Susanne Völker zieht nach fünf Jahren Bilanz

Grimmwelt in Kassel: „...ein unglaublicher Glücksfall...“

Die Grimmwelt am Weinberg: Seit fünf Jahren ist das Museum ein Publikumsmagnet in Kassel. Archivfoto: Dieter Schachtschneider/Charterflug Knabe
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Die Grimmwelt am Weinberg: Seit fünf Jahren ist das Museum ein Publikumsmagnet in Kassel. Archivfoto: Dieter Schachtschneider/Charterflug Knabe

Die Grimmwelt in Kassel besteht nun seit fünf Jahren. Ein Rückblick.

Kassel – Die Grimmwelt, das jüngste Ausstellungshaus der Museumsstadt Kassel, besteht seit fünf Jahren. Das Jubiläum wird gleichzeitig mit einem weiteren bedeutenden Jahrestag gefeiert: 15 Jahre Anerkennung der Handexemplare der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen durch die Unesco als Weltkulturerbe.

Wir haben uns mit der Expertin für diese Themen unterhalten, Kulturdezernentin Susanne Völker. Sie war die erste, prägende Leiterin der Grimmwelt.

Sie haben vor fünf Jahren die ersten Schritte des Babys Grimmwelt begleitet. Woran erinnern Sie sich besonders gerne?

Das ist eine schöne Frage, denn es war eine turbulente, bewegende und extrem vielseitige Zeit. Ideen wurden entwickelt und verworfen, Konzepte erstellt und umgesetzt. Es ging um Inhaltliches, Bauliches, Finanzielles, Kommunikatives – und dabei immer um die Brüder Grimm. Das Schönste: Es war ein gemeinsamer Prozess. Eine Vielzahl von Menschen ganz unterschiedlicher Professionen haben dieses Projekt konstruktiv und erfolgreich umgesetzt. Ich bin froh, ein Teil dieser Entwicklung gewesen zu sein.

Mit welchem Anspruch haben Sie damals Ihr Amt angetreten? Sie haben ja Neuland betreten und hatten damit viel Gestaltungsfreiheit.

Das Ziel war klar: Es sollte die Grimmwelt Kassel entstehen, aber was das inhaltlich und organisatorisch im Einzelnen bedeuten würde, war noch nicht im Detail klar. Einzelne Projektschritte bauten aufeinander auf und so mussten immer wieder Entscheidungen getroffen werden, die sich dann natürlich auf künftige Entscheidungen auswirkten.

Der Anspruch war von Anfang an, etwas Neues und Progressives entstehen zu lassen. Es sollte dem Facettenreichtum der Grimms ebenso gerecht werden, wie den berechtigten Erwartungen der Kasseler Bürgerinnen und Bürger an einen spannenden und einladenden neuen Kulturort. Das war von Anfang an ein ehrgeiziges Ziel, aber auch der Ansporn.

Was macht die Grimmwelt in Ihren Augen besonders?

Jacob und Wilhelm Grimm, ebenso wie auch Ludwig Emil Grimm waren für ihre Zeit auf vielfältige Weise prägend – weit jenseits der Märchensammlung. Bis heute sind sie Inspiration und Vorbild für wissenschaftliches Arbeiten, sie sind untrennbar mit der Sprachforschung verbunden, sind Netzwerker und natürlich Sammler und Bewahrer von schriftlichem Kulturgut. Dass sich die Märchen im Bewusstsein der Menschen durchgesetzt haben, ist nur allzu verständlich. Wir alle lieben Geschichten von Gut und Böse mit Wundern und Zauber und am besten einem guten Ausgang. Die Grimmwelt greift all das auf und trägt damit das vielfältige Erbe der Grimms weiter. Das macht sie in meinen Augen besonders.

Und wenn Sie in die Zukunft schauen: Was wünschen Sie sich noch?

Die Grimmwelt ist - wie das Schaffen der Grimms selbst - nicht statisch. Sie gibt Raum für neue Ideen, Impulse und Möglichkeiten. Viele Köpfe haben mehr Ideen als wenige – das gilt auch hier und so freue ich mich auf künftige Entwicklungen, Ausstellungen, Veranstaltungen und Pläne.

Ist sie ein Museum für die Stadt oder eher ein Magnet für ein internationales Publikum?

Beides zum Glück. Natürlich gibt es Themen und Kooperationen, die eher lokal und regional verwurzelt sind und in die Tiefe gehen können. Gleichzeitig ist die internationale Wirkung der Brüder Grimm unbestritten und auch die Grimmwelt hat einige Aufmerksamkeit international erfahren. Aber fünfjährige – und die Grimmwelt ist ja jetzt fünf – müssen vielleicht auch noch gar nicht mit der ganzen Welt im Kontakt stehen. Diese Netzwerke können Stück für Stück wachsen.

Fünf Jahre sind eigentlich eine kurze Zeit. Die Grimmwelt ist aber bereits tief verwurzelt in der Stadt und es fühlt sich so an, als habe es sie schon immer in Kassel gegeben. Wie erklären Sie sich das?

Das ist wirklich schön! Die Akzeptanz ist wunderbar und der Ort wurde von Anfang an mit Wertschätzung aufgenommen, was mich sehr gefreut hat. Vielleicht war es einfach an der Zeit, gut vorbereitet und umgesetzt. Von der Idee bis zur fertigen Realisierung war der Weg ja noch einmal viel weiter als die reine Bauzeit. So konnte das Vorhaben reifen und entwickelt werden.

Hinzu kommt natürlich, dass das Gebäude, die Exponate und umgesetzten Ideen überzeugt haben und auf diese Weise die Brüder Grimm an prominenter Stelle einen würdigen neuen Ort erhalten konnten. Nicht nur von außerhalb ist dies positiv wahrgenommen worden. Ich glaube, es gibt in Kassel auch so etwas wie ein Stolzsein auf diese Entwicklung.

Selbst wer noch nie in der Grimmwelt war, hat wahrscheinlich schon mal die Dachterrasse mit dem grandiosen Blick über die Südstadt genossen. Welche Rolle spielt der architektonisch herausragende Bau?

Die Architektur und das Architekturbüro kadawittfeldarchitektur waren ein unglaublicher Glücksfall für das Projekt. Die Ideen, die Haltungen zum Inhalt, der behutsame Umgang mit dem Ort, seiner Geschichte und Umgebung, die kooperative Zusammenarbeit waren eine Überraschung und ein Projektmotor gleichermaßen. Im Märchen wäre das vielleicht eine Art guter Zauber.

Haben Sie ein besonderes Lieblingsexponat in der Sammlung?

Es bleibt dabei: Ich habe mein Herz verloren an Originalobjekte, künstlerische Arbeiten, an Märchenerzähl-Installationen, an witzige Mitmachstationen zur Deutschen Sprache, aber ein einzelnes Lieblingsexponat habe ich bis heute nicht. (Christina Hein)

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