Stadt will Dittershäuser Straße verbreitern

Müllverkehr zum Recyclinghof in Niederzwehren ärgert Anwohner

Er ärgert sich über den vielen Verkehr auf der Dittershäuser Straße: Niklas Borbely hat Angst um seinen Sohn Ben, wenn dieser draußen spielt. Er sagt, dass das Gros der Fahrzeuge, die zum Recyclinghof in Niederzwehren fahren, viel zu schnell unterwegs sind.
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Er ärgert sich über den vielen Verkehr auf der Dittershäuser Straße: Niklas Borbely hat Angst um seinen Sohn Ben, wenn dieser draußen spielt. Er sagt, dass das Gros der Fahrzeuge, die zum Recyclinghof in Niederzwehren fahren, viel zu schnell unterwegs sind.

Niederzwehren – Niklas Borbely hat Angst, dass seinem achtjährigen Sohn Ben und den anderen Kindern, die in Nähe der Dittershäuser Straße in Niederzwehren leben, etwas passiert, wenn sie draußen spielen.

Grund für seine Sorge sind die zahlreichen Fahrzeuge, die Tag für Tag zum Recyclinghof der Stadtreiniger im Langen Feld fahren. Das Gros der Fahrer würde sich nicht an das Tempolimit von 30 km/h, das hier gilt, halten, sagt der 41-jährige Borbely. Von seinem Balkon aus beobachte er immer wieder, dass die Fahrzeuge, viele haben einen Anhänger, mit überhöhter Geschwindigkeit zum Recyclinghof fahren. Der Mechatroniker schätzt, dass einzelne Fahrer mit bis zu 70 km/h unterwegs sind. So schnell seien auch einige Lkw, die ihren Müll zu den Stadtreinigern bringen würden.

Diese Erfahrung macht auch Stefan Bürger, der seine Schreinerei an der Dittershäuser Straße hat. „Es ist eine Katastrophe. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass etwas passiert“, sagt der Schreiner. Er macht sich große Sorgen, dass den Kindern und Schülern, die auf dem Bürgersteig zum Gelände der TSG Niederzwehren unterwegs sind, etwas geschieht. Grund dafür ist die Verengung der Dittershäuser Straße in diesem Bereich. Eigentlich soll diese Verengung zur Beruhigung des Verkehrs beitragen. Die Fahrer, die von unten kommen und auf dem Weg zum Recyclinghof sind, haben eigentlich Vorfahrt. Die von oben kommen, müssen warten, bis die Straße wieder frei ist. Doch an diese Regel würden sich die meisten nicht halten. Stattdessen würden sie mit ihren Fahrzeugen über den Gehweg fahren, darunter auch 20-Tonner. Der Bordstein sei deshalb schon kaputt, sagt Bürger.

Hier will die Stadt Abhilfe schaffen. Die Engstelle in der Zufahrt hinter dem Sportplatz der Bereitschaftspolizei soll so weit verbreitert werden, dass sich Fahrzeuge begegnen können, teilt Stadtsprecher Michael Schwab auf Anfrage mit. An einer Planung dafür werde derzeit gearbeitet. Anlieger Bürger hat das Gefühl, dass der Verkehr zum Recyclinghof in der Corona-Zeit zugenommen hat, weil alle Menschen plötzlich Zeit gehabt hätten, ihren Keller zu entrümpeln. Besonders viele Fahrzeuge kämen am Freitagnachmittag und am Samstagvormittag.

Weder beim Ordnungsamt noch bei der Straßenverkehrsbehörde würden wegen eines erhöhten Verkehrsaufkommens oder Geschwindigkeitsüberschreitungen in dem beschriebenen Abschnitt Beschwerden vorliegen, entgegnet der Stadtsprecher. Die Anlieger Borbely und Bürger fragen sich, warum die Stadt Kassel den Verkehr zum Recyclinghof nicht über die Autobahnzufahrt, die extra zur Anbindung des Gewerbegebiets Langes Feld gebaut worden ist, leitet. „Es wäre eine einfache Sache gewesen, die die Lage entspannt hätte“, sagt Bürger. Zumindest hätte man die Dittershäuser Straße in diesem Bereich zur Einbahnstraße erklären können, sodass sich die Fahrzeuge nicht mehr begegnen.

Diesen Wunsch habe es auch im Ortsbeirat gegeben, als der Zubringer gebaut wurde, sagt Ortsvorsteher Harald Böttger. Diese Variante sei allerdings von der Stadt abgelehnt worden.

Die Anbindung des Recyclinghofes über den Gewerbepark Niederzwehren wäre mit Straßenbaumaßnahmen grundsätzlich denkbar, so der Stadtsprecher. Dafür wäre der Neubau eines Straßenabschnitts erforderlich, mit dem der Höhenversatz überwunden werden könne und der für Schwerverkehr geeignet sei.

Dies wurde jedoch bei Aufstellung des Bebauungsplans „Langes Feld“ zur Erschließung des entsprechenden Gewerbegebietes nicht vorgesehen.

270 Fahrzeuge pro Tag

Nach Angaben von Peter Schaumburg, stellvertretender Leiter der Stadtreiniger, ist eine Zunahme von Kunden im Recyclinghof in Niederzwehren nicht zu verzeichnen. In den vergangenen fünf Jahren seien zum Recyclinghof im Schnitt 82 400 Fahrzeuge gekommen. 2020 seien 77 200 gezählt worden und im ersten Halbjahr 2021 seien 36 800 Fahrzeuge von den Mitarbeitern auf einer Strichliste erfasst worden. Das seien im Schnitt 270 Kunden pro Tag. (use)

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