Jurist und Macher

Er war Motor der Kasseler Kunstszene: Hans Mangold starb mit 95 

Starb mit 95 Jahren: Hans Mangold. Archivfoto: nh

Kassel. Es gibt nicht viele Menschen, die die Kasseler Kulturszene so geprägt haben wie er: Hans Mangold, der langjährige Direktor der Hessischen Brandversicherungsanstalt, war Vorsitzender des Hessischen Museumsverbandes und Vorsitzender des Kasseler Kunstvereins.

Am Samstag ist der Jurist, Mäzen und Macher im Alter von 95 Jahren gestorben. Damit verliert Kassel „einen wichtigen Vorkämpfer für die Stärkung der Kultur“, wie der ehemalige HNA-Kulturchef Dirk Schwarze sagt, der Mangold viele Jahre begleitete. „Er war ein Motor der Kasseler Kunst- und Kulturszene und ein Streiter im positiven Sinn“, sagt Prof. Dr. Hansjörg Melchior, ehemaliger Leiter des documenta-Forums.

Als Chef der Brandkasse, des Vorgänger-Unternehmens der SV-Sparkassenversicherung, gestaltete der in Verden an der Aller geborene und in Kassel aufgewachsene Mangold die wirtschaftspolitische Entwicklung Nordhessens mit. Das Interesse für die Kultur wurde schon in seinem Elternhaus geweckt, sagt seine Tochter Dr. Verena Metze-Mangold. Seine Großmutter schrieb noch im hohen Alter Bücher, und auch Hans Mangold war Autor von Gedichten.

In seinen zahlreichen Ämtern zählten jedoch vor allem harte Fakten. Als Vorsitzender des Hessischen Museumsverbandes kümmerte er sich zwei Jahrzehnte lang vor allem um die Professionalisierung der Ausstellungshäuser auf dem Land. Sein Fachwissen war begehrt - ob als Mitglied im Theaterbeirat, Berater des Aufsichtsrates der documenta-Ausstellungen 4 und 5 oder als SPD-Magistratsmitglied. In einem Alter, in dem sich andere in den Ruhestand verabschieden, engagierte er sich nach dem Mauerfall als ehrenamtlicher Museumsberater der thüringischen Landesregierung.

Sein Wirken, bei dem er, wie Beobachter sagen, auch eigenwillig, aber immer geradlinig vorging, hat Spuren hinterlassen. „Ohne ihn hätte es den Kunstverein, wie es ihn heute gibt, nicht gegeben“, meint Melchior. Mangold erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (1979).

„Er war ein Mensch mit Leidenschaft“, sagt seine Tochter. Hans Mangolds Frau starb vor vier Jahren. Auch im hohen Alter konnte sich der Vater zweier Töchter weitgehend selbst versorgen. Seine Gedichte gibt es übrigens auch in der Deutschen Nationalbibliothek. Verena Metze-Mangold gab sie vor zwei Jahren in einem 96-seitigen Band heraus.

Von Matthias Lohr

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