Museum klont Hausmeister: Nachbildung von Mitarbeiter für Ausstellung

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Die Fälschung: Die Nachbildung aus Silikon ist noch in Arbeit in einer Berliner Werkstatt. Die Haare werden einzeln angeklebt.

Kassel. Wenn Hausmeister Michael Moll (60) demnächst seine Runden am Arbeitsplatz dreht, kann er sich dabei selbst begegnen.

Für eine ab November geplante Ausstellung hat ihn das Naturkundemuseum aufwendig nachbilden lassen.

Seine Gesichtszüge trägt zukünftig eine Fischerfigur, die vor einer auftauchenden Seeschlange ins Staunen gerät. Diese Szenerie ist Teil einer vom Naturkundemuseum selbst konzipierten Ausstellung mit dem Arbeitstitel „Monster? Die Wahrheit hinter Nessi, Bigfoot & Co.“

Für Moll ist es das Ungewöhnlichste, was er in seinen 15 Jahren als Hausmeister des Museums erlebt hat. Der Kasseler musste nicht lange überlegen, als ihn Museumsleiter Dr. Kai Füldner fragte, ob er für die 11.000 Euro teure Rekonstruktion eines Fischers als Modell zur Verfügung stehen wolle. Drei Stunden lang wurde sein Kopf in einer Berliner Werkstatt mit einer Silikonmasse bestrichen und anschließend mit Gips überzogen. Für jedes Ohr und die Mundhöhle hielt er allein jeweils eine halbe Stunde still.

Weil das Staunen des Fischers realitätsnah sein soll, musste der verheiratete Vater dreier Töchter sich für den Gesichtsabguss mit geöffnetem Mund leicht zurücklehnen. „Anschließend war mein Hals ganz steif“, sagt Moll. Museumsleiter Füldner hatte den gelernten Elektriker ausgesucht, weil er „ein markanter Typ mit seemännischem Gesicht“ sei. Zudem sei er ein guter Mitarbeiter, der eine Verewigung verdient habe.

Trotz seemännischem Gesicht - Fischer habe er nie werden wollen, sagt Moll. „Aber als Junge habe ich gerne geangelt.“ Als jetzt die ersten Fotos von seiner Silikon-Nachbildung aus Berlin kamen, staunte er über das Ergebnis.

Im August soll die fertige Figur, bei der jedes Haar einzeln angeklebt werden muss, geliefert werden. Allerdings ist nur ihr Gesicht eine porengenaue Nachbildung des Kasselers - alles andere wäre zu teuer geworden. „Ich freue mich besonders darauf, dass ich bald um mich herumgehen kann. Wer kann sich schon in 3D sehen?“, sagt Moll. Zudem sei es eine einmalige Chance, für die Nachwelt sichtbar zu bleiben. „So können noch meine Ururenkel sagen, guck mal, das war unser Ururopa.“ Sein Chef Füldner hofft, dass Moll ein Export-Schlager wird. Die derzeit entstehende Ausstellung, die sich mit Tieren beschäftigt, die sich zwischen Realität und Fantasie bewegen, will er nach der Präsentation in Kassel deutschlandweit an Museen verleihen. Es gebe bereits Anfragen renommierter Häuser.

Im Auftrag der Kasseler sind neben dem Hausmeister in Fischerkluft ein zweieinhalb Meter großer Bigfoot, ein Zwergenmensch und ein sechs Meter langer Seeschlangenhals in Arbeit.

Austellung im November

Noch müssen sich Neugierige gedulden: Die Ausstellung „Monster? Die Wahrheit hinter Nessi, Bigfoot & Co.“ soll erst im November im Naturkundemuseum am Steinweg starten. Sie zeigt zum einen Tiere, die zoologisch denkbar, aber unwahrscheinlich sind. Jeweils wird erklärt, ob diese Tiere überhaupt lebensfähig wären und wie wahrscheinlich ihre Existenz ist. Zudem wird ein Bogen geschlagen zu Tieren, die ein Mysterium umgeben. Dazu zählt der australische Beutelwolf, der vor 100 Jahren ausgestorben ist, aber von dem immer wieder behauptet wird, er sei irgendwo gesichtet worden.

Boot gesucht

Für die Darstellung des Fischers in der Ausstellung sucht das Naturkundemuseum noch ein altes Fischerboot von bis zu fünf Metern Länge. Wer eines zur Verfügung stellen kann, meldet sich im Museum, 0561/7874066.

Von Bastian Ludwig

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