Im Kaufunger Wald wurden Seile in Kopfhöhe gespannt

Mountainbiker im Habichtswald: Illegale Strecken sorgen für Ärger

Sie wollen nur spielen: Mountainbiker (wie hier an der Hessenschanze) fahren am liebsten über schmale Trampelpfade. Das ist erlaubt, wenn es ausgewiesene Wanderwege sind und und man niemanden gefährdet. Trotzdem gibt es im Habichtswald immer mehr Konflikte. 
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Sie wollen nur spielen: Mountainbiker (wie hier an der Hessenschanze) fahren am liebsten über schmale Trampelpfade. Das ist erlaubt, wenn es ausgewiesene Wanderwege sind und und man niemanden gefährdet. Trotzdem gibt es im Habichtswald immer mehr Konflikte. 

Auch wegen Corona gibt es immer mehr Konflikte mit Mountainbikern im Habichtswald. Vor allem illegale Strecken sorgen für Ärger. Doch nun könnte es eine Lösung geben. 

In den vergangenen Monaten sind im Habichtswald so viele neue Wege entstanden, dass Mountainbiker Thorsten Juraschka schon einen Namen für das Phänomen gefunden hat. „Wir nennen die neuen Routen Corona-Trails“, sagt der Sprecher der Deutschen Mountainbike-Initiative (DIMB) in Kassel.

Wegen des Virus haben viele Hobbysportler den Habichtswald als Ersatz für die lange geschlossenen Fitnessstudios entdeckt. Sie strampeln auf dem Mountainbike oder fahren mit E-Bikes die Berge hoch und runter. „Dieses Jahr gab es einen Bike-Boom“, stellt Juraschka fest.

Die neue Form des Volksradfahrens sorgt jedoch für Konflikte. „Bei uns ist kein Tag vergangen, ohne dass sich Fußgänger über Beinahezusammenstöße beschwert haben“, sagt Matthias Schnücker, Bereichsleiter beim Landesbetrieb Hessen-Forst. Einige fühlten sich offenbar so sehr bedroht, dass sie zu illegalen Methoden griffen, die für Radfahrer lebensgefährliche Folgen haben können. Juraschka berichtet von Nagelfallen auf den Strecken. Im Kaufunger Wald wurden laut Schnücker sogar Schnüre in Kopfhöhe gespannt.

Im Schwarzwald und Taunus kennt man solche Konflikte schon länger. Nun wird auch der Platz im Habichtswald eng. Dabei verhalten sich laut Schnücker „die allermeisten Mountainbiker rücksichtsvoll“. Sie radeln am liebsten über Single-Trails, wie die Sportler schmale Trampelpfade nennen.

Weil die einzige ausgeschilderte Mountainbike-Strecke jedoch größtenteils auf breiten Wegen rund um das Hohe Gras führt, ist sie unattraktiv. Darum werden Trails häufiger befahren. Für Schnücker ist das kein Problem. Laut Waldgesetz können alle befestigten Wege genutzt werden – auch ausgewiesene Wanderwege, solange man niemanden gefährdet.

Mit dem Naturpark Habichtswald hat Schnücker gerade über eine Ausweitung der Routen gesprochen: „Wir wollen weitere Strecken anbieten.“ Die sollen vor allem über Single-Trails führen.

Sorge bereiten dem 52-Jährigen jedoch die Downhiller. Anders als Cross-Country-Fahrer, die hoch und runter fahren, stürzen die sich steile Hänge hinab. Weil es in der Region keine legale Downhill-Strecke gibt, legen die Sportler immer neue Routen an, gern mit Sprungschanzen. Bevorzugtes Revier ist das Gebiet unterhalb des Bergsees Asch. Laut Schnücker führte eine Route direkt über den Panoramaweg oberhalb der Hugo-Preuß-Straße, wo täglich viele Bewohner der nahen Seniorenresidenz Augustinum spazieren gehen. Die Forstarbeiter legen die illegalen Strecken ständig mit Bäumen zu und stellen Schilder auf. Oft sind wenig später die Wege wieder frei. Die Sportler rücken mit Sägen an.

Abhilfe schaffen soll eine legale Downhill-Strecke rund um die Skipiste am Hohen Gras, die unter der Federführung des PSV Grün-Weiß Kassel geplant wird. Schnücker ist zuversichtlich, dass sie trotz naturschutzrechtlicher Bedenken der Behörden realisiert werden kann.

Dafür wird der Ahnegraben bald tabu sein. Das Gebiet in der Nähe der Igelsburg bietet für Mountainbiker eine der attraktivsten Routen. Auch wegen eines Renaturierungsprojektes der Gemeinde Habichtswald sollen demnächst Schilder auf ein Durchfahrtsverbot hinweisen. Für Juraschka wäre das ein Rückschritt: „Der Ahnegraben ist weitbekannt. Auch wegen ihm kommen Mountainbiker selbst aus der Rhön für einen Tag in den Habichtswald.“

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