45-Jähriger war vom Tötungsvorsatz zurückgetreten

Mordvorwurf vom Tisch: Fünf Jahre wegen Körperverletzung

Justitia-Figur vor strahlend blauem Himmel
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Wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung ist ein 45-jähriger Kasseler vom Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden.

Ein 45-jähriger Kasseler ist vom Landgericht wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden.

Kassel - Die Anklage hatte zehn Jahre Haft wegen versuchten Mordes aus Heimtücke, Habgier und zur Verdeckung einer Straftat gefordert, weil der Mann im August 2019 in Habichtswald seine frühere Sexualpartnerin minutenlang mit Tötungsabsicht gewürgt habe.

Den Tötungsvorsatz sah auch Volker Mütze, Vorsitzender Richter der 6. Strafkammer des Landgerichts, in seiner Urteilsbegründung als gegeben an. Der Angeklagte habe die 35-Jährige bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt, weil er wegen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung die von ihr vollzogene Trennung nicht habe akzeptieren wollen.

Zudem habe er ihr etwa 1000 Euro geschuldet, die er nicht zurückzahlen konnte. Weil er während der Tat unter dreifacher Bewährung stand, habe er eine erneute Rückkehr ins Gefängnis befürchtet. Dort hatte er bereits wegen eines 1996 verübten Mordes an seiner Ex-Partnerin 15 Jahre einer lebenslangen Freiheitsstrafe verbüßt.

In der Bewertung der Geschehnisse nach dem ersten Würgeangriff kam die Kammer allerdings zu einer anderen Bewertung als die Staatsanwaltschaft: Die Frau war zu sich gekommen, hatte sich mit Schlägen und Tritten heftig gegen den ungewöhnlich kräftigen Angeklagten gewehrt und hatte lauthals um Hilfe gerufen, was die Nachbarn auf den Plan rief.

Der Angeklagte zog die Frau über die lange Einfahrt der Villa in die Garage, wo er zu Fall kam. Er stand wieder auf und sah die Frau an. Die sagte vor Gericht aus: „Er hat mich angesehen und dachte …“ Dann ging er an ihr vorbei, setzte sich in sein Auto und fuhr davon.

„Diese Aussage der Frau hat Sie vor einer Verurteilung wegen versuchten Mordes bewahrt“, sagte Richter Mütze zu dem Angeklagten. Denn mit diesem Verhalten habe er seinen Tötungsplan aufgegeben. Im Juristendeutsch heißt das „strafbefreiender Rücktritt von der Tat“.

Vor dem Urteil hatte die Verteidigung noch die Halbschwester des Angeklagten als Zeugin aufgeboten. Die berichtete, die 35-Jährige habe damit gedroht, den Angeklagten der versuchten Tötung zu bezichtigen, sollte er sie nicht in Ruhe lassen. Dieser möglichen Falschaussage glaubte die Kammer nicht.

Von Thomas Stier

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