Probleme mit illegaler Prostitution im Viertel

Trinkerszene an der Gießbergstraße: Mit mulmigem Gefühl zur Schule

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Hier wollen sie sich nicht sonnen: Die Martin-Luther-King-Schülerinnen Christine Siebert, Janine Biessler, Julia Zindl und Tamara Petschel (von links) ärgern sich über den Müll neben ihrer Schule.

Kassel. Viele Schüler an der Martin-Luther-King- und der Paul-Julius-von-Reuter-Schule sind verunsichert. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen hat sich ein Teil der Trinkerszene vom Lutherplatz vor die Berufsschulen verlagert. Zum anderen gibt es Probleme mit illegaler Prostitution im Schulviertel.

Tamara Petschel, stellvertretende Schulsprecherin der Martin-Luther-King-Schule, kennt die Sorgen ihrer Mitschüler: Viele seien verunsichert, wenn sie das Schulgelände verlassen.

Für das „ungute Gefühl“, wie es die Schülerin nennt, sind 10 bis 20 Alkoholiker verantwortlich, die sich einen von Schülern gestalteten Platz an der Ecke Schillerstraße/ Giesbergstraße als neuen Treffpunkt ausgeguckt haben.

Neuer Treffpunkt: Andreas Müller und andere aus der Trinkerszene kommen regelmäßig am Platz an der Ecke Schillerstraße/ Gießbergstraße zusammen.

Dort sind sie Heinz Franzbach, Schulleiter der Martin-Luther-King-Schule und seinem Amtskollegen Karl- Friedrich Bätz von der Paul-Julius-von-Reuter-Schule nicht willkommen. Sie urinierten an die Schulgebäude, verschmutzen die Schultoiletten, störten durch laute Gespräche den Unterricht und hinterließen ihren Müll. Die Schulleiter räumen aber auch ein, dass sich die Lage seit drei Wochen verbessert habe, nachdem das Ordnungsamt das Gespräch mit der Trinkerszene gesucht habe. „Seitdem sitzen sie nicht mehr auf dem Platz, sondern davor“, sagt Franzbach. Auch kann er sich nicht erinnern, dass es im Zusammenhang mit den Alkoholikern schon zu Straftaten gekommen ist. „Aber das Bedrohungsgefühl ist nicht hinnehmbar. Die Schüler müssen ohne Angst die Schule besuchen können“, sagt Franzbach.

Die Schulleiter begrüßen den von der Stadt angekündigten Trinkraum ebenso, wie die Forderung des Ortsbeirates Nord-Holland nach einem Alkoholverbot für den Platz vor der Schule. „Das Problem würde sich dadurch nur verlagern - aber dieser Platz ist ein schützenswerter Raum“, sagt Ortsvorsteherin Monika Sprafke.

Video mit Stellungnahme beider Schulleiter

Weil der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit grundsätzlich erlaubt ist, hat das Ordnungsamt nur dann eine Handhabe, wenn es ein entsprechendes Verbot gibt. Lange Zeit war die rechtliche Situation auf dem Platz aber umstritten. Bis zum Jahr 2009, als er mit europäischem Fördergeld umgestaltet wurde, gehörte er zum Schulgelände – seitem ist er öffentlich und damit kann die Schule von ihrem Hausrecht keinen Gebrauch machen.

Dass viele der insgesamt 4300 Schüler, die teilweise bis 21.30 Uhr unterrichtet werden, sich abends nur in Gruppen auf den Heimweg machen, hat noch einen anderen Grund. In den angrenzenden Straße tummelt sich der illegale Straßenstrich. Freier belästigten immer wieder Schülerinnen. „Mancher von denen will den Unterschied zwischen Schülerin und Prostituierter wohl nicht sehen“, sagt Ortsvorsteherin Sprafke.

Von Bastian Ludwig

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