Aktuelle Mahnungen

Gedenken der Pogromnacht: „Müssen wachsam sein“

Erinnerung an die Pogromnacht in Kassel: Auf dem alten jüdischen Friedhof in Bettenhausen wurden gestern Kränze der Stadt und der jüdischen Gemeinde (getragen von Oleg Ostrovsky, Rostyslav Grebnev, im Vordergrund von links) abgelegt. Foto:  Malmus

Kassel. 76 Jahre nach der Zerstörung der Kasseler Synagoge während der Pogromnacht und damit des Beginns der systematischen Verfolgung und Ermordung der Juden Europas durch das Nazi-Regime gab es gestern mehrere Gedenkveranstaltungen in Kassel.

An den „schrecklichsten Teil der deutschen Geschichte“ (Dechant Harald Fischer) erinnerten Vertreter der jüdischen Gemeinde, der Stadt, der Region und der Kirchen während einer Kranzniederlegung auf dem alten jüdischen Friedhof in Bettenhausen. Fassungslos blicke man auf das Geschehen damals in Kassel zurück, sagte Bürgermeister Jürgen Kaiser. „Es war zuallererst ein Angriff auf die jüdische Religion, denn die Synagogen brannten. Es war ebenso ein Angriff auf jüdische Menschen und ihre Existenz“, sagte Esther Haß vom Vorstand der jüdischen Gemeinde. Sie erinnerte daran, dass damit der Massenmord an jüdischen Kindern, Jugendlichen, Eltern und Großeltern begann.

Er sei dankbar für die vielen überlieferten Biografien, die die einzelnen Schicksale dem Vergessen entreißen, sagte Dechant Harald Fischer. „Nie wieder“ und „Wehret den Anfängen“ habe man seit dem Ende des Nazi-Regimes ungezählte Male gehört, sagte Esther Haß. Sie mahnte, wie aktuell diese Aufforderungen heute seien. Denn vor allem in den vergangenen beiden Jahren hätten Hetze und Diffamierung von Juden wieder zugenommen, in diesem Jahr verschärft durch die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hamas in Gaza. „Der Bodensatz von 25 Prozent Antisemitismus in der Bevölkerung ist weiterhin vorhanden“, sagt Haß.

„Wo immer antisemitische Stimmen laut werden, werden wir entschieden Position ergreifen“, versicherte Fischer im Namen der Kirchen. „Wir müssen wachsam und bereit zu handeln sein“, unterstrich auch Kaiser. Drohungen gegen Juden etwa bei Demonstrationen werde man nicht dulden.

Am Platz der ehemaligen Synagoge an der Unteren Königsstraße erinnerten die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten sowie das Kasseler Friedensforum an die Verbrechen, die mit den Pogromen begannen, und setzten ein Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und Neofaschismus. (hei)

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