Architekt Jens Richter arbeitet in Madrid

Munch-Museum in Oslo wird eröffnet: Architekt aus Kassel hat es gebaut

Im neuen Museum: der Architekt Jens Richter.
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Im neuen Munch-Museum: der Architekt Jens Richter.

Das neue Munch-Museum wird die Skyline von Oslo prägen. Hinter dem besonderen Gebäude steckt Jens Richter aus Kassel.

Kassel – Dass am Freitag das neue Munch-Museum in Oslo seine Türen öffnen kann, ist einem Kasseler zu verdanken: Der Architekt Jens Richter (44) kommt aus Kassel. Richter hat das Bauprojekt geleitet. Er ist Mitinhaber des spanischen Planungsbüros Estudio Herreros, das hinter dem Entwurf des 13-geschossigen Gebäudes steht.

Als Jens Richter das erste Mal die Bilder Edvard Munchs an den Wänden des neuen Museums hängen sah, musste er sich erst mal setzen und tief durchatmen. 13 Jahre lang hat der Neubau des Munch-Museums in Oslo den aus Kassel stammenden Architekten beschäftigt – von der ersten Idee bis zur Fertigstellung. Das spanische Büro Estudio Herreros, das Jens Richter zusammen mit Juan Herreros führt, hat Planung und Bau des spektakulären 13-geschossige Gebäudes verantwortet. Am 22. Oktober wird das Museum feierlich eröffnet.

Architekt Jens Richter aus Kassel entwirft neues Munch-Museum in Oslo

Bei seinem ersten Rundgang durch das fertig eingerichtete Museum war der Kasseler vor allem davon begeistert, wie selbstverständlich er aus der Rolle des Planers in die des Besuchers rutschte: „Ich habe nicht mehr Boden, Wand und Decke gesehen, sondern die Kunst von Edvard Munch“, sagt der 44-Jährige im Gespräch mit der HNA. Schon immer an Kunst interessiert, sei er in den Jahren der Beschäftigung mit dem norwegischen Maler ein noch größerer Munch-Fan geworden. Dessen Werk komme in der neuen Umgebung hervorragend zur Geltung, findet der Planer: „Das Gebäude tritt wunderbar zurück in den Ausstellungsräumen.“

Gleichwohl steht in diesen Tagen auch der geradezu monumentale Bau im Kulturviertel am Fjord von Oslo im Mittelpunkt. Mit dem markanten Knick in der Fassade hat sich das sprachliche Bild verbunden, dass das Gebäude sich vor der Stadt und ihrem prominenten Künstler verneige. Vom „vertikalen Museum“ sprechen die Planer aus Madrid und bieten, indem sie die Ausstellungsräume übereinander anordneten, in jeder Etage neue Ausblicke auf die norwegische Hauptstadt und das sie umgebende Wasser. Das bereits geöffnete Restaurant samt Dachterrasse in der oberen Etage ist derzeit einer der angesagtesten Treffpunkte in der Metropole.

Kassel: Architektur von Jens Richter stößt auf große Resonanz

Das Interesse auch an der Architektur freue ihn sehr, sagt Jens Richter, der in Harleshausen aufgewachsen ist und an der Universität Kassel studiert hat. Auch in den deutschen Medien ist die Resonanz auf das neue Museum groß. Neben den klassischen großen Zeitungen fragte jüngst auch die „Bunte“ bei Richter an. Ob er damit in die Liga der Stararchitekten aufgestiegen sei? Der 44-Jährige lacht: „Ich verstehe das nicht als Ego-Trip.“

Ein Gebäude verneigt sich: Der Neubau des Munch-Museums gibt der Osloer Skyline im Wortsinn einen neuen Höhepunkt.

Gleichwohl habe Munch das Büro, für das er seit 15 Jahren arbeitet, in eine neue Liga katapultiert. Man habe zwar durchaus schon größere Projekte umgesetzt, Oslo sei aber das mit der größten Strahlkraft. „Das ist schon eine schöne Visitenkarte für uns“, sagt der Architekt, der meist im Wir spricht, wenn er von seiner Arbeit erzählt. „Bei so einem komplexen Projekt sind wir nur ein Rad im System“, sagt der 44-Jährige: Museumsleitung, Fachplaner, Baufirmen und Arbeiter – alle trügen ihren Teil dazu bei, dass ein Gebäude so werde, wie man es erdacht habe.

Kasseler Architekt Jens Richter: „Da weiß man, wofür man das alles gemacht hat“

Und so ist es bei „Munch“ – wie sich das Museum in Kurzform nennt – geschehen. Der Moment des Loslassens, wenn ein Gebäude seiner Bestimmung übergeben werde, sei für ihn immer ein besonders schöner, sagt Jens Richter. So freue er sich am meisten darauf, wenn ab morgen die Menschen das Museum entdecken und mit Leben füllen. Bei einem Probelauf mit 1000 Besuchern habe er schon einen Vorgeschmack auf dieses erhebende Gefühl bekommen. „Da weiß man, wofür man das alles gemacht hat“, sagt der Projektleiter, der in der fünfjährigen Bauphase regelmäßig von Madrid nach Oslo gereist ist.

Mit seiner Familie aus Kassel will er sich nach dem Eröffnungstrubel in nächster Zeit noch mal für eine Exklusivführung im Museum treffen. Trotzdem wird er Kasseler Begleitung bei der Eröffnung haben: seine Lebensgefährtin Natalie Pickert, die er noch aus Schulzeiten auf dem hiesigen Wilhelmsgymnasium kennt.

Das Paar hat schon in Chongqing, Peking, Schanghai und Amsterdam gelebt und gearbeitet – und ist seit 2006 in Madrid zuhause. Wer weiß, vielleicht verschlägt es den Kasseler jenseits von seinen regelmäßigen Besuchen bei Freunden und Familie auch beruflich noch zurück nach Nordhessen. Die Diskussion um einen möglichen Neubau des documenta-Instituts verfolgt das spanische Planungsbüro jedenfalls mit großem Interesse. (Katja Rudolph)

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