Rheinmetall feiert 125-jähriges Bestehen – Heute stellt der Konzern Heerestechnik und Autoteile her

Mit Munition fing es 1889 an

Panzerbau heute: Neben Boxer (Foto) und Fuchs baut Rheinmetall in Kassel eine Reihe weiterer Panzer und gepanzerter Fahrzeuge.

Düsseldorf / Kassel. Heute vor genau 125 Jahren, am 3. September 1889, nahm der Munitionshersteller „Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik Actiengesellschaft“ in Düsseldorf den Betrieb auf. Das war die Geburtsstunde des heutigen Wehrtechnik- und Autozuliefererkonzerns Rheinmetall, der in Kassel zwei Werke mit insgesamt fast 900 Mitarbeitern betreibt.

Dabei sind die Kasseler Aktivitäten weit älter als die des Mutterkonzerns. Denn das Geschäft in Nordhessen geht auf das Traditionsunternehmen Henschel zurück. 1795 wurde Georg Christian Carl Henschel vom Landgrafen zu Kassel zum alleinigen Gießer für Kanonenrohre bestellt. Das war der Beginn einer mehr als 200-jährigen Industriegeschichte.

Seit 1999 in Kassel

Das Werk Mittelfeld, in dem Rheinmetall heute sitzt, entstand 1917, nachdem Henschel einen staatlichen Auftrag zur Herstellung von Geschützen erhalten hatte. Über Rheinstahl, ThyssenKrupp und Kuka kam der Kasseler Panzerbau 1999 schließlich zum Rheinmetall-Konzern.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wuchs Rheinmetall zum zweitgrößten Hersteller von Geschützen und Munition für Heer und Marine im Deutschen Reich heran. Nach 1918 stellte das Unternehmen auf zivile Güter um: unter anderem auf Loks, Dampfpflüge und Büromaschinen. Drei Jahre später nahm das Unternehmen auch wieder die Rüstungsproduktion auf und geriet ab 1933 unter vollständigen Einfluss der Nazis. Im Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Produktionsstätten zerstört. Nach Kriegsende fertigte Rheinmetall zunächst zivile Güter, ab 1956 auf Wunsch der damaligen Bundesrepublik auch wieder militärisches Gerät, zunächst hauptsächlich Handfeuerwaffen wie das MG 42 und MG 3 sowie eine 20-mm-Kanone. 1964 schließlich wurde der Geschützbau reaktiviert. Ein Meilenstein ist die 120-mm-Glattrohrkanone für den schweren Kampfpanzer Leopard 2, die noch heute produziert wird – unter anderem von den USA, wo sie General Dynamics in Lizenz herstellt. Sie gilt als weltweit bestes und zuverlässigstes Geschütz.

Weitere wichtige militärische Produkte sind die hochgeschützten Transportpanzer Fuchs und Boxer, ABC-Panzer, der Schützenpanzer Puma, Berge- und Pionierpanzer, das Flugabwehrsystem Mantis, Feuerleitsysteme, das Infanteriesystem Gladius, das als modernste Soldatenausstattung weltweit gilt.

In den 1960er-Jahren verstärkte Rheinmetall seine zivile Sparte. 1986 und 1997 übernahmen die Düsseldorfer die Autozulieferer Pierburg und Kolbenschmidt, die die Kernstücke der Automotive-Sparte KSPG bilden. Produziert werden unter anderem Nutzfahrzeug- und Großkolben, Zylinderkurbelgehäuse und -köpfe, Gleitlager, Strukturbauteile aus Aluminium, Systeme zur Schadstoffreduzierung, Ventile, Öl-, Wasser- und Vakuumpumpen. Der Rheinmetall-Konzern ist in 130 Ländern der Welt vertreten.

Von José Pinto

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