„Mrs. Rogers, ich bin finished“

Internationale Grundschule: Hälfte des Unterrichts findet auf Englisch statt

Shapes and colors, Formen und Farben: Die englischsprachige Lehrerin Madeline Rogers erklärt den Erstklässlern Paulina Kuchta (von links), Noah Tedla und Jamalia Göttermann die Aufgabe. In der Internationalen Schule finden die Unterrichtsstunden im Wechsel auf Englisch und Deutsch statt. Foto: Koch

Kassel. 11.15 Uhr, jetzt steht Mathe auf dem Stundenplan für die 17 Erstklässler der Internationalen Schule. Als Lehrerin Madeline Rogers den Klassenraum im ersten Stock betritt, tauschen die Kinder als Erstes das schwarz-rot-goldene Fähnchen an der Tafel gegen eine US-amerikanische Flagge.

Eben noch hatten die Kinder Kunstunterricht auf Deutsch. Jetzt wird Englisch gesprochen, wissen sie: It’s English time.

„We are going to do shapes and colors today“, kündigt die 27-jährige Grundschullehrerin an, die aus den USA kommt. „Hmm, was bedeutet das denn?“, sagt sich Henrik und guckt fragend zu seiner Sitznachbarin. Noch haben nicht alle Kinder verstanden, dass es um Formen und Farben gehen soll.

Die Lehrerin projiziert Bilder an die Tafel. „What color is this?“, fragt sie bei einem violetten Farbklecks. Die Finger schnellen hoch. „Lila“, antwortet Max. Damit gibt sich die Lehrerin aber noch nicht zufrieden, sie möchte das englische Wort. „Purple“, ruft schon jemand aus einer anderen Ecke des Klassenzimmers herein.

Als Nächstes kommt ein dunkles Rot. „Brown“, sagt ein Schüler, der einen Braunton zu erkennen meint. „Nein, das ist doch Red“, korrigiert ihn eine Klassenkameradin. Was die Kinder auf Englisch noch nicht können, füllen sie einfach mit Deutsch auf.

Deutsch und Englisch im Mix

„What shape is this?“, lautet die Frage bei den gezeigten Quadraten, Dreiecken und Rechtecken. Gemeinsam sammelt und übt die Klasse die englischen Begriffe für die Formen. Wer es weiß, bekommt ein lobendes „super“ oder „very good“ von der Lehrerin. Nächste Aufgabe: Rogers erklärt auf Englisch und macht an einem Blatt Papier vor, was zu tun ist. Jedes Kind soll das Blatt so falten, dass darauf – wieder ausgebreitet – acht kleine Rechtecke zu sehen sind. Sie werden nummeriert und dann bemalt. „First square: three triangles“, lautet jetzt die Anweisung. Die ersten Kinder malen Dreiecke. Julius ruft laut: „Finished!“ und zeigt der Lehrerin stolz seine drei Dreiecke. Andere Kinder haben nur ein Dreieck gemalt und ergänzen eifrig, als sie verstehen, worum es geht. „I want you to color them in red“, sagt Rogers. Julius greift zum blauen Stift. „Nein, du musst die rot ausmalen“, korrigiert ihn Alina.

Die Lehrerin lässt solche deutschen Erklärungen untereinander zu, spricht selbst aber kein Wort Deutsch. Am Anfang müsse man viel mit Körpersprache und Zeigen arbeiten, erklärt die US-Amerikanerin. Bei „five hearts“ zeigt sie erst fünf Finger und zeichnet dann ein Herz in der Luft. Als sie am Morgen mit den Kindern in der Englischstunde Verben durchgenommen hat, macht sie bei „running“ eine Laufbewegung bei „skiing“ wedelt sie wie auf der Piste vor der Klasse herum.

Noch vermischen die Kinder Deutsch und English, erklärt die junge Frau aus Colorado, die mit ihrem deutschen Mann nach Kassel gezogen ist und die neue Sprache erst lernt. Bald wird sie in ihren Schulstunden keine deutschen Wörter mehr von den Kindern aufschnappen. Die können dann nämlich alle Englisch.

Von Katja Rudolph

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