Müller beriet Regenten Europas

Ludwig I. spendete Universalhistoriker Grabmal auf Kassels Lutherplatz

Das vom bayerischen König 1852 gestiftete Grabmal für Johannes von Müller auf dem Lutherplatz. Es entstand nach einem Entwurf von Friedrich Brugger und Leo von Klenze. Foto: Koch

Kassel. Als Johannes von Müller am 29. Mai 1809 in Kassel starb, gehörte er zu den Geistesgrößen seiner Zeit. Heute ist sein Name fast unbekannt. Dabei waren es die großen Staatsmänner Europas, die seinen Rat und seine Dienste schätzten. Ihm wird nachgesagt, er habe den Begriff Bundesrepublik in die deutsche Sprache eingeführt.

Sein Grabmal befindet sich auf dem Kasseler Lutherplatz.

Teile des prächtigen Monuments waren 2009 aus Anlass seines 200. Todestag und auf Initiative des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde weitgehend rekonstruiert wieder aufgestellt worden. Zuvor hatte der Grabstein jahrzehntelang in einer Ecke des Hauptfriedhofes gestanden.

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Die einstige Pracht des Grabmals rührt auch daher, dass der Urheber und Stifter kein Geringerer war als der Bayernkönig Ludwig I. Er war ein großer Bewunderer des Schweizers Johannes von Müller. 1852 hatte er das Grabmal nach einem Entwurf von Friedrich Brugger und Leo von Klenze gestifet.

Der Schweizer Johannes von Müller, Geschichtsschreiber, Theologe, Publizist und Staatsmann, ist am 3. Januar 1752 in Schaffhausen geboren. Der gelehrte Mann stand Zeit seines Lebens im geistigen Austausch mit den Großen seiner Zeit: von Voltaire über Goethe, von Herder bis Lessing.

Nach Deutschland hatte ihn Friedrich der Große eingeladen, der ihn im Winter 1780/81 in Berlin empfing. Danach ging von Müller nach Kassel, wo er 1781–82 als Professor der Geschichte und Statistik am Collegium Carolinum lehrte. Im November 1782 wurde er hier Bibliothekar. In Kassel war Müller kurz Mitglied des Illuminatenordens, andererseits stand er dort , wie seine Freunde Georg Forster und Samuel Thomas Sömmering, dem Rosenkreuzerorden nahe.

Von Leopold II. wurde er 1791 als Edler von Müller zu Sylvelden in den Adelsstand erhoben. Müllers Karriere führte ihn kreuz und quer durch Europa. Kurz bevor die Mainzer Republik etabliert wurde, berief ihn Kaiser Franz II. 1792 nach Wien, wo er als Diplomat an der Geheimen Hof- und Staatskanzlei und ab 1800 als Kustos an der Hofbibliothek wirkte.

Auf Veranlassung Napoleons kam Müller schließlich nach Kassel zurück und wurde 1807 Staatsminister im Königreich Westphalen unter König Jérôme.

Weil Müller unter anderem Anreger der Walhalla bei Regensburg war, zählt König Ludwig I. von Bayern zu seinen Bewunderern.

Als patriotischer Nationalgeschichtsschreiber wie auch als Universalhistoriker wirkte von Müller als Förderer und Vorbild auf die schweizerische und deutsche Geschichtsschreibung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Sein Werk gilt als „Beispiel politisch aufgeladener Geschichtsschreibung im Übergang von der Aufklärungshistorie zum Historismus“.

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Johann Wolfgang von Goethe schrieb ihm zum Nachruf: „Unser abgeschiedener Freund war eine von den seltsamsten Individualitäten, die ich gekannt habe. Er ist eine Natur, dergleichen auch nicht wieder zum Vorschein kommen wird.“

Friedrich Schiller verneigte sich vor Müller, in dem er ihn im letzten Akt seines Wilhelm Tell namentlich erwähnt, wo er ihn als „glaubenwerthen Mann“ beschreibt. (chr)

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