Konflikte bei Ermittlungen

NSU-Prozess: Kasseler Polizist berichtete von Spannungen mit Verfassungsschutz

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Gesenkter Blick: Die Angeklagte Beate Zschäpe (Mitte) am Mittwoch beim Betreten des Gerichtssaals im Oberlandesgericht in München.

München/Kassel. Kriminalhauptkommissar Helmut Wetzel, Leiter des Kasseler Kommissariats 11, hat am Mittwoch als Zeuge im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München über Konflikte zwischen Verfassungsschutz und Polizei berichtet.

Wetzel leitete die Mordkommission, die den Mord an Halit Yozgat, dem Betreiber eines Internetcafés an der Holländischen Straße in Kassel im April 2006 untersuchte. Als einer der Verdächtigen galt vorübergehend Andreas T., ein Beamter des hessischen Verfassungsschutzes. Er hatte sich um die Tatzeit herum in dem Café aufgehalten.

Vernehmung untersagt

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Bei den Ermittlungen sei den Beamten aufgefallen, dass der verdächtige Beamte T. in zeitlicher Nähe der Tat mit Informanten telefoniert habe, die er als V-Mann-Führer betreute. Die Kripo habe darum gebeten, diese V-Leute vernehmen zu dürfen, sagte Wetzel vor Gericht. Dies habe der Geheimdienst aber nicht gewollt. Zur Begründung habe es geheißen, eine polizeiliche Vernehmung könne „den Verlust der Quelle“ zur Folge haben, was „das größtmögliche Unglück für den Verfassungsschutz sei“. Schließlich habe das hessische Innenministerium die Vernehmungen untersagt.

Der Mord in Kassel war der neunte und letzte der Serie gegen Gewerbetreibende mit türkischen oder griechischen Wurzeln, die dem rechtsextremen „Nationalsozialistische Untergrund“ um die Hauptangeklagte Beate Zschäpe zugeschrieben wird. Dabei verwendeten die Täter nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft immer dieselbe Tatwaffe vom Typ „Ceska“. Ein Jahr später sollen sie außerdem die Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn ermordet haben. (dpa/use)

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