Grimm-Welt soll wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht werden und Erlebnischarakter haben

Grimms I: Ein Museum zum Mitmachen

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Museum und Erlebniswelt

Kassel. Ist eine Nabelscheibe ein Fensterteil, eine Geburtshilfe, ein Piercing-Schmuckstück oder ein Bauteil am Fahrrad? So könnte in einem Quiz in einer Grimm-Welt am Weinberg eine Frage zum Deutschen Wörterbuch lauten. Darin wird sie als Butzenscheibe, also Fensterteil, erläutert.

„Grimm-Welt“ ist im Kasseler Grimm-Gesamtkonzept Arbeitstitel für ein so anspruchsvolles wie unterhaltsames Programm: Das Erbe der berühmten Märchensammler und Sprachforscher soll gesammelt, bewahrt, erforscht, dokumentiert, ausgestellt und unterschiedlichen Besuchergruppen vermittelt werden.

Neuland betreten

Und das in drei Bereichen, die ein klassisches Museum mit einer „Erlebniswelt“ verbinden. Erfahrungen aus naturwissenschaftlichen „Science Centern“ sollen auf die Geisteswissenschaften bezogen werden. Mit solch einem Humanity Center könne „in Europa Neuland betreten werden“, so Ulrich Hermanns.

• Auf etwa 750 Quadratmetern sollen Grimms Märchen inszeniert werden. Vorgeschlagen wird, beispielhaft fünf Märchen in je fünf Akten zu erzählen und mit „attraktiven Schauwerten“ zu ergänzen. Gestaltet werden sollen die geschlossenen Raumfolgen von populären Designern und Künstlern. Als Beispiele wurden genannt Ai Weiwei, Doris Dörrie, Karl Lagerfeld, Fatih Akin, Cornelia Funke. • Im Kosmos Grimm sollen auf ebenfalls 750 Quadratmetern dokumentarisch und systematisch die Biografien, Wirkungsstätten und Quellen dargestellt werden. Die Grimms werden in ihrer brüderlichen Arbeitsweise, als Wissenschaftler, Juristen und Politiker porträtiert, außerdem werden Märchentraditionen und die Rolle der Märchenzuträger gewürdigt. In einer „Schatzkammer“ zu sehen: das Weltdokumentenerbe, die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen. Hermanns: „Das kann ruhig zelebriert werden.“

• Im Grimm-Labor (500 Quadratmeter) sollen Sprache und Märchen interaktiv aufbereitet werden: mit Spiel-, Wissens- und Experimentierstationen. Die Themen könnten von Märchen unserer Zeit („Urban Legends“) bis zur Körpersprache reichen, jeder könnte dank Internet-Beiträgen zum Märchenerzähler werden. Der Einschätzung des Konzepts zufolge werden sich Besucher, die 45 Minuten bis eine Stunde Anreise hatten, in der Regel mindestens zweieinhalb Stunden in der Grimm-Welt aufhalten.

Wissens-Service

Die Grimm-Welt soll mit einem „Wissens-Service-Bereich“ auch Anlaufstelle für Wissenschaftler, Studierende, Schüler und Journalisten sein.

Grundlage für das Konzept war einerseits die Analyse des Grimm-Museums und von dessen Beständen. Auch in bereits existierenden Literaturmuseen und Märchenwelten wurde recherchiert, die Erlebnis und Wissen gleichermaßen gerecht werden, die einen Medienmix mit vielen „Mitmach-Elementen” praktizieren, neue Vermittlungsformen ausprobieren und in einen Dialog mit Besuchern treten.

Die Palette reichte vom Auswandererhaus in Bremerhaven bis zur „Charles-Dickens-World“ in Kent (England) und dem neuen Schiller-Nationalmuseum in Marbach.

Von Mark-Christian von Busse

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