Naturkundemuseum: Geheimnisvolles Exponat aus Ägypten ist möglicherweise älter als angenommen: 3500 Jahre

Wie alt ist Mumie III 32 a?

War er eine hochrangige Persönlichkeit?: Diese ägyptische Mumie in der aktuellen Sonderausstellung im Naturkundemuseum gibt eine Menge Rätsel auf und reizt Experten - hier Museumsleiter Kai Füldner - zu Nachforschungen. Fotos: Herzog

Kassel. Noch umgibt sie ein Geheimnis: In dämmeriges Licht getaucht liegt die ägyptische Mumie in ihrer ganzen Länge von 1,70 Metern ausgestreckt vor dem Betrachter. Die Hände entspannt, die Arme über der Brust gekreuzt. Scharf zeichnet sich ihr Profil ab. Es strahlt Würde aus.

Mund und Augen des Mannes, der im Alter zwischen 30 und 50 Jahren gestorben sein muss, wurden von den Zeitgenossen so präpariert, dass sie geöffnet sind.

Experten staunen

In der Ausstellung „Mumien - Körper für die Ewigkeit“ im Naturkundemuseum hat die Mumie statt eines Namens eine Nummer: III 32 a. Ihr Alter ist mit 500 - 600 Jahre v. Chr. angegeben.

Dieses unvorstellbare Alter muss jetzt vielleicht nach oben korrigiert werden. Experten vermuten: Das in Kassel gezeigte Exemplar, das sich seit 1840 im Besitz des Baseler Museums der Kulturen und Naturhistorisches Museum befindet und die Schweiz seitdem nicht verlassen hat, könnte 500 oder sogar tausend Jahre älter sein als angenommen.

„Die bisher angewandten Methoden zur Altersbestimmung von Mumien sind manchmal fehlerhaft“, sagt der Leiter des Kasseler Naturkundemuseums, Dr. Kai Füldner, zur Erklärung.

Der Schweizer Mediziner Dr. Frank Rühli, einer der führenden Mumienforscher der Welt und Leiter des Swiss-Mummy-Projekts, war kürzlich in Kassel, um das Ausstellungsobjekt III 32 a erstmals in Augenschein zu nehmen. Er hat gestaunt: Die Mumie bot für ihn alle Anzeichen dafür, dass es sich um eine „sehr hochgestellte“ Persönlichkeit handelt“, eventuell ebenbürtig mit der in der Ausstellung benachbarten Mumie des Imhotep, Wesir des Pharao Thutmosis I.

Imhotep galt bislang als die Attraktion im Ottoneum: als die einzige in Europa befindliche Mumie aus der Glanzzeit Ägyptens, dem Neuen Reich um 1500 v. Chr. Sie war 1903 ausgegraben worden und befindet sich heute in italienischem Besitz.

Rühlis Meinung hat Gewicht. Der 39-jährige Privatdozent an der Medizinischen Fakultät der Uni Zürich verfügt über große Erfahrungen: Er hat die beiden berühmtesten Mumien der Welt untersucht: den ägyptischen Pharao Tutanchamun und Ötzi aus dem Gletschereis. Das Alter der Mumie III 32 a, die in Zusammenarbeit mit dem „German Mummy-Projekt“ Mannheim unter Leitung von Dr. Wilfried Rosendahl ausgestellt wird, könnte laut Rühli „durchaus höher sein“.

„Es ist erstaunlich, dass einige Mumien nach Jahrtausenden einen Teil ihrer Geschichte zurückbekommen.“

Kai Füldner, Museumsdirektor

Ein anderer auswärtiger Experte, sagte gegenüber der HNA: „Es hat mich durchfahren, als ich die Mumie in Kassel sah. Die gekreuzten Arme, die Seitenwunde, aus der die Organe entnommen wurden - viele Details deuten auf eine hohe Persönlichkeit hin.“

Um weitere Hinweise zu bekommen, wäre eine DNA-Analyse ein möglicher nächster Schritt. Gegenüber der HNA sagte Rühli, dass er demnächst nach Kassel zurückkehren und die Mumie genauer untersuchen will.

Auch Wilfried Rosendahl hat angekündigt, seine Forschungsergebnisse zur Mumie III 32 im März bekanntzugeben.

„Die meisten ägyptischen Mumien sind im 19. Jahrhundert aus unbekannter Herkunft nach Europa gekommen“, sagt Füldner: „Es ist erstaunlich, dass einige Mumien nach Jahrtausenden einen Teil ihrer Geschichte zurückbekommen.“

Von Christina Hein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.