. Zuerst kam Niklas zu Bewusstsein, dann seine Mutter.

Bei den ersten Befragungen durch die Polizei hatte Laura mehrfach betont, dass zwei Autotüren offen standen, nachdem sie aus dem Wagen geflohen war, um Hilfe zu holen. Als die Polizei eintraf, waren aber alle Türen geschlossen, die Beifahrertür sogar verriegelt. Die Frage, über die nun spekuliert wird: Wurde Sabrina H. zwischendurch wach und schloss das Auto nach der Flucht der Tochter erneut?

Nach der Tat wurde Sabrina H. in die Psychiatrie nach Merxhausen gebracht. Dann wurde gegen sie ein Haftbefehl erlassen, der aber unter Auflagen außer Vollzug gesetzt wurde. (tho)

Der Prozess wird am 1. Februar um 9 Uhr fortgesetzt.

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