Projekt wird zum politischen Thema

Mountainbiken in Kassel: Streit um Downhill-Projekt am Hohen Gras - droht das Aus?

Nur schieben, nicht fahren: Andreas Hoffmann (vorn) und Fabian Fiedler vom PSV.
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Nur schieben, nicht fahren: Andreas Hoffmann (vorn) und Fabian Fiedler vom PSV.

Nach einer eingeschränkten Genehmigung droht dem Downhill-Projekt am Hohen Gras in Kassel nun das Aus. In der Politik wird derweil heiß über das Thema diskutiert.

Kassel – Das Thema Mountainbiken am Hohen Gras hat die Kasseler Stadtverordneten erreicht. Nach der eingeschränkten Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde (UNB) und dem drohenden Aus für das Downhill-Projekt spricht die CDU-Fraktion in einer Pressemitteilung von einem „Genehmigungschaos“.

Dr. Cornelia Janusch, umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, fragt mit Blick auf die vom PSV Grün-Weiß Kassel geplanten Anlage: „Was ist da schiefgelaufen in der UNB?“

Für Boris Mijatovic, Fraktionsvorsitzender der Grünen, wäre das Projekt ein Gewinn für Kassel. Aber es müsse rechtlichen Anforderungen genügen: „Umweltschutz war immer Maßgabe. Wieso einzelne diesen über Bord kippen wollen, ist mir völlig unklar. Zumal 4,2 von 5,5 Kilometer beantragter Strecke genehmigt wurden.“ Mijatovic findet es bedauerlich, dass die Initiatoren keine Zukunft für das Projekt sähen.

Baurat Christof Nolda (Grüne), in dessen Zuständigkeitsbereich die UNB fällt, sagt gegenüber der HNA, dass er das Projekt befürworte. Die erteilte Genehmigung erhalte begründete Auflagen, die die Einhaltung der rechtlichen Grundlagen absichern, heißt es in einer Pressemitteilung seines Dezernats. Rückendeckung bekommt Nolda vom Naturschutzbeirat, der die UNB berät: „Ein Bau dieser Strecken wäre ein klarer Eingriff in die Natur. Laut Naturschutzgesetz gilt aber die Priorität, Eingriffe zu vermeiden. Die UNB hat völlig richtig entschieden“, sagt Wilfried Bonnet, stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbeirates.

Bonnet macht dem PSV den Vorwurf, sich nicht mit naturschutzrechtlichen Aspekten befasst zu haben. Es gehe bei dem Projekt in erster Linie um wirtschaftliche und sportliche Interessen. Das vom PSV in Auftrag gegebene Gutachten des Büros für angewandte Ökologie und Forstplanung (BÖF) sei in weiten Teilen nicht ausreichend. Bonnet betont, dass die UNB nicht dem Magistrat der Stadt unterstehe, sondern eine Landesbehörde sei, die fachlich unabhängig arbeite. Ähnlich argumentiert der Kreisverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Innerhalb der CDU-Fraktion herrscht Irritation: „Wie kann es sein, dass das eine Amt erst Geld für den Bau zur Verfügung stellt und dann die zum Umwelt- und Gartenamt gehörende UNB am Ende Einwände hat?“, fragt der CDU-Stadtverordnete Holger Römer. Es gehe um die sinnvolle Verwendung von städtischem Geld. Die CDU-Fraktion fordert den Magistrat auf, „zeitnah nach Lösungen zu suchen“. Die Grünen setzen dabei auf Kompromissbereitschaft. „Mit dem Finger auf eine Behörde zu zeigen, die schlicht ihre Arbeit macht, hilft uns nicht weiter“, sagt Mijatovic.

Die SPD-Fraktion bietet den Initiatoren Unterstützung an. Janusch fragt: „Wie kam die UNB zu dieser Entscheidung, obwohl sich der PSV mit der Firma BÖF renommierte Fachexpertise dazuholte?“ Vor allem sei die UNB selbst in den Planungsprozess einbezogen gewesen. Die Kasseler Genossen richten einen Appell an die Initiatoren. Er lautet: nicht aufgeben. (Robin Lipke)

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