Spende für Klinikum in Kassel

Rentnerin strickt 150 Mützen und schenkt sie dem Klinikum

In allen Variationen: Eva Noras (rechts) aus Sandershausen hat 150 Mützen gestrickt und sie dem Klinikum gespendet. Darüber freut sich Inge Bachmann, Pflegefachleitung der Frühchen-Station. Beide stehen vor dem Haupteingang des Klinikums.
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In allen Variationen: Eva Noras (rechts) aus Sandershausen hat 150 Mützen gestrickt und sie dem Klinikum gespendet. Darüber freut sich Inge Bachmann, Pflegefachleitung der Frühchen-Station.

Eva Noras (68) aus Sandershausen hat 150 Mützen gestrickt. Die Rentnerin spendet die Kopfbedeckungen der Frühchen-Station im Klinikum in Kassel.

Kassel – Niedlich sehen sie aus, kuschelig sind sie obendrein und in mehreren Farbvariationen vorhanden – Eva Noras aus Sandershausen hat ganze Arbeit geleistet, oder besser: Handarbeit. 150 winzige Mützen hat sie gestrickt, zum Teil mit passenden Socken dazu. Das Ganze spendet sie der Frühchen-Station im Kasseler Klinikum. Keine große Sache, sagt die Rentnerin: „Beim Stricken kann ich wunderbar entspannen.“ Und für einen guten Zweck mache die Handarbeit gleich doppelt Spaß.

Auf der Frühchen-Station, der Neonatologie, kommt das Geschenk prima an. Etwa 600 Kinder werden dort im Jahr behandelt, berichtet Inge Bachmann, die Pflegefachleitung. Darunter seien 60 bis 80 kritische Fälle, deren Gewicht bei der Geburt nicht mal 1500 Gramm beträgt. Nur zum Vergleich: Zum errechneten Zeitpunkt geborene Babys wiegen um die 3500 Gramm. Bachmann erklärt, dass diejenigen als Frühchen bezeichnet werden, die vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen.

Auf der Station, die Platz für 31 Kinder bietet, gibt es zwei Bereiche. Im Intensivbereich stünden mehr Mitarbeiter für die Frühchen zur Verfügung. Im Teil der Überwachung seien die Babys schon etwas stabiler, sagt Bachmann. Dort würden die Eltern mehr eingebunden.

Liebevoll bezeichnet Bachmann die Frühchen als „großartige kleine Kämpfer“. Ein wichtiger Faktor nach der Geburt sei der Wärmeverlust, den es zu verhindern gilt. Und an dieser Stelle kommen Eva Noras Mützchen ins Spiel. Dabei gehe es nicht nur um den rein physikalischen Effekt. Frühgeburten, sagt Bachmann, hätten immer eine dramatische Note, seien psychisch belastend. Für die Versorgung eines Frühchens sind bei der Geburt allein sechs Mitarbeiter im Einsatz. Liebevoll gestaltete Mützen erzeugten auch beim Personal ein besseres Gefühl.

Bei den Eltern erst recht. Für die breche oft eine Welt zusammen, wenn sie erfahren, dass ihr Kind zu früh zur Welt kommt. Die Babys seien extrem klein, hingen an Kabeln und Schläuchen, ein buntes Mützchen lenke von all den medizinischen Geräten ab, sagt Bachmann, die davon überzeugt ist, dass „die Herzenswärme, die schon durch die Stricknadel ging, bei den Eltern ankommt“.

Das hört Eva Noras gern. „Für die Kleinsten der Kleinen, damit ihre Körperwärme nicht über den Kopf entweicht“, hat die 68-Jährige auf eine Karte geschrieben und dem Berg aus Mützchen beigelegt. Durch einen HNA-Artikel, der von dem Projekt „Wir stehen zusammen“ handelte, sei sie zu Beginn der Coronazeit auf die Idee gekommen. Die Sandershäuserin wollte etwas tun.

Im Internet hat sie sich schlaugemacht, das Muster gefunden, brauchbares Garn besorgt, das bei 40 oder 60 Grad gewaschen werden kann – und schon ging es los. Seit März 2020 griff Noras regelmäßig zur Stricknadel. Manchmal schaffte sie eine Mütze am Tag, mal auch zwei, wie es die Zeit erlaubte. Am Ende entstanden 150 Exemplare, in die Köpfchen mit der Größe eines Apfels oder einer Apfelsine hineinpassen. Selbstverständlich werden die Mützen vor Gebrauch erst noch gewaschen.

Der Bedarf dafür sei da, sagt Bachmann, die sich herzlich bei der Spenderin bedankt. Noras winkt fast schon ab. Weil sie selbst keine Großmutter ist, könne sie sich so ein bisschen als Oma austoben, sagt sie. Und das nächste Mützchen-Projekt sei schon in Planung. (Robin Lipke)

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