Schuld sind Mottenlarven

Kastanien werfen schon Blätter ab: Bäume am Auedamm stark befallen

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Kein schöner Anblick: Schon Anfang Juli 2017 sind die Blätter der meisten Kastanienbäume braun geworden, wie hier am Auedamm in Kassel. Schon in etwa vier Wochen könnten die Bäume ihr Laub komplett verlieren, sagt das Umwelt- und Gartenamt.

Kassel. Ist denn schon Herbst? Diese Frage kommt einem dieser Tage, Anfang Juli wohlgemerkt, bei einem Spaziergang am Auedamm in den Sinn: Die Kastanien haben bereits viele Blätter abgeworfen. Die, die noch hängen, sind nicht mehr saftig grün, sondern trocken und rostig braun.

Schuld daran sind die Larven der Miniermotte, die in den Blättern der Rosskastanien heranwachsen und sie zerstören, erklärt Klaus Harbusch vom städtischen Umwelt- und Gartenamt. Die Motte hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland stark ausgebreitet. Die Blätter der weißblühenden Rosskastanie zeigen bereits im Frühsommer gelbliche bis braune, längliche Flecken und sterben bis zum Spätsommer komplett ab.

Dass dieser Vorgang schon Anfang Juli so weit fortgeschritten ist wie derzeit zu beobachten, „das habe ich bisher noch nie erlebt“, sagt Harbusch. Es könne sein, dass die Kastanien dieses Jahr bereits Ende Juli, Anfang August ihr Laub komplett verlieren.

Die Motten selbst sind für den schlechten Zustand der Bäume aber nur teilweise verantwortlich. Nach einem niederschlagsarmen Winter und einem außergewöhnlich trockenen Frühjahr und Frühsommer leiden Kastanien wie auch andere Baumarten unter Trockenstress, erklärt Petra Westphal vom Landesbetrieb Hessen-Forst: Das Wasserversorgungssystem der Gehölze laufe auf Sparflamme, und „je weniger Wasser im Baum ist, desto schlechter funktioniert sein natürliches Abwehrsystem gegen Schädlinge“.

Sehr stark würden derzeit auch Fichten leiden, bei denen gebe es große Probleme mit Borkenkäfer-Fraß. Und in den Kronen der Kastanien habe die Miniermotte derzeit eben besonders leichtes Spiel, ihre Larven von der Lebensenergie der Blätter zu ernähren. Rund 2000 Kastanienbäume gibt es im Stadtgebiet. Gegen die Miniermotte hilft nur, das Laub mit den Puppen ganzjährig aufzukehren und zu verbrennen. Das sei aber besonders am Auedamm schwierig, wo das Laub ständig ins hohe Gras und ins ufernahe Buschwerk geweht werde, sagt Klaus Harbusch vom Umwelt- und Gartenamt. 


Miniermotte auf Rosskastanie spezialisiert

Die Weibchen der Miniermotte legen bis zu 300 Eier auf ein Kastanienblatt ab. Die daraus schlüpfenden Raupen bohren sich in die Blätter, um den Blattzellen Nährstoffe zu entziehen. Die Fraßgänge (Minen) führen zu einer Braunfärbung und zum Welken der Blätter schon im Sommer. Die Raupen verpuppen sich, nach kurzer Zeit schlüpfen die Falter. Dieser Zyklus wiederholt sich drei- bis viermal im Jahr. Die letzten Puppen überwintern im Blatt. 

Die Miniermotte befällt hauptsächlich die Weißblühende Rosskastanie, die vor allem in Parks sowie als Straßenbaum kultiviert wird. Aber auch auf der Roten Rosskastanie wurden schon Eier der Miniermotte gefunden. Dort sterben die jungen Larven jedoch bald ab.

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