Moschee am Mattenberg: Ausländerbeirat kritisiert Wahlwerbung der CDU

Kassel. Als der türkisch-islamische Kulturverein vor über zehn Jahren plante, eine Moschee mit Minarett zu bauen, da war der Widerstand groß. Menschen aus dem Stadtteil Oberzwehren und besonders CDU-Politiker protestierten dagegen lauthals. Die Gemeinde legte daraufhin ihre Pläne für einige Jahre auf Eis.

Seit Sommer 2008 wird die Moschee mit Kuppeldach und über 30 Meter hohem Minarett nun gebaut. Im Vorfeld gab es mehrere Informationsveranstaltungen, die türkisch-islamische Gemeinde lädt regelmäßig zu einem Tag der offenen Tür ein. Der Ärger und die Angst der deutschen Bewohner vor der Moschee schienen der Vergangenheit anzugehören. Bis zum Kommunalwahlkampf.

Ende Februar verteilte die Oberzwehrener CDU Flugblätter, auf denen plötzlich die Moschee wieder thematisiert wurde. Dort stand: „Wir lehnen den weiteren Ausbau der Moschee ab. Wir werden darauf achten, dass sich der Bereich Mattenberg durch den Bau nicht zu einem überregionalen muslimischen Zentrum entwickelt.“ Die Verantwortung dafür hat Heinz-Joachim Wolf, Vorsitzender des CDU-Stadtbezirksverbands.

Weitere Infos zum Thema gibt es auch im RegioWiki.

Diese Wahlwerbung hat nun den Ausländerbeirat auf den Plan gerufen. „Hier wurde mal wieder auf dem Rücken der ausländischen Bevölkerung Wahlkampf betrieben“, sagt dessen Vorsitzender Kamil Saygin. Auch der CDU sei bekannt, dass die Gemeinde für weitere Bauabschnitte bislang gar keine Bauanträge gestellt habe, sagt Saygin. „Daher ist das Schüren von Ausländerfeindlichkeit besonders schlimm.“

Auch Oberzwehrens Ortsvorsteher Eberhard Fedon (SPD) kritisiert die Wahlwerbung der CDU: Hier seien Ängste geschürt worden, die an der Realität vollkommen vorbeigingen. Ihm sei nicht bekannt, dass Bürger gegen den Bau protestierten.

Heinz-Joachim Wolf kann die Kritik nicht nachvollziehen und weist den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit zurück. Mit dem Flugblatt habe die CDU „kein Öl ins Feuer gießen wollen“. Es gebe sehr wohl Bürger in Oberzwehren, die Angst davor hätten, dass neben der Moschee noch ein überregionales islamisches Zentrum am Mattenberg gebaut wird. „Die Bürger haben Angst vor den Massen, die die Moschee besuchen könnten.“

Cihat Adiyaman, stellvertretender Vorsitzender der Gemeinde, will auf den Konflikt gar nicht eingehen. „Wir sind froh, wenn wir die Moschee fertig gebaut haben“, sagt Adiyaman auch mit Blick auf die Kosten. Die Moschee, die nur durch Spenden finanziert wird, koste 2,6 Millionen Euro. „Es fehlt uns immer noch ein bisschen.“ Vom Geld hänge auch ab, wann die Moschee fertig werde. Wenn dies geschehen sei, dann wollten sich die Gemeindemitglieder erst einmal erholen. Ob weitere Bauabschnitte, die nur auf Architekturzeichnungen existieren, irgendwann einmal realisiert würden, darüber werde man frühstens in einigen Jahren sprechen, sagt Adiyaman. Der Gemeinde sei ein guter Kontakt zu den Nachbarn wichtig. Deshalb lädt sie für den 29. und 30. April sowie den 1. Mai wieder zum Tag der offenen Tür ein.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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