Uni Kassel tritt mit Roboter-Fußball-Team bei den „Dutch Open“ an

Kassel. Mücke rollt sich frei, spielt einen schnellen Pass auf Scotti, der umspielt Haary und passt auf Nase, Nase schießt, Tor! So würde es sich anhören, wenn jemand das Spiel des Roboter-Fußball-Teams der Uni Kassel kommentieren würde.

Dabei spielen autonome Roboter nach fast den gleichen Regeln wie die Kicker aus Fleisch und Blut. Vom 26. bis 29. April spielen die Kasseler als einziges deutsches Team auf der „Dutch Open“ im niederländischen Eindhoven.

Roboter-Team im Netz: http://carpenoctem.das-lab.net

Es sind 15 ausschließlich männliche Studenten aus dem Fachbereich Elektrotechnik-Informatik, die das Kasseler Team „Carpe Noctem“ („Nutze die Nacht“) coachen. Im Sinne ihres Mannschaftsnamens sind die Spieler in Anlehnung an Fledermausarten benannt. Solange Menschen die Roboter programmieren, sind die Technikwunder fehlbar: Alles andere wäre für ein Fußballspiel unter Robotern auch langweilig – es bliebe torlos.

Gegründet wurde das Team 2005. Bis die mittlerweile zehn selbst entwickelten Roboter einsatzbereit waren, mussten die Studenten – wie bei echten Fußballern – viel Zeit und Sponsoren-Geld investieren: „Etwa 15.000 Euro kostet die Technik für ein Exemplar – die vielen Stunden für den Bau und die Programmierung nicht mitgerechnet“, sagt Doktorand Dominik Kirchner. Es sei allein die Technikerleistung, die über Sieg und Niederlage entscheidet. Begrenzt ist das technisch Mögliche durch Größen- und Gewichtsvorgaben.

Etwa ein Jahr dauert es, bis ein Roboter so weit ist, dass er sich mit einer 360-Grad-Kamera auf dem Feld orientieren, dort Entscheidungen treffen und mit den anderen Spielern kommunizieren kann. Zudem muss er mit Taktiken gefüttert werden.

Bei Tunieren stehen sich auf einem 12 mal 18 Meter großen Feld je vier Feldspieler und ein Torwart gegenüber. Gespielt wird zweimal 15 Minuten. Während des Spiels dürfen die Studenten nicht eingreifen – außer einer ihrer bis zu 20 km / h rollenden Spieler wird gefoult, sprich gerammt, und muss ausgetauscht werden. Zwar gibt es keine Blut-, dafür aber die Platinengrätsche.

Den Job des Schiedsrichters übernimmt ein Mensch. Mit einem Laptop werden die Entscheidungen des Unparteiischen an die Spieler weitergegeben. „Nur in der Halbzeitpause können wir neue Taktiken aktivieren, etwa eine defensivere Aufstellung“, sagt Kirchner.

Bei der „Dutch Open“ tritt die Uni Kassel gegen sieben internationale Universitäten an. Zu den Favoriten zählt Japan. Die beste Platzierung errang „Carpe Noctem“ bei der Weltmeisterschaft 2009, als das Team Fünfter von 15 Teilnehmern wurde. Neben dem Spaß sollen die Studenten beim Roboter-Fußball vor allem etwas lernen. Sie wenden Theorien aus dem Maschinenbau, der Mechatronik, Elektrotechnik und Informatik an.

Trotz aller Technologie geht es den Robotern bei einer Sache wie vielen Fußball-Laien: Sie beherrschen die Abseitsregel nicht. 

Rubriklistenbild: © Ludwig

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