33-Jähriger muss nach zwei Jahren in Entziehungsanstalt

Mordversuch an Freundin: Mann muss zehn Jahre ins Gefängnis

Justizia als Skulpur mit verbundenen Augen
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Der Angeklagte hatte sein Opfer im Januar angegriffen. Nun wurde er verurteilt.

Wegen versuchten Mordes an seiner früheren Freundin in Kassel-Kirchditmold muss ein 33-jähriger Mann aus Limburg für zehn Jahre ins Gefängnis.

Kassel – Zur Therapie seiner Depressionen und Cannabis-Abhängigkeit wird er nun nach zwei Jahren im Regelvollzug in eine Entziehungsanstalt verlegt, verfügte am Donnerstag die 6. Strafkammer des Landgerichts in ihrem Urteil.

Der Angeklagte hatte am Morgen des 31. Januar dieses Jahres die Wohnung der heute 30-jährigen Lehrerin in Kirchditmold aufgesucht und hatte sie mit einem „verlegenen Lächeln“ dazu bewegt, die Haustür zu öffnen. Unmittelbar danach hatte er mit einem Keramikmesser auf sie eingestochen und ihr zahlreiche schwerste, lebensbedrohliche Verletzungen zugefügt. Auch als Zeugen hinzukamen, hatte er die wütenden Angriffe auf die schon bewusstlose Frau fortgesetzt. Erst Polizeibeamte konnten ihn von seinem Opfer trennen und festnehmen.

In seiner Urteilsbegründung schilderte Richter Volker Mütze auch die Vorgeschichte der Tat. Danach waren beide von 2011 bis 2015 ein Paar, das anfangs gemeinsam in einer Wohnung in Limburg lebte.

2014 trat die Frau ihr Referendariat in Kassel an, im Jahr 2015 trennte sich das Paar auf Initiative des Mannes. Gleichwohl war er wohl die folgenden Jahre von der Idee einer erneuten Beziehung angetrieben. Immer wieder nahm er Kontakt zu ihr auf, hielt sich dann ein Jahr in Australien auf, eine „Flucht“ sagte der Richter.

Der schon seit Jahren depressive Mann konsumierte schließlich immer mehr Haschisch und Marihuana, ging nicht mehr zur Arbeit und bedrängte die Frau immer wieder per Telefon.

Als sie ihm im Dezember 2019 mitteilte, dass sie endgültig keinen Kontakt mehr wünsche, habe der Angeklagte erwogen, sie dafür zu bestrafen, dass sie sich seine Nöte nicht anhören wollte, beschrieb Richter Mütze die Gedanken des Mannes.

Im Zustand einer akuten chronisch-depressiven Verstimmung und mit Drogen im Blut fuhr er von Limburg mit einem Mietwagen nach Kassel und stürzte sich mit den Worten „So kommst du mir nicht davon“ auf die junge Frau.

„Die Mischung aus Krankheit und Drogen war ursächlich für das Geschehen“, urteilte Mütze. Das Mordmerkmal der Heimtücke sei erfüllt, weil die Frau dem früher nie gewalttätigen Mann arg- und wehrlos die Tür geöffnet habe.

Bei der Strafe wird die knapp einjährige Untersuchungshaft des nicht vorbestraften Mannes angerechnet. Frühestens nach der zweijährigen Therapie, also nach fünf Jahren, werde es eine erste Überprüfung seines Zustands geben.

Die Kammer sei sich im Klaren darüber, dass die Frau in der Angst lebe, dass es nach der Haftentlassung zu einem erneuten Angriff kommen könne, sagte der Richter. Auch mit Blick auf mögliche neue Partnerinnen könne sich die Tat wiederholen. Deshalb sei es besonders wichtig, bei dem Mann die Bereitschaft zur Therapie zu wecken.

Mütze: „Derzeit ist ihm alles egal. Er hatte keinen Plan für die Zeit nach der Tat, wollte sich selbst umbringen.“ Aufgabe der Klinik sei es nun, das zu ändern. (Thomas Stier)

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