Der in Madrid lebende Architekt Jens Richter hat neues Munch-Haus entworfen

Museum für Oslo aus Kasseler Hand

Mit Knick in der Fassade: In Oslo soll ein neues Munch-Museum gebaut werden (Gebäude rechts) in unmittelbarer Nachbarschaft der bestehenden Oper (links). Für den Entwurf des zwölfstöckigen Museumsbaus, der bis 2018 realisiert werden soll, ist der aus Kassel stammende Architekt Jens Richter verantwortlich. Illustration: AFL

Kassel. Wenn ein Architekturbüro aus Madrid in Oslo einen Museumsneubau realisiert, gibt es eigentlich keinen Grund, an Kassel zu denken.

Hinter dem Entwurf für das spektakuläre zwölfstöckige Gebäude in der norwegischen Hauptstadt, in dem ab 2018 die Kunst von Edvard Munch ausgestellt werden soll, steckt aber ein Planer aus Kassel. Jens Richter arbeitet seit 2006 für das spanische Architektenbüro Herreros und ist verantwortlich für das Projekt, für das es nach langem politischen Hin und Her in Oslo jetzt grünes Licht gab.

Kassel bleibt Heimat: Jens Richter lebt seit 2006 in Madrid und ist dort Direktor des renommierten Architekturbüros Herreros. Foto: Rudolph

Der 36-Jährige hat für das international tätige Büro schon mehrere Großprojekte betreut. Derzeit wird in Bogotà (Kolumbien) ein riesiges Kongresszentrum errichtet, für das der Kasseler die Planungen verantwortet. Und in Casablanca (Marokko) entsteht eine moderne Wohnsiedlung, die mit aus seiner Feder stammt. Auch wenn diese Projekte vom Bauvolumen größer seien - was die Strahlkraft betrifft, sei das Munch-Museum das wichtigste in seiner Laufbahn, sagt Richter. Als der Osloer Stadtrat das 220-Millionen-Vorhaben Ende Mai endgültig beschloss, sei das Medieninteresse enorm gewesen. „Wir haben zwei Wochen lang nur Interviews gegeben.“

Der Kasseler, der sein Abitur auf dem Wilhelmsgymnasium abgelegt hat, spricht im Wir, wenn er von seiner Arbeit erzählt. Von dem oft inszenierten Personenkult um „einen einzelnen genialen Geist“ halte er nichts, sagt der 36-Jährige: „Architektur ist ein Gruppensport.“ Was er mit seinem Team entworfen hat, überzeugte die Jury des Osloer Architekturwettbewerbs. Über das ehemalige Hafenviertel wird sich künftig ein zwölfstöckiges Gebäude wie ein Leuchtturm erheben. Markant ist vor allem der Knick in der zur Bucht geneigten Glasfassade.

China, Amsterdam, Spanien

An dem Fjord wird Jens Richter während des Baus in den nächsten Jahren noch viel Zeit verbringen. Herumgekommen ist der 36-Jährige auch vorher schon. Nach dem Studium an der Uni Kassel lebte und arbeitete er mit seiner ebenfalls aus Kassel stammenden Lebensgefährtin Natalie Pickert, die Grafikdesignerin ist, in Chongqing, Peking, Schanghai und danach in Amsterdam. 2006 ging das Paar nach Spanien. „Wir wollten einfach in den Süden.“ Und so landeten sie in Madrid.

Ob er sich einmal träumen lassen hätte, ein so erfolgreicher Architekt zu werden? „Ich bin eigentlich kein Träumer und auch kein ehrgeiziger Karrierebauer“, sagt Richter. „Ich bin immer meinen Instinkten gefolgt und habe gemacht, was mir Spaß macht.“ Die internationalen Bauprojekte finde er unglaublich spannend. „Aber ich arbeite genauso gern an einem kleinen Häuschen in der spanischen Extremadura.“ Jens Richter ist nicht abgehoben. Und er kommt immer wieder gern auf nordhessischen Boden zu seiner Familie zurück. „Kassel ist ein wichtiger Teil meines Lebens, hier habe ich Heimatgefühle.“ Ausgleich zum oft stressigen Arbeitsalltag findet er hier vor allem in der Natur, im Bergpark und im Habichtswald. Es kann allerdings immer sein, dass das Handy klingelt. Ein Anruf aus Oslo.

Von Katja Rudolph

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