E-Motor soll Segelflugzeug revolutionieren

Erfinder Georg Koppenwallner aus Göttingen entwicket eine Schubklappe

Auf dem Bild ist der Göttinger Georg Koppenwallner in seinem Arbeitszimmer zu sehen. Der Erfinder hat eine Schubklappe für Segelflugzeuge konzipiert, hier zeigt er ein Holzmodell seiner möglicherweise revolutionären Erfindung.
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So sieht Georg Koppenwallners Schubklappe im Holzmodell aus: Der Erfinder präsentiert die Technik in seinem Arbeitszimmer.

Elektromotoren werden das Segelfliegen revolutionieren. Davon ist der Göttinger Erfinder Georg Koppenwallner (59) überzeugt. Er will E-Propeller zum Starten und für den Rückflug nutzen.

„Ein Bild des Flugtaxis, das die Firma Lilium 2025 auf den Markt bringen will, hat mich auf die Idee gebracht“, erzählt der Diplom-Meterologe. Das Flugobjekt des oberbayrischen Start-ups, das einem Science-Fiction-Film entsprungen sein könnte, hat Impeller, eingehauste Propeller, auf den Tragflächen. Mit ihnen soll das Flugtaxi senkrecht starten und landen. Koppenwallners Weiterentwicklung: Er will die Propeller in die Bremsklappen integrieren und bei Bedarf quer zur Flugrichtung aus den Tragflächen ausfahren.

„So kann das Segelflugzeug vom Boden aus starten“, führt der Erfinder aus. Verliert es den Aufwind, den es zum Fliegen benötigt, bringen ihn die Elektromotoren zur nächsten Thermik. Notladungen auf dem Acker gehörten damit der Vergangenheit an. Der E-Antrieb würde zudem den stressfreien Anflug des nächsten Flugplatz ermöglichen.

„Mit den Einklappen der Propeller erhält das Flugzeug seine zum Segeln notwendige aerodymanische Form zurück“, erläutert Koppenwallner. Der Elektroantrieb hat Vorteile gegenüber den Zweitakt-Verbrennungsmotoren der Klapptriebwerke, die Motorsegler bisher verwenden. Ein E-Antrieb vibriert und lärmt im Gegensatz zum Verbrenner nicht. Er ist zudem zuverlässiger und muss seltener gewartet werden. Schließlich sorgt er für mehr Sicherheit: Fällt einer der Propeller aus, gibt es immer noch mehrere andere, die den Flieger in der Luft halten.

Koppenwallner stellte seine Schubklappen-Idee 2017 erstmals auf dem Segelflugsymposium vor. „Einige der versammelten Experten waren so beeindruckt, dass Sie mir nach meinem Vortrag das Du anboten“, erzählt der Erfinder.

Er hat sein Konzept in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Seit Mai 2020 betreut er ein Forschungsprojekt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Göttingen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie finanziert das Vorhaben mit Mitteln aus dem Luftfahrtforschungsprogramm (LuFo). In den kommenden drei Jahre will Koppenwallner mit einem Industriepartner nachweisen, dass sein E-Antrieb in der Praxis funktioniert.

Der Erfinder hat mit 16 Jahren das erste Mal in einem Segelflieger gesessen. Seither gehört er den Flugwissenschaftlichen Fachgruppe Göttingen an, die das Fluggelände Weper bei Northeim nutzt, die einstige Ausbildungsstätte der Dessauer Flugzeugwerke Junkers. Dort stehen die beiden Segelflugzeuge des Erfinders. Seit 20 Jahren tüftelt er an Alternativen zu bisherigen Segelflugantrieben. Unterstützung bekommt der Göttinger vom Dasseler Unternehmer Bodo Rengshausen-Fischbach. Dessen Ingenieurbüro Amelsens managt Innovationen.

Von Michael Caspar

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